Gesellschaft

Lehre im Zeitalter von KI

Antiwissenschaftlicher Habitus durch KI-gesteuerte wissenschaftliche Tätigkeiten?

Dieser Essay thematisiert, wie der unreflektierte Einsatz von KI in Studium und Lehre den mündigen Denkprozess erodiert, für den es als Produktivkraft eingesetzt wird. Ausgangspunkt sind Praxiserfahrungen, bei denen die studentische Nutzung von Large Language Models einen geradezu antiwissenschaftlichen Habitus hervorbringt, in dem die intellektuelle Aneignung und Reflexion von Gedanken eine untergeordnete Rolle spielt und so den Bildungsprozess gefährdet. Dabei werden Spannungsfelder der Studierenden in den Blick genommen, aus denen sich Motivlagen begründen lassen.

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Lebendige Arbeit, enteigneter Intellekt

Die technologische Neuordnung von Arbeit, Wissen und Macht

Künstliche Intelligenz, so argumentiert Torsten Bewernitz im folgenden Beitrag, ist eine sozial determinierte Technik: als solche ist sie sowohl von kapitalistischen als auch autoritären Entwicklungen abhängig und von diesen nicht zu trennen. Ebenso wenig zu trennen ist sie jedoch auch von der menschlichen Arbeit.

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KI als neuer Recruiter

Wie KI-Systeme Frauen im Bewerbungsverfahren benachteiligen

In der Arbeitswelt 4.0 1 werden Personalauswahlverfahren zunehmend mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)2 durchgeführt. Die Digitalisierung des Recruitings verspricht Objektivität, doch wie der Amazon-Fall aus dem Jahre 2017/2018 zeigt, können KI-Systeme diskriminierende Züge gegenüber Frauen und gesellschaftlichen Minderheiten entwickeln. Mit dem EU AI Act, dem ersten Gesetz bezüglich KI, trat 2024 erstmals eine verbindliche Regulierung in Kraft, um fehlerhafte Informationsverarbeitung zu vermeiden. Doch reicht das aus?

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Anarchie bleibt unser Ziel

Editorial Graswurzelrevolution Nr. 510, Sommer 2026

Liebe Leser*innen,

 

als Graswurzelrevolution-Redakteur habe ich das Glück, Menschen kennenzulernen, die von einer freiheitlich-sozialistischen Gesellschaft jenseits von Herrschaft und Gewalt träumen. Zu meinen eindrücklichsten Begegnungen zählten die Treffen und intensiven Gespräche mit den Anarchosyndikalisten Helmut Kirschey (1913–2003) (1) und Abel Paz (1921-2009) (2), die die Soziale Revolution in Spanien 1936 erlebt und mitgestaltet haben.

 

„Anarchie ist nur gewaltfrei denkbar, sie bleibt das Fernziel der Menschheit.“
 

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Klimaaktivismus ist notwendig, nicht kriminell!

Ein Interview mit Lea Bonasera, die als Mitgründerin der Letzten Generation kriminalisiert wird

Lea Bonasera, geboren 1997, hat Internationale Beziehungen in Oxford studiert und schreibt dort gerade ihre Doktorarbeit zum Thema „Scheitern der Klimagerechtigkeitsbewegung“. Sie ist Autorin von „Die Zeit für Mut ist jetzt!“ (1) und betreibt mit Dalilah Shemia den Podcast „Tee & Taktik“ (2). 2021 hat Lea die Letzte Generation mitgegründet. Sie hat auf der Straße, vor Ministerien und im Hungerstreik Zivilen Widerstand geleistet.

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Kidfluencing als digitale Kinderarbeit?

Zur Kommodifizierung und Kommerzialisierung von Kindheit im Internet
Der Begriff „Kidfluencer“ bezieht sich auf Kinder und Jugendliche, die durch das Erstellen und Teilen von Inhalten auf Social-Media-Plattformen an Popularität gewonnen haben. Kidfluencing kann stark kommerzialisiert sein und verschiedene Markenkooperationen, Sponsoring und andere kommerzielle Unternehmungen umfassen. Basierend auf einem theoretischen Rahmen, der die Perspektive von Kindern als sozialen Akteuren im digitalen Bereich mit soziologischen Ansätzen zu akzeptabler bzw. potenziell ermächtigender child work und zu schädlicher und ausbeutender child labour verbindet, analysiert dieser Beitrag das Phänomen Kidfluencing anhand von Fernseh- und Online-Dokumentationen über deutschsprachige Kidfluencer und ihre Eltern sowie einer netnografischen Analyse ihrer Social-Media-Konten. Die Analyse zeigt, dass beim Kidfluencing altersspezifische Praktiken von Freundschaften und Freizeitgestaltung digital kommerzialisiert werden, um Traffic in sozialen Medien zu generieren und Werbekontexte für Produktplatzierungen zu schaffen. Kidfluencer sind ein wichtiger Bestandteil digitaler Lieferketten und führen oft alle Aufgaben der Inhaltserstellung selbst aus. Aspekte der Kommerzialisierung werden jedoch in der Regel zwischen Eltern und Fachleuten ausgehandelt, was zu einem Risiko der Ausbeutung von Kindern führen kann.
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Interdisziplinäre Perspektiven auf schleichende Gewalt

4. Jahrestagung, TraCe Netzwerk, Philipps-Universität Marburg, 19.-21. November 2025

Gewalt wird häufig als plötzliches, sichtbares Ereignis wahrgenommen. Viele Formen manifestieren sich jedoch allmählich, über lange Zeiträume und jenseits medialer Aufmerksamkeit. Unter dem von Rob Nixon (2011) geprägten Begriff der »slow violence« werden genau jene Arten von Schädigung verstanden, die sich schleichend entfalten und daher leicht übersehen werden.

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