Gesellschaft

Nichts vergessen, aber dazugelernt

Es ist aufschlussreich, rückblickend zu analysieren, wie der 30. Jahrestag der deutschen Vereinigung in den bundesdeutschen Medien gewürdigt worden ist: insgesamt wenig, zudem überwiegend kritisch! Es ist aber auch nicht zu erkennen, dass das von der Politik immer wieder beschworene Zusammenwachsen beider Landesteile und Teil-Populationen zuletzt große Fortschritte gemacht hätte. Eher ist das Gegenteil zu konstatieren: eine Verfestigung der Unterschiede und ein gegenseitiges Nichtverstehen.

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Richtung Kanaky

Ein Referendum entscheidet über die Souveränität Neukaledoniens

Neukaledonien ist nominell eine französische Überseegemeinschaft mit besonderem Status (collectivité sui generis). Am 4. Oktober 2020 werden die Neukaledonier*innen zum zweiten Mal zu ihren Unabhängigkeitswünschen befragt. Dies ist das Ergebnis eines Dekolonisierungsprozesses, der von der lokalen Bevölkerung und der Kolonialmacht Frankreich vor mehr als 30 Jahren angestoßen wurde.

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Gegen Krone und Patriarchat

Über den Kampf der Frauen Saudi-Arabiens und das falsche Spiel des Tyrannen Mohammed bin Salman

1. Dezember 2014 an der emiratisch-saudischen Grenze. Die 
damals 25-jährige Loujain al-Hathloul fährt mit dem Auto zurück in ihre Heimat. Saudische Sicherheitskräfte nehmen sie an der Grenze fest. Die junge Frau kommt für 73 Tage hinter Gittern – ihr „Verbrechen“: Sie ist ein Auto gefahren. Loujain hat zwar einen emiratischen Führerschein, doch ist Saudi-Arabien damals das einzige Land auf der Welt, in dem es Frauen per Gesetz verboten ist, hinterm Steuer zu sitzen.

 

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Eine neue Konsequenz

Auch in Belgien und den Niederlanden geht es gegen Kolonialdenkmäler

Belgien und die Niederlande sind kleine europäische Länder, doch an kolonialer Ausbeutung waren beide im großen Stil beteiligt. Die beiden Nachbarn erlebten im Frühsommer eine auffallend parallele Debatte um die eigene Vergangenheit: Im Zuge von Protesten der Black Lives Matter-Bewegung nahmen antirassistische Aktivist*innen sich auch hier Denkmäler kolonialer Protagonisten vor.

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Schweinesystem à la Tönnies

Kapitalistische Ausbeutung, Rassismus, sexualisierte Gewalt, Massenschlachten

Ende März 2020 mussten zwei junge Männer je 250 Euro Strafe zahlen, weil sie zu zweit am Stadtsee meiner Wahlheimatstadt gegrillt haben. Mir kam das absurd und willkürlich vor, während die Lokalzeitung die Kriminalisierung als angemessenes Durchgreifen geradezu abfeierte. Ähnliches geschah während und nach dem ersten Covid19-Lockdown auch an etlichen anderen Orten. Viele Menschen wurden in den letzten Monaten kriminalisiert, weil sie die Abstands-, Hygiene- oder andere Corona-Regeln nicht eingehalten haben.

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»Ein Hauch von New York«

Interview mit Leonard Schmieding über HipHop in der DDR

In den letzten Jahren der DDR bis zum Mauerfall 1989 entstand eine agile Szene jugendlicher HipHopper*innen. So neuartig ihre subkulturellen Ausdrucksformen waren, so sehr standen sie zugleich in der linken Tradition wertschätzender Vereinnahmung von afroamerikanischer Kultur. Wie verlief diese kulturelle Aneignung, und was wurde daraus? Antworten gibt der Buchautor Leonard Schmieding, der die Szene näher untersucht hat.

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Das Märchen von der Entschleunigung

in (18.09.2020)

Sollten wir ein Bild malen vom Alltag in Österreich „in Zeiten von Corona“, wie würde es aussehen? Den Eindruck, den Politik und Medien über weite Strecken vermittelt haben: „Die Gesellschaft steht still“, gepaart mit dem Aufruf zu „entschleunigen“. Ein gediegenes Biedermeier-Ensemble also. Es ist die Perspektive gesunder Privilegierter, mit abgesicherten Erwerbsarbeitsplätzen, ohne Betreuungspflichten, in einladenden Wohnverhältnissen. Entschleunigung ist ihnen vorbehalten, großteils Männern und Wohlhabenden. Ich möchte hier ein anderes Bild skizzieren.

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Nicht so gerahmt werden

in (18.09.2020)

„Die Pandemie zeigt uns: Ja, wir sind verwundbar. Vielleicht haben wir zu lange geglaubt, dass wir unverwundbar sind, dass es immer nur schneller, höher, weiter geht. Aber das war ein Irrtum. Die Krise zeigt uns allerdings nicht nur das, sie zeigt uns auch, wie stark wir sind! Worauf wir bauen können!“[1] Wir sind immer schon ins Bild gesetzt.

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Bestärkend und demokratiefördernd

Erfahrungen mit Argumentationstrainings gegen rechts

Unter dem Begriff "Stammtischkämpfer*innenausbildung" organisiert das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus (AgR) antirassistische und antifaschistische Argumentationstrainings. Diese Trainings sind ein Kernbestandteil des Kampfes gegen rechts. Doch wie erfolgreich sind solche Aktivitäten? Caroline Bohn fasst die Erkenntnisse ihrer Masterarbeit zu dieser Frage zusammen.1

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