Theorie

Mali: Abschiebungen als postkoloniale Praxis

Ebenso wie afrikanische Migrationen finden auch Abschiebungen größtenteils innerhalb des afrikanischen Kontinents statt. Debatten darüber sind jedoch zumeist auf den Globalen Norden gerichtet. Der Artikel analysiert die Geschichte und die Praktiken von Abschiebungen aus einer weniger eurozentrischen Perspektive. Die Kernthese ist, dass Abschiebungen aus west-, zentral- und nordafrikanischen Ländern in diesen Regionen in Form von (Massen-)Abschiebungen mit der Unabhängigkeit vieler Staaten zu einem politischen Instrument wurden. Diese "afrikanischen" Abschiebungen dienten damit der Bestätigung der neuen staatlichen Souveränität in der Zeit der Dekolonisierung. Mali dient in diesem Beitrag als Beispiel, um diese (neue) staatliche Praxis und deren Auswirkungen zu untersuchen. Dabei hat der malische Staat selber keine Abschiebungen vorgenommen, vielmehr sind malische Staatsbürger*innen stark von innerafrikanischen Abschiebungen betroffen. Sie unterbrechen dabei die gerade für Westafrika kennzeichnende Zirkularität von Migrationen. In Mali entstanden u.a. Kontroversen über den Umgang mit den Abgeschobenen, etwa in Bezug auf ihre Wiederansiedlung und das Instrument der freiwilligen Rückkehr. Die malische Zivilgesellschaft begann in den 1990er Jahren, sich gegen unerwünschte Formen der Zwangsrückführung zu organisieren. Zugleich zog sich der Staat aus Reintegrationsmaßnahmen zurück, so dass hier die Zivilgesellschaft hauptverantwortlich wurde.
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Raus aus den Kinderschuhen!

Hochschulreformen und die Gleichstellung der Geschlechter

Ob "leaky pipeline", gläserne Decke oder offene Abwertung: Frauen erfahren heute an Hochschulen oft, was es heißt, sich zwischen Karriere und Privatleben entscheiden zu müssen. Und selbst wenn sie alles darauf setzen, einen klassischen männlichen Lebenslauf zu haben, in dem Kinder oder die Pflege von Angehörigen wenig bis keinen Platz haben, müssen sie dem männlichen Kollegen weichen. Diese Situation ist nicht neu, wie Patrick Weißler nachzeichnet.

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Geistiger Mist

100 Jahre Waldorfschule

Waldorfschulen sind beliebt - insbesondere bei gut situierten, akademisch gebildeten Eltern. Sie gelten als alternativ, Kreativität und die ganzheitliche Entwicklung der Kinder fördernd. Dieser Tenor bestimmte auch zahlreiche Veröffentlichungen zum 100. Geburtstag der Waldorfpädagogik. Doch das progressive Image trügt. Nach wie vor gehören von Rudolf Steiner geprägte rassistische und esoterische Weltbilder zum Kern der Bildungskonzeption der Waldorfschulen, erläutert Peter Bierl.

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Zwieschlächtig

Wissenschaftsglaube, grüner Liberalismus und Mitmachdemokratie bei Fridays for Future

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg setzte mit ihrem "Schulstreik fürs Klima" im Jahr 2018 eine weltweite Protestbewegung in Gang, an der sich mittlerweile Millionen junger Menschen unter dem Label Fridays for Future (FFF) beteiligen. Sie hat ein breites soziales Bewusstsein über die Dramatik der Klimakrise geschaffen. Jenseits der Kritik an der aktuellen Klimapolitik ist FFF inhaltlich zahm und bewegungspolitisch brav. Bürgerliche Wissenschaft, realexistierende Marktwirtschaft und Demokratie hinterfragen die tragenden Akteure nicht.

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»Es geht nicht um Tüchtigkeit, sondern auch um Gelegenheit«

Redaktionsgespräch über Ordnungskämpfe & die Konjunktur des neuen zivilen Ungehorsams

Im Redaktionsgespräch haben wir mit Aktivist*innen von Campact, Deutsche Wohnen & Co enteignen, Students for Future und Welcome United über strategische Herausforderungen, Ordnungskämpfe und die Rolle neuer sozialer Bewegungen diskutiert und gestritten. Eine Langfassung des Gesprächs gibt es auch als Podcast.

pf: Hallo zusammen, stellt Euch doch bitte erstmal kurz vor.

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Solidarität im Buch

in (28.11.2019)

Während der Begriff der Solidarität im politischen Tagesgeschehen allgegenwärtig ist, muss in gesellschaftstheoretischer und moralphilosophischer Hinsicht eine „befremdliche ‚Untertheoretisierung‘“ (Herrmann-Josef Große Kracht) festgestellt werden. Dieser Befund hat Große Kracht dazu veranlasst, sich den vergessenen Solidaritätstheorien des 19. Jahrhunderts zuzuwenden.

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Ein ewiges Hin und Her

Widerstand gegen Vertreibung durch "Entwicklung" im Bewässerungsprojekt Office du Niger, Mali
in (05.11.2019)
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte die französische Kolonialadministration die Idee, den Niger zur Bewässerung eines riesigen Gebiets in der Sahelzone zu nutzen. Baumwollanbau sollte die heimische Textilindustrie sanieren, Reisanbau die Versorgung der kolonisierten Gesellschaften Westafrikas sicherstellen. Nach der Gründung der Verwaltungsbehörde Office du Niger (OdN) und des gleichnamigen Bewässerungsprojekts in den 1930er Jahren wurden Menschen aus ganz "Französisch-Sudan" (heute Mali) in die entsprechende Region zwangsumgesiedelt, um das Land zu bewirtschaften.
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Plurales Geld

Geld ist ein modernes, internationales Kommunikationsmittel. Die traditionelle Geldtheorie hängt den Alltagserfahrungen der Menschen hinterher. Ihr Erklärungsgehalt wird täglich geringer. Diese krasse Leerstelle könnte durch moderne, internationale Theorien gefüllt werden. Neue Erklärungsansätze haben eine einmalige Chance zum "mainstream" zu werden. Doch die Community gibt sich zerstritten. Einer der wichtigsten Akteure scheint derzeit - kaum zu glauben - der Internationale Währungsfonds (IMF) zu sein, wie Mechthild Schrooten in Ihrem Beitrag argumentiert.

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