Die Graswurzelrevolution und der seidene Faden

Editorial Graswurzelrevolution Nr. 511, September 2026

Liebe Leser*innen,

 

die Graswurzelrevolution-Sommerpause ist vorbei. Dank Euch können wir in den nächsten Monaten wieder neue Ausgaben der GWR produzieren. Herzlichen Dank für Eure Spenden und Abos!
 

Angesichts des von der US-Regierung global ausgerufenen Kampfes gegen die mit Terrorismus gleichgesetzte „Antifa“ hängt auch die GWR an einem seidenen Faden. Das hat uns der Debanking-Angriff gegen die Zeitung, den Buchverlag Graswurzelrevolution und andere antifaschistische Projekte verdeutlicht. Im Antifaschistischen Infoblatt Nr. 150 vom 20. August 2026 heißt es dazu: „Ende letzten Jahres kündigte die GLS Bank alle Konten der Roten Hilfe, der DKP sowie eines Vereins, über den ABC Dresden Spenden gesammelt hatte. (…) Noch im Oktober 2025 kündigte die Postbank rund 300 regionalen Ortsgruppen der Gewerkschaft ver.di die Konten. Auch die Graswurzelrevolution war mit ihrem Buchverlag und ihrer Zeitschrift betroffen. Doch erst im Zuge der öffentlichen Debatte um die jüngsten Kontokündigungen sind auch die Kündigungen gegen ver.di öffentlich geworden. Der Kampf gegen Debanking progressiver Organisationen hat Fahrt aufgenommen.“ (1)

Die Gefahr, dass nach der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt ein Bundesland von der AfD regiert wird, ist real. Umso wichtiger ist es, nicht zu resignieren. Lasst uns die Projekte und Strukturen der Zivilgesellschaft und antifaschistischen Bewegung stärken. 

 

Friedenspreise für Connection e.V. und PJP

 

Über zwei Meldungen hat sich der GWR-Herausgeber*innenkreis riesig gefreut. Die Palestinians and Jews for Peace (PJP), deren Aktivistinnen seit Anfang 2024 viele Artikel für die GWR und den Sammelband „Die Kriegslogik durchbrechen! Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg“ (Verlag Graswurzelrevolution, Oktober 2025) geschrieben haben, werden am 1. September 2026, dem Antikriegstag, mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Und unsere Freund*innen von Connection e.V. werden am 25. September im Rathaus Münster mit dem Alternativen Westfälischen Friedenspreis geehrt. Herzlichen Glückwunsch! Das habt Ihr sowas von verdient!

 

Pressespiegel

 

Im Sommer wurden in anderen Medien Beiträge veröffentlicht, die ich Euch ans Herz legen möchte, auch weil sie mit der GWR zu tun haben.

Unter dem Titel „Anarchie. Die lange Geschichte einer politischen Utopie“ wurde am 24. Juni in Deutschlandfunk Kultur ein 30minütiges „Zeitfragen Feature“ von Mirko Heinemann gesendet, in dem unter anderem Wolfgang Eckhardt, GWR-Autorin Clara Tempel und ich zu Wort kommen. (2) 

Zwei Tage später wurde im SWR Rolf Cantzens Sendung „Anarchismus – Wo Michail Bakunins Ideen lebendig sind“ ausgestrahlt. Interviewt wurden dafür u. a. FAU-Genoss*innen, GWR-Autorin Elisabeth Voss, Siegbert Wolf und ich. (3) 

Die Tageszeitung „junge Welt“ stellt unter der Rubrik „Neu erschienen“ regelmäßig auch die neue GWR vor. Am 15. Juni schrieb sie zur Sommer-GWR 510: „In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Graswurzelrevolution schreibt Klaus Heß über ‚Kontinuitäten und Brüche‘ in 50 Jahren Nicaragua-Solidarität. Franz Nadler beschäftigt sich mit der Militarisierung der französischen Gesellschaft: ‚Die Äußerungen des Militärs, der Politik und der meisten Medien zielen auch in Frankreich darauf, die Bevölkerung und insbesondere junge Menschen auf einen Krieg vorzubereiten.‘“ Danke! ABER die GWR 510 hat auch einen 18seitigen Schwerpunkt „90 Jahre Mujeres Libres und Soziale Revolution in Spanien“, der u. a. die Verbrechen der Stalinisten im Spanischen Bürgerkrieg beleuchtet und vielleicht deshalb von der orthodox-marxistischen jW nicht erwähnt wird?

Am 30. Juni hatte „99zuEins“ den GWR-Kolumnisten Elmar Wigand zu Gast. (4) 

Im Juli hat mich Radio Dreyeckland zum Thema „Anarchistischer Antimilitarismus“ interviewt. (5) 

Nicht so sehr habe ich mich über den Artikel „Gemeinsam den linken Journalismus retten“ von Yossi Bartal gefreut, der am 17. August im nd erschienen ist. Bartal: „Ob ‚nd‘, ‚Junge Welt‘ oder ‚Konkret‘, ‚Analyse & Kritik‘ oder ‚Missy Magazine‘, ‚Jacobin‘, ‚Freitag‘ oder ‚Graswurzelrevolution‘ – Linke ohne Zeitschriften gibt es nicht – und mit ihnen die Selbstverortung in einer zerstrittenen Szene.“ (6) 

Anstatt sich über die Vielfalt der leider nur noch wenigen linken Printmedien zu freuen, empfiehlt der nd-Autor ihnen, zu fusionieren, um „mehr Gehör“ zu bekommen. Ernsthaft? Eine absurde Idee!
 

GWR 511

 

Das Thema „Antimilitarismus“ kommt auch in vielen linken Medien nur am Rande vor. Umso wichtiger ist es, dass die GWR ihre Aufgabe als Sprachrohr (auch) antimilitaristischer Bewegungen wahrnimmt und in jeder Ausgabe gegen Krieg und Militarisierung agitiert. 

Isaak Rose berichtet diesmal aus Südkorea über den historischen Anarchismus und die aktuelle antimilitaristische Bewegung dort. (S. 3 f.)

Franz Nadler von Connection e.V. analysiert die Ausbildung ukrainischer Soldaten bei der Bundeswehr als „Ertüchtigung für den Krieg“. (S. 4 f.)

Unter dem Titel „Jenseits von Suttner und Nobel“ führe ich in die Geschichte und Gegenwart des anarchistischen Antimilitarismus ein. (S. 6 f.).

Der palästinensische Pazifist Ziad Medoukh beschreibt „Verzweiflung und Resilienz in Gaza“ (S. 8) und die Deutsch-Palästinenserin Kathi Y. fragt: „Kann es eine gewaltfreie Lösung für Palästina geben?“ (S. 9)

Robert Krieg hat den beschämenden Prozess gegen die „Ulm 5“ in Stuttgart-Stammheim besucht und sieht Deutschland auf dem Weg in einen autoritären Staat: „Das Trojanische Pferd ‚Antisemitismus‘“. (S. 10 f.)

Stefan Kalmring kritisiert die Orientierungslosigkeit der politischen Linken nach dem Angriff auf den CSD in Berlin. (S. 13)

Dem Hitzesommer 2026 sind laut RKI in Deutschland bis Mitte August schon über 15.800 Menschen zum Opfer gefallen. Ausgetrocknete Flüsse und Seen, Wasserknappheit, Hitzerekorde, Waldbrände, der Klimawandel wird nicht gebremst, sondern von Regierung und Industrie weiter befeuert. Die Klimaaktivistin Aimée van Baalen fragt: „Wem gehört das Wasser?“ (S. 1, 14)

Konstantin Wecker hat in den letzten Jahren Artikel für die GWR geschrieben und wurde 2010 und 2023 von der GWR interviewt. Dabei hat er sich als „Anarcho und Feminist“ bezeichnet. Im Kontrast dazu steht sein Verhalten gegenüber drei Frauen, die in den letzten Monaten in der SZ über sexuelle Beziehungen berichteten, die sie als Minderjährige mit dem Liedermacher hatten. Wir betrachten Weckers Verhalten als Machtmissbrauch und werden keine Beiträge mehr von ihm abdrucken. In dieser Ausgabe veröffentlichen wir dazu zwei Diskussionsbeiträge: „Hinsehen, um wegsehen zu können?“ von Luzie Morgenstern und „Vom Ausnutzen patriarchaler Machtverhältnisse“ von Jens Kastner. (S. 15 ff.)

In der GWR 510 ging es u. a. um Michail Bakunin. Diesmal stellt uns Gisela Notz Antonija Kwiatkowska vor, „eine freie Frau, die weit mehr als Bakunins Ehefrau war“. (S. 18)

Weitere Themen dieser GWR sind die „Reformpolitik“ (S. 22), die A-Buchmesse Mannheim (S. 19), das Archiv Aktiv (S. 20), Karl Brauner, ein Zeitzeuge der Spanischen Revolution (S. 21), der 100. Geburtstag der Bakuninhütte (S. 1, 23), Festivals, Comix, Musik und vieles mehr.
 

Viel Spaß beim Lesen, Anarchie und Glück,

Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur)
 

Anmerkungen:

1) Siehe: https://antifainfoblatt.de/aib150/debanking-stoppen ; https://www.untergrund-blättle.ch/audio/553844/debanking-neue-form-der-repression.html

2) https://www.deutschlandfunkkultur.de/wer-ist-heute-noch-anarchist-100.html

3) https://www.swr.de/swrkultur/wissen/anarchismus-wo-michail-bakunins-ideen-lebendig-sind-das-wissen-2026-07-01-102.html

4) https://www.youtube.com/watch?v=W3xOslI3Bho

5) https://rdl.de/beitrag/das-konzept-von-anarchistinnen-ist-es-kriege-von-unten-zu-sabotieren

6) https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201943.linke-medien-gemeinsam-den-linken-journalismus-retten.html

 

Editorial aus: Graswurzelrevolution Nr. 511, September 2026, www.graswurzel.net

 

[Bildtext aus GWR 511:]

Antimilitarist*innen der südkoreanischen WRI-Gruppe World Without War. Foto: World Without War.

 

Antimilitarist*innen der südkoreanischen WRI-Gruppe World Without War. Foto: World Without War.