Bitterer Beigeschmack

Koloniale Spuren im globalen Ernährungsregime
Der Handel mit Weizen, Reis und Gewürzen ist so alt wie die Migrationsgeschichte der Menschen. Doch erst seit dem frühen Kolonialismus wurden die körperzehrende Plantagenwirtschaft und der transkontinentale Handel mit Nahrung strategisch zum Zwecke der Machtsicherung eingesetzt. Der Kolonialismus hat das globale Ernährungssystem in seiner jetzigen Form stark geprägt.
» mehr

Welternährung

Editorial zum Dossier iz3w 382 (Jan./Feb. 2021)
Biafra-Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und Brot für die Welt – das ist alles so Retro wie die Schwarzweißfotos aus den Siebzigerjahren. Als ein Relikt aus längst vergangenen entwicklungspolitischen Zeiten dürften jüngeren Menschen auch Begriffe wie Welternährung und Ernährungssicherheit erscheinen. Nicht ganz zu Unrecht: Eine Zeitlang hatte es ja wirklich so ausgesehen, als ob der Hunger bald aus der Welt geschafft wäre und zu einem Problem von gestern wird. Entsprechende Ziele waren in allen wichtigen internationalen Übereinkünften verankert. Noch vor fünf Jahren waren viele Fachleute optimistisch, dass zumindest ein Mindestmaß an Ernährungssicherheit auf globaler Ebene in Bälde erreicht wird.
» mehr

Der neue Weg

Hefteditorial iz3w 382 (Januar/Februar 2021)
Rückblickend mag die Welt im Jahr 1970 einfacher gewesen sein. Es war eine bipolare Welt, in der Konflikte in der Regel als Systemkonflikte interpretiert wurden: Da gab es den kommunistischen Osten und den kapitalistischen Westen. Der Vietnamkrieg galt wie viele andere Konflikte als Stellvertreterkrieg, den die rivalisierenden Systeme ausfochten, um einer direkten Konfrontation (und der Gefahr eines Atomkriegs) aus dem Weg zu gehen. In den Kriegen jener Zeit kämpften überall »Imperialisten« gegen »Kommunisten«, Schattierungen in der schwarz-weißen Welt wollten oder sollten nicht gesehen werden.
» mehr

Die Fleischindustrie in der Coronakrise

Peter Birke untersucht in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 29 unserer Zeitschrift die Corona-Krise in der deutschen Fleischindustrie. Auf der Basis von Beobachtungen und Befragungen im Oldenburger Münsterland diskutiert er den Boom von Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Fleisch seit dem Beginn der Pandemie. Er verfolgt die These, dass steigende Arbeitsbelastung und Masseninfektionen bereits bestehende Probleme eskalieren ließen, was dazu beitrug, dass das Produktionsmodell der Branche umstritten wurde.

» mehr

„Zwei Abarten des totalitären Sozialismus“

Totalitarismustheorie und Geschichtspolitik einer modernisierten radikalen Rechten
Die Totalitarismustheorie kann mit Fug und Recht als ältere Schwester der Ext-remismustheorie bezeichnet werden. Wiewohl dieser Strang der vergleichenden Forschung zu unterschiedlichen politischen Regimen vor allem der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbst eine große Heterogenität aufweist und von ihrem theoretischen Niveau so unterschiedliche Arbeiten wie Hannah Arendts „Ur-sprünge und Elemente totalitärer Herrschaft“ oder Joachim Friedrichs/Zbigniew Brzezinskis „Totalitäre Diktatur“ hervorgebracht hat, war die geschichtspoliti-sche und vor allem antikommunistische Konnotation dieses Ansatzes für seine Verbreitung in der alten Bundesrepublik von zentraler Bedeutung.
» mehr

Tödliche Effizienz

Trotz der Corona-Pandemie schließt die Bundesregierung in Deutschland weiter Krankenhäuser

Die Pressekonferenzen von Lothar Wieler, dem Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), haben für informierte Zuhörerinnen und Zuhörer zurzeit einen bitteren, um nicht zu sagen: toxischen Beigeschmack. Denn während Professor Wieler vor einer drohenden Überlastung der Krankenversorgung warnt und die Bevölkerung zu Achtsamkeit, Abstand und Solidarität aufruft, lässt sein unmittelbarer Vorgesetzter, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), munter weiter Krankenhäuser schließen.

 

» mehr

»Das ist für uns unerträglich«

Interview mit Mehdi Lallaoui über Frankreichs Kolonialmassaker in Sétif
Am 8. Mai 1945 fanden auch in Algerien Umzüge zur Feier des Kriegsendes in Europa statt. Schließlich hatten zehntausende Algerier in diesem Krieg gekämpft. Viele von ihnen hofften, dass nun auch den Kolonien endlich Freiheit und Selbstbestimmung zugestanden würden, wie es die Alliierten in ihrer »Atlantik-Charta« versprochen hatten. In der algerischen Kleinstadt Sétif tauchte deshalb bei der Siegesfeier neben französischen, englischen und US-amerikanischen Fahnen auch eine algerische auf. Als der Umzug vor dem Café de France ankam, sah der Augenzeuge Lamri Bouras, dass ein französischer Kommissar »seinen Colt zog und in die Menge schoss. Weitere Schüsse wurden von den Balkons abgefeuert.« Schon an diesem Tag gab es hunderte Tote. Proteste gegen das Gemetzel in der gesamten Region waren die Folge. Die französische Kolonialverwaltung reagierte darauf mit Einsätzen der Luftwaffe und der Marine. »Die Soldaten schossen auf alles«, erinnert sich Haada Mani, »die Leute fielen wie trockene Weintrauben.« Nach Angaben der französischen Kolonialbehörde kamen bei den Massakern 1.500 Menschen ums Leben, algerische Quellen sprechen von bis zu 45.000 Opfern.
» mehr

USA-Wahlen und Wählergruppen

Die Wahl vom 3. November 2020 war die wichtigste in der Geschichte der USA seit 1860. Damals stellte der Sieg Abraham Lincolns, der für die Republikaner kandidiert hatte, über die in der Sklaven-Frage gespaltenen Demokraten die Weichen in Richtung auf Abschaffung der Sklaverei. Es folgte der vierjährige blutige Bürgerkrieg. Seitdem hatte die Republikanische Partei unter der schwarzen Bevölkerung bis 1964 einen höheren Wähleranteil als die Demokraten.

» mehr