Virale Evolution

Vom worst case und Handlungsimperativen

Das Kommende hätte man erahnen können – und hat es doch zu spät vorausgesehen. Im politischen Denken der Regierungen schlägt das Virus nun umso drastischer zurück. Denn ihre Maßnahmen stützen diese auf die Antizipation möglicher Zukünfte, sie entwerfen Szenarien und gestehen dem worst case dabei eine prominente Stellung zu. Wie ein Schatten überlagert er die Gegenwart und beschwört eine drohende Zukunft herauf.

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Das Märchen von der Entschleunigung

in (18.09.2020)

Sollten wir ein Bild malen vom Alltag in Österreich „in Zeiten von Corona“, wie würde es aussehen? Den Eindruck, den Politik und Medien über weite Strecken vermittelt haben: „Die Gesellschaft steht still“, gepaart mit dem Aufruf zu „entschleunigen“. Ein gediegenes Biedermeier-Ensemble also. Es ist die Perspektive gesunder Privilegierter, mit abgesicherten Erwerbsarbeitsplätzen, ohne Betreuungspflichten, in einladenden Wohnverhältnissen. Entschleunigung ist ihnen vorbehalten, großteils Männern und Wohlhabenden. Ich möchte hier ein anderes Bild skizzieren.

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Nicht so gerahmt werden

in (18.09.2020)

„Die Pandemie zeigt uns: Ja, wir sind verwundbar. Vielleicht haben wir zu lange geglaubt, dass wir unverwundbar sind, dass es immer nur schneller, höher, weiter geht. Aber das war ein Irrtum. Die Krise zeigt uns allerdings nicht nur das, sie zeigt uns auch, wie stark wir sind! Worauf wir bauen können!“[1] Wir sind immer schon ins Bild gesetzt.

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Bestärkend und demokratiefördernd

Erfahrungen mit Argumentationstrainings gegen rechts

Unter dem Begriff "Stammtischkämpfer*innenausbildung" organisiert das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus (AgR) antirassistische und antifaschistische Argumentationstrainings. Diese Trainings sind ein Kernbestandteil des Kampfes gegen rechts. Doch wie erfolgreich sind solche Aktivitäten? Caroline Bohn fasst die Erkenntnisse ihrer Masterarbeit zu dieser Frage zusammen.1

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Black Heroes for Future

Konstruktionen, Unterdrückungen und Bearbeitungen des Schwarzen
Dieser Essay ist Ereignissen der letzten Zeit geschuldet. 2018 veröffentlichten die Marvel Studios das Science-Fiction-Epos »Black Panther«. Der Actionfilm erzählt eine neue Geschichte, indem die Akteur*innen und der Held der Geschichte Schwarz sind. Dieses Jahr brachten die Black Lives Matter-Proteste mit Denkmalstürzen alte Helden ins Wanken. In Bristol wurde ikonografisch die Plastik einer Schwarzen Protestierenden auf den Sockel der im Hafen versenkten Statue des Sklavenhändlers Edward Colston gesetzt. In Fiktion und Wirklichkeit wird also die Helden-Geschichte und damit vieles mehr neu verhandelt.
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Artur Lanz lernt den aufrechten Gang

Allenthalben wird geradezu phrasenhaft von den diversen Umbrüchen gesprochen, die unsere moderne Gesellschaft herausfordern. Gemeint sind sowohl wirtschaftliche, kulturelle als auch geostrategische Bezugsebenen. Hier gelte es, koste es, was es wolle, mitzuhalten, sich anzupassen und vor allem stets nach vorn zu schauen. Reflektierende Nachdenklichkeit wird wenig geschätzt, wenn nicht gleich als rückständig denunziert.

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Naturverhältnisse feministisch denken

Anforderungen an einen aktuellen Ökofeminismus

Die Klimakrise hat geschlechterspezifische Aspekte, sowohl hinsichtlich der Verantwortlichkeiten für die Ursachen als auch mit Blick auf die zu bewältigenden Folgen. In der Auseinandersetzung mit der herrschenden Umweltpolitik hat sich schon früh eine feministische Strömung entfaltet, die diese Fragen besonders in den Blick nimmt. Die aktuelle Problematik der Klimakrise bedarf dringend entsprechender Impulse aus ökofeministischer Perspektive, finden Mandy Gratz und Anja Zürn.

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Das Leben im New Normal

Corona hat den Alltag in den Philippinen stark verändert
Neue Regierungsverordnungen und massive Militär- und Polizeipräsenz im öffentlichen Raum prägen den philippinischen Alltag seit Beginn der Corona-Pandemie. Während Präsident Duterte per Notstandsgesetz seine Machtbefugnisse ausweitet, werden Bürgerrechte weiter eingeschränkt.
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Zur Politischen Ökologie von Klima- und Corona-Krise

Die Aktivitäten der "Fridays for future" hatten 2019 die Problematik des globalen Klimawandels mit ungekannter Wucht auf die politische Agenda gehoben. Seit dem Frühjahr 2020 beherrscht hingegen die Covid-19-Pandemie die tagesaktuellen Schlagzeilen. Doch die Klimakrise ist dadurch keineswegs bewältigt. Vielmehr hängen beide Krisen durchaus zusammen und haben ähnliche Ursachen. Die politische Ökologie analysiert in beiden Fällen ökonomische sowie politische Interessen und darauf basierende Machtverhältnisse als Hintergrund.

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Treppensichten

Die historische Unkenntnis von Politikern, einschließlich Ministern, und entsprechenden Journalisten ist himmelschreiend: am 29. August seien auf der Reichstagstreppe „Nazi-Fahnen“ geschwenkt worden, hieß es. Da war keine einzige Nazifahne. Zu sehen waren Fahnen des kaiserlichen Deutschlands: eine schwarz-weiß-rote Trikolore mit gleichbreiten Querstreifen. Das Nazi-Reich hatte eine rote (!!) Fahne, in der Mitte ein großes weißes Loch, in dem ein schwarzes Hakenkreuz prangte. Auch die Reichskriegsflagge des Nazi-Reiches war in der Grundfarbe rot, die des Kaisers weiß.

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