Globale Jugend, globale Zukünfte

Call for Papers, PERIPHERIE, Ausgabe 2/2026 (erscheint im Winter 2026)

Globale Jugend, globale Zukünfte

Call for Papers, Peripherie, Ausgabe 2/2026 (erscheint im Winter 2026)

Das gegenwärtige Zeitalter befindet sich in einem Spannungsfeld, das sich aus der Ambivalenz von Beschleunigung als Phänomen vermeintlich moderner Gesellschaften ergibt. In diesem erscheint Zukunft nicht als einheitliche, lineare Entwicklung, sondern als umkämpfte Arena widersprüchlicher Erwartungen und Praktiken. Die Zukunft bringt sowohl Einschränkungen als auch Möglichkeitsräume hervor, die Menschen individuell und kollektiv navigieren müssen.

Die dynamische Beschleunigung drückt sich dabei in unterschiedlichen Dimensionen aus. Schnellere Transport- und Kommunikationstechnologien erleichtern nicht nur die Mobilität, sondern auch die grenzüberschreitende Kommunikation. Dadurch entstehen neue Formen transnationaler Vergemeinschaftung auf analoger und digitaler Ebene. Gleichzeitig führt globaler Vernetzung dazu, dass lokale Krisen, Konflikte und auch Pandemien medial weltweit verbreitet werden und unmittelbare innergesellschaftliche Reaktionen sowie soziale Veränderungen hervorrufen. Mit dieser globalen Verdichtung geht eine temporale Beschleunigung im Alltag einher: Individuen stehen unter Druck, jederzeit verfügbar zu sein – sowohl digital als auch vor Ort. Selbstoptimierung ist zu einem Diktum der von Neoliberalismus geprägten Gesellschaft geworden. Die Wahrnehmung von Unsicherheiten und Brüchen, wie z.B. Klimakrise, Kriege, soziale Ungleichheiten und Faschisierungstendenzen, wird dadurch beeinflusst und verändert den Alltagshorizont vieler Menschen. Dieses zunehmende Krisenbewusstsein wirkt sich nachhaltig auf die Zukunftsperspektiven (junger) Menschen aus aber eröffnet auch Horizonte, um Hoffnung und alternative Zukunftspraktiken zu artikulieren und im Alltag umzusetzen.

Forschungen zu, im und aus dem Globalen Süden verdeutlichen zudem eine Reihe weiterer vielschichtiger Herausforderungen, mit denen junge Menschen bei der Gestaltung ihrer Zukunft konfrontiert sind. Diese hängen mit strukturellen Bedingungen, ungleichem Zugang zu Ressourcen sowie einem Mangel an Zukunftsperspektiven zusammen. Diverse ethnographische Studien heben hervor, dass der Alltag junger Menschen häufig von der Suche nach Erhalt und Sicherstellung von Lebensgrundlagen oder der Verbesserung von Arbeits- oder Überlebensbedingungen geprägt ist. Damit erhält der Zukunftshorizont eine weitere inhaltliche, gesellschaftliche und strukturelle Prägung, die sich in verschiedenen Praktiken und Zukunftsvorstellungen widerspiegelt. Derzeit deutliches Zeichen sind die weltweit auftretenden Proteste der sogenannten Generation Z.

Auf diese Weise werden globalen Differenzen und Ungleichzeitigkeiten in der Auffassung von Zukunft offensichtlich. Allerdings wird ebenfalls deutlich, dass die Zukunftsgestaltung der Jugend in komplexe Figurationen eingebettet ist, welche sich über strukturelle Ungleichheiten, wirtschaftliche und soziale Bedingungen und Reformen, politische Dynamiken sowie kulturelle Transformationen erstrecken. Dadurch entstehen sowohl individuelle als auch gesellschaftliche/soziale Handlungsräume und -horizonte für junge Menschen, Zukunft oder auch Zukünfte auszuhandeln und zu navigieren. Diese Aspekte wirken inzwischen nicht nur auf lokaler, sondern auch auf globaler Ebene und müssen im Kontext gesellschaftlicher Transformationen betrachtet werden.

Sozialwissenschaftliche Forschung zeigt bereits, dass Zukünfte mit dem starken Fokus auf (gesellschaftlichen) Wandel konzipiert werden, was in Konzepten der „prefigurativen Politiken“ oder „gelebten Utopien“ artikuliert wird. Gleichzeitig können Zukünfte stark in Form von Nostalgie oder Melancholie in die Vergangenheit eingebettet sein. Unverkennbar bleibt jedoch die Interdependenz von Zukunftsvorstellungen, Machtverhältnissen, strukturellen Bedingungen und sozialem Wandel.

Junge Menschen stehen dabei nicht nur im Zentrum aktueller Transformationsprozesse, sondern ihre Perspektiven sind auch entscheidend, um zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen zu verstehen und zu gestalten. Das drückt sich in der Tatsache aus, dass Forschung zu Zukunft und Jugend disziplinär verstreut ist. Daher widmet sich diese Ausgabe dem Ziel, interdisziplinäre Zugänge auf Jugend und Zukunft sichtbar zu machen.

Mit diesem Heft soll daher ein Beitrag zur Wissensproduktion über die gesellschaftliche Zukunft geleistet und disziplinäre Brücken gebaut werden.

Vor diesem Hintergrund freuen wir uns auf Beiträge zu folgenden Themen:

  • Aushandlung von Zukunftsvorstellungen an der Schnittstelle von individuellen Aspirationen, kollektiven Vorstellungen sowie strukturellen Bedingungen
  • Zukunft als soziale Konstruktion im Wandel
  • Globalisierte Zukünfte junger Menschen
  • Transformationen im Alltagsleben junger Menschen und Initiativen, Wege in eine (bessere) Zukunft zu gestalten
  • Einfluss von Themen wie Digitalisierung, Klimakrise, Migration, soziale Ungleichheit, Faschisierungstendenzen o.Ä. auf Zukunftsgestaltung
  • Religiöse und/oder politische Partizipation und Zukunftsentwürfe junger Menschen
  • Methodologische und empirische Zugänge zur Erforschung von Jugend und Zukunft sowie unterschiedliche epistemologische Perspektiven auf Zeitlichkeit und Zukunft

Darüber hinaus sind auch Beiträge willkommen, die weitere Themenfelder berühren und in engem Bezug zum Schwerpunkt dieses Calls stehen. Eingereicht werden können sowohl Arbeiten mit transnationalen Perspektiven als auch nationale Fallstudien. Ebenso freuen wir uns über Untersuchungen, die auf transdisziplinären Ansätzen beruhen. Nicht zuletzt sind auch theoretische Beiträge von Interesse, die sich mit der Konzeption von Zeitlichkeit in Bezug auf Generationen beziehen.

Redaktionsschluss für Artikel ist der
15. Mai 2026.

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