Gegen Krieg, Militarisierung und Faschismus - Editorial Graswurzelrevolution Nr. 512
Liebe Leser*innen,
der 25. September 2026 war ein guter Tag für den Antimilitarismus. Bundesweit haben sich an den über 100 „Schulstreik gegen Wehrpflicht“-Demos 45.000 Schüler*innen beteiligt. In Münster wurde an diesem Tag Connection e.V. (1) mit dem Alternativen Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet.
Der Verein „Alternativer Westfälischer Friedenspreis“ hat den mit 10.000 Euro dotierten Preis Ende 2025 ins Leben gerufen. Auslöser war die Entscheidung der „Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe e. V.“ (WWL), den mit 100.000 Euro dotierten „Internationalen Preis des Westfälischen Friedens“ am 1. Oktober 2026 ausgerechnet an die NATO zu verleihen.
Connection e.V. setzt sich aktiv für ein umfassendes Recht auf Kriegsdienstverweigerung und für verfolgte Deserteur*innen weltweit ein.
Die Graswurzelrevolution (GWR) arbeitet seit 1993 eng mit Connection zusammen. Wir haben viele gemeinsame Kampagnen gemacht und Mitglieder von Connection sind als Autor*innen in fast jeder GWR mit Beiträgen vertreten. In dieser GWR berichtet z. B. Connection-Mitgründer Franz Nadler über die Militarisierungsgeschichte von Helgoland. (S. 6)
Als GWR-Koordinationsredakteur durfte ich im Rahmen des Friedensfestes auf dem Domplatz einen Redebeitrag (2) für unsere Freund*innen aus Offenbach halten.
Ich finde es großartig, dass Connection e.V. den Alternativen Westfälischen Friedenspreis bekommen hat. Es gibt kaum eine Organisation, die einen krasseren Kontrast bildet zum NATO-Kriegsbündnis.
Ein Auszug aus meiner Rede: „Wir leben in Orwellschen Zeiten. In Orwells Dystopie ‚1984‘ heißt es: ‚Krieg ist Frieden‘. Das steht am ‚Ministerium für Wahrheit‘. Ähnliches erleben wir gerade. Die NATO ist das größte Militärbündnis der Weltgeschichte. Der mächtigste NATO-Staat, die USA, führt gerade einen Angriffskrieg gegen den Iran. Die Türkei besitzt die zweitgrößte Armee der NATO. Sie führt seit Jahren einen Krieg gegen die Kurd*innen in Syrien und im eigenen Land. Trump und Erdoğan sind Kriegsverbrecher.
Ich war selbst Betroffener der NATO-Kriegspolitik. Als presserechtlich verantwortlicher Redakteur der GWR wurde 1999 ein Strafverfahren wegen ‚Öffentlicher Aufforderung zu Straftaten‘ (§111 StGB) gegen mich eingeleitet, weil wir im März und April 1999 mit den GWR-Aktionszeitungen ‚Jetzt desertieren!‘ zur Blockade einer Kaserne in Calw und alle Soldat*innen zur Desertion aufgerufen hatten, während die NATO die Bundesrepublik Jugoslawien angegriffen hat.
Die GWR und Connection e.V. haben damals die Kriegsdienstverweigerer und antimilitaristischen Gruppen in allen Teilen Jugoslawiens unterstützt, z. B. die ‚Frauen in Schwarz‘. Anders als die ‚junge Welt‘ und ‚konkret‘, haben wir nicht das autokratische Milošević-Regime unterstützt. Anders als die taz und andere Mainstream-Medien, haben wir keine Propaganda für den NATO-Krieg gemacht.
Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit! Wir wollen nicht für Staaten und Regierungen Partei ergreifen, sondern für die Menschen, die sich gegen Krieg und für eine solidarische Gesellschaft stark machen, die für das Menschenrecht auf Asyl für Deserteur*innen und den Kriegsdienst verweigernde Menschen eintreten, wie Connection e.V.“
Der Alternative Westfälische Friedenspreis, der Aachener Friedenspreis (siehe Seite 1 und 9) und die Schulstreik-Aktionen setzen Zeichen für den Widerstand gegen die Kriegstreiberei. Wir hoffen, dass die Unbezwingbar-Demo (1), die am 2. Oktober in Berlin ein Zeichen setzen will gegen Militarisierung und die Reaktivierung der „Wehrpflicht“, ebenso erfolgreich sein wird.
Im Unzwingbar-Aufruf heißt es u. a.: „Wir wollen keine Generation Wehrpflicht sein! Das bereits verpflichtende Ausfüllen von Fragebögen, der Zwang zur Musterung und die Pläne für eine Reaktivierung der Wehrpflicht sind massive Eingriffe in die Freiheit junger Menschen. Diese Militarisierung der Gesellschaft lehnen wir entschieden ab.
Wir erleben die stärkste Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg. Bald fließt jeder zweite Euro des Bundeshaushalts in Aufrüstung und Krieg. Bezahlen müssen dafür wir alle – mit steigenden Preisen, Sozialkürzungen, zerfallenden Schulen, ungelöster Klimakrise und unterfinanzierten Krankenhäusern. Für die Bundeswehr hingegen werden Schulden in Rekordhöhen aufgenommen, um sie zur ‚stärksten konventionellen Armee Europas‘ aufzubauen. Auf Kosten unserer Zukunft.
Junge Menschen wollen keinen Zwangsdienst leisten und nicht zum Töten ausgebildet werden. Aus diesem Grund stehen wir als Großeltern, Eltern, Freund*innen, Geschwister, Schüler*innen und junge Menschen gegen den aktuellen Kurs der Bundesregierung.“
Gefordert wird „kein Militärdienst – weder für Männer noch für Frauen“, die vollumfängliche Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht und Asylgrund, außerdem Geld für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für Aufrüstung und Krieg. Und: „Bundeswehr raus aus den Schulen, Universitäten und der Forschung!“
Demos sind übrigens gute Gelegenheiten, um den GWR-Handverkauf wiederzubeleben und graswurzelrevolutionäre Inhalte zu verbreiten. Wiederverkäufer*innen erhalten Rabatt.
Die GWR 512 bietet Euch neben zwölf Libertären Buchseiten (S. 13-24) wieder antimilitaristische, feministische, ökologische und anarchistische Leckereien. Gisela Notz schreibt diesmal über die Anarchistin Simone Weil (S. 11) und Peter Bastian beleuchtet mit seinem Artikel „Rosatom, das trojanische Pferd“ (S. 1, 9 f.), wie Putin geopolitisch in Deutschland und Frankreich Einfluss nimmt.
Angesichts der katastrophalen Erfolge für die AfD in Sachsen-Anhalt und Meck-Pomm, möchte ich Euch besonders Andreas Kempers Artikel „Der AfD-Faschismus. Zeit zum Handeln. Nazis stoppen!“ (S. 3) empfehlen. Außerdem: „Popularität und Programm der Zerstörung. Die anti-ökologische Dimension der gegenwärtigen Faschisierung“ (S. 5).
Anarchie und Glück,
Bernd Drücke (GWR-Red.)
Anmerkungen:
1) https://de.connection-ev.org
2) https://www.youtube.com/watch?v=2OKMWLanXiY
3) https://www.unzwingbar.de/#aufruf
Graswurzelrevolutionäre Veranstaltungen im Oktober/November 2026:
Mittwoch, 14.10., 19 Uhr, Anarchistischer Antimilitarismus, mit GWR-Redakteur Bernd Drücke, Ort: Café Klatsch, Marcobrunnerstr. 9, Wiesbaden
Mittwoch, 18.11., 19 Uhr, Die Kriegslogik durchbrechen! Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg (Verlag Graswurzelrevolution), mit Herausgeber Bernd Drücke, Ort: Baracke, Platz der Weißen Rose, Münster
STAND DES VERLAGS GRASWURZELREVOLUTION AUF DER LINKEN LITERATURMESSE IN NÜRNBERG (30./31.10. & 1.11.), Künstlerhaus, Königstraße 93, im „Festsaal“.
Unsere Buchvorstellungen in Nürnberg:
(1) Samstag, 31.10., 12 Uhr, Thom Holterman (Hg.): Anarchistisches Recht, Verlag Graswurzelrevolution 2026.Mit Lou Marin (Übersetzer), Raum: Salon
(2) Sonntag, 1.11., 13 Uhr, Lou Marin / Barbara Pfeifer (Hg.): Der neue Abschiebe-Rassismus, Verlag Graswurzelrevolution 2026. Mit Lou Marin und Janick Pfitsch, Raum: Softspot im Künstlerhaus Nürnberg, 2. Untergeschoss.

[Bildtext:]
Die ausgezeichneten Aktivist*innen von Connection e.V. am 25. September. Foto: Bernd Drücke
Editorial aus: Graswurzelrevolution Nr. 512, Oktober 2026, www.graswurzel.net


