Politik

Zeit und Raum

Prognosen des globalen Wandels und der Überwindung des Kapitalismus
in (18.01.2019)
Das Kommunistische Manifest wird als eine weitsichtige Prognose kapitalistischer Globalisierung angesehen. Andererseits haben sich anti-kapitalistische Revolutionen ganz anders entwickelt als vom Manifest erwartet. Der Kapitalismus hat sehr viel flexibler als angenommen auf die Herausforderungen sowohl seiner eigenen Dynamik als auch der Russischen und Chinesischen Revolution reagiert. Der Autor vertritt die These, dass vor allem die Vernachlässigung der Wechselbeziehungen zwischen Zeit und Raum diesen Fehlprognosen zugrunde liegen. Nach einer Übersicht über Ansätze der Prognose des sozialen und politischen Wandels (einschließlich Futurologie und Utopien), diskutiert er die Rolle von Prognosen in der globalen Umweltpolitik, ausgehend von einer umfassenden Studie der US-Regierung (Global 2000). Angesichts fehlender transformativer Visionen, wendet er sich der kritischen Kapitalismusanalyse zu und fasst die Beziehungen zwischen der Vision des Kommunistischen Manifestes, dem Wandel revolutionärer Konzepte und ihres Scheiterns zusammen. In seiner Vorhersage nationaler Revolutionen unterschätzte Marx den Wandel globaler Raumstrukturen im Verlaufe kapitalistischer Entwicklung, die zu einer Vertiefung der Globalisierung und zum Entstehen einer Arena globaler Politik führten. Die Regulationstheorie hat die Abfolge spezifischer Phasen kapitalistischer Akkumulation analysiert. Diese Entwicklung wird jedoch in jüngster Zeit von einer wachsenden Resilienz der Nationalstaaten begleitet, wobei Profite aus der ungleichen Entwicklung eine Quelle der Finanzierung sozialer Kompromisse in den fortgeschrittensten und mächtigsten Ländern darstellen. Schließlich stellt eine massive internationale Migration die Prinzipien einer globalen Kapitalmobilität und einer nationalen Kontrolle der Mobilität von Arbeitskräften in Frage. Während die globale politische Fragmentierung in vielerlei Hinsicht im Konflikt mit Menschenrechtsnormen und dem Kampf gegen den Klimawandel steht, stärkt eben diese Fragmentierung die nationale Identifizierung vieler Bürger im Globalen Norden. Das Schlusskapitel diskutiert die Probleme von Prognosen über die Zukunft des Kapitalismus sowie konkrete Utopien einer postkapitalistischen Gesellschaft vor dem Hintergrund von Konflikten zwischen einem humanitären und ökologischen Globalismus und der Resilienz nationaler Egoismen im Globalen Norden.
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Ein unvollendetes Projekt

Postdemokratie, struktureller Populismus und Demokratie im liberalen Staat

Ausgehend von dem Aufstieg populistischer politischer Bewegungen in Europa, den USA und Lateinamerika in den letzten 20 Jahren hat sich eine lebhafte und kontroverse Debatte um die Bestimmung des Populismus-Begriffes, auch in der Zeitschrift Forum Wissenschaft, entwickelt. An die Debattenbeiträge der Hefte 1/2017 und 2/2017 knüpft Kai Mosebach an und skizziert einige kritische Bemerkungen zu der Hoffnung, Populismus per definitionem auszutreiben. Den zweiten Teil seines Beitrags veröffentlichen wir in Forum Wissenschaft 1/2019.

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"Marokko ist zum Scheitern verurteilt"

Gespräch mit Claude Mangin-Asfari
in (06.01.2019)
Claude Mangin-Asfari ist eine unermüdliche Aktivistin für das Selbstbestimmungsrecht der Sahrauis und die Freilassung ihrer politischen Gefangenen aus marokkanischer Haft. Unter ihnen befindet sich ihr Mann Naâma Asfari, einer der Wortführer der Proteste von Gdeim Izik im Herbst 2010, von denen der Philosoph Noam Chomsky urteilte, dass sie es gewesen seien, mit denen der "arabische Frühling" begonnen habe – vor Tunesien und Ägypten. Nachdem Claude Mangin-Asfari im April in ihrer Heimatgemeinde Ivry-sur-Seine in einen wochenlangen Hungerstreik getreten war, um das Recht zu erkämpfen, wieder nach Marokko einreisen zu dürfen, das ihr seit 2016 von dem Königreich verwehrt wird, besuchte sie im September Deutschland, unter anderem um auf dem Afrika-Filmfestival in Köln die Dokumentation "Dis leur que j'existe – Sag ihnen, dass es mich gibt" vorzustellen. Bei dieser Gelegenheit entstand das folgende Interview.
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„Die Uniform in die Jauchegrube geworfen“

Bernd Drücke im Gespräch mit dem Wehrmachtsdeserteur Rainer Schepper

Fahnenflucht ist in Deutschland bis heute nach § 16 Wehrstrafgesetz strafbar. Während des Zweiten Weltkriegs wurden von der Nazi-Justiz über 30.000 Todesurteile gegen Deserteure gefällt. Davon wurden mindestens 23.000 vollstreckt. Bis zum Kriegsende im Mai 1945 wurden viele Männer, die sich durch Fahnenflucht der Beteiligung am befohlenen Massenmord entzogen, standrechtlich erschossen. Dieser Gefahr zum Trotz desertierten während des Zweiten Weltkriegs von den 18,2 Millionen Wehrmachtssoldaten bis zu 400.000.

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Wem gehört die Krim?

Der russisch-ukrainische Konflikt soll von den Brüchen zwischen Regierenden und Regierten ablenken

„Wieder mal beim Stehlen erwischt, setzt man auf den Patriotismus.“ Dieser Satz stammt angeblich von dem bekannten russischen Satiriker Michail Saltykow-Schtschedrin (1826-1889). Oder auch nicht: Manche sagen, das Zitat werde ihm fälschlicherweise zugeschrieben.

Wie dem auch sei – der Ausspruch ist heute in der kritischen Öffentlichkeit Russlands ziemlich populär. Und er beschreibt am treffendsten das, was eigentlich hinter dem Vorfall in der Meerenge von Kertsch steht.

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Symbolisches Kapital, Macht und Mythos

Im Feld der Kunst wird symbolisches Kapital bzw. Reputation als wesentlich für die Bestimmung künstlerischen Werts angesehen. Die künstlerische Qualität einer Position wird gemeinhin als abhängig davon gedacht, welche Anerkennung sie im Feld der Kunst generieren kann. Der Prozess der Zuschreibung von Reputation folgt je nach Kontext unterschiedlichen Regeln und ist stark von kulturellen Traditionen geprägt.

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