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Aktuelle Beiträge der Autorin / des Autors

Man kann nicht sicher sein

Themenschwerpunkteditorial iz3w 383 (März/April 2021): Polizeigewalt
Was macht die Polizei, wenn jemand nicht ins Bild passt? Gewalt ist eine Option. Salman Rushdie beschreibt das im Roman »Die satanischen Verse« am Beispiel Großbritannien so: »Sie müssen mir glauben, ich bin Engländer, sagte er, mit Aufenthaltsberechtigung, aber als er keinen Paß und auch kein anderes Dokument zur Identifikation vorzeigen konnte, begannen sie, vor lauter Freude zu heulen, Tränen strömten sogar über die ausdruckslosen Gesichter der Männer in Zivil von der Einwanderungsbehörde. Ja, sagen Sie bloß, kicherten sie, die Papiere sind Ihnen bei Ihrem Sturz wohl aus der Tasche gefallen, oder haben die Meerjungfrauen Ihnen die Taschen im Meer ausgeräumt? In der vor Lachen wogenden Brandung von Männern und Hunden konnte Rosa nicht sehen, ob ein paar der uniformierten Arme vielleicht etwas mit Chamchas Armen machten oder ihre Fäuste mit seinem Bauch oder ihre Stiefel mit seinen Schienbeinen; und sie konnte auch nicht sicher sein, ob es seine Stimme war, die aufschrie, oder ein Hund jaulte.«
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Knapp gehalten

Hefteditorial iz3w 383 (März/April 2021)
Vergangenen Mai – zu einem Zeitpunkt, als es noch keinen Impfstoff gegen Covid-19 und noch keine aggressiven Covid-Mutanten gab – bezeichneten Angela Merkel und Emmanuel Macron einen möglichen Impfstoff gegen Corona als »globales öffentliches Gut«. Der Impfnationalismus war damals noch nicht en vogue. Inzwischen herrscht in den Medien Standortdenken vor: Haben »wir« uns die größtmögliche Menge vom knappen Gut gesichert?
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Welternährung

Editorial zum Dossier iz3w 382 (Jan./Feb. 2021)
Biafra-Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und Brot für die Welt – das ist alles so Retro wie die Schwarzweißfotos aus den Siebzigerjahren. Als ein Relikt aus längst vergangenen entwicklungspolitischen Zeiten dürften jüngeren Menschen auch Begriffe wie Welternährung und Ernährungssicherheit erscheinen. Nicht ganz zu Unrecht: Eine Zeitlang hatte es ja wirklich so ausgesehen, als ob der Hunger bald aus der Welt geschafft wäre und zu einem Problem von gestern wird. Entsprechende Ziele waren in allen wichtigen internationalen Übereinkünften verankert. Noch vor fünf Jahren waren viele Fachleute optimistisch, dass zumindest ein Mindestmaß an Ernährungssicherheit auf globaler Ebene in Bälde erreicht wird.
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Der neue Weg

Hefteditorial iz3w 382 (Januar/Februar 2021)
Rückblickend mag die Welt im Jahr 1970 einfacher gewesen sein. Es war eine bipolare Welt, in der Konflikte in der Regel als Systemkonflikte interpretiert wurden: Da gab es den kommunistischen Osten und den kapitalistischen Westen. Der Vietnamkrieg galt wie viele andere Konflikte als Stellvertreterkrieg, den die rivalisierenden Systeme ausfochten, um einer direkten Konfrontation (und der Gefahr eines Atomkriegs) aus dem Weg zu gehen. In den Kriegen jener Zeit kämpften überall »Imperialisten« gegen »Kommunisten«, Schattierungen in der schwarz-weißen Welt wollten oder sollten nicht gesehen werden.
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Klarheit statt Mittäterschaft

Themenschwerpunkteditorial iz3w 381 (November/Dezember 2020): Antisemitismus

Die iz3w-Redaktion plant langfristig und ist gerade bei Themenschwerpunkten selten aktuell. Bei diesem Themenschwerpunkt leider doch. Als wir im September 2019 beschlossen, uns mit Antisemitismus zu beschäftigen, war der Anschlag von Halle noch nicht geschehen und die Corona-Pandemie, die zu einer starken Verbreitung von Verschwörungsmythen beitrug, noch nicht absehbar.

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Martin Luther King war ein Trekkie

Themenschwerpunkteditorial iz3w 380 (September/Oktober 2020): Science Fiction
»Space – the final frontier.« Den meisten Science-Fiction-Fans dürften diese Worte bekannt vorkommen. Sie erklingen zu Beginn jeder Folge der Fernsehserie »Star Trek«, die in den USA erstmals 1966 ausgestrahlt wurde. Als »Raumschiff Enterprise« flimmerte die Serie ab 1972 in Deutschland über die Bildschirme. Sie erreichte international eine solche Popularität, dass bis heute zahlreiche Nachfolge- und Spin-off-Serien, 13 Kinofilme, dutzende Comics, tausende Fanclubs mit Trekkie-Treffen und Fan-Fiction, sowie zahllose kulturwissenschaftliche Abhandlungen über das Star Trek-Universum entstanden sind.
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Deutsche Projektionen

Hefteditorial iz3w 380 (September/Oktober 2020)
Am 11. Juli wurden in Potočari bei Srebrenica acht Männer beigesetzt, die vor 25 Jahren dem Genozid in Srebrenica zum Opfer gefallen waren. Jedes Jahr werden im Rahmen einer Gedenkfeier Opfer beigesetzt, die erst jetzt identifiziert werden. Das liegt unter anderem daran, dass einige Massengräber während des Bosnienkrieges mehrfach umgebettet wurden. Dieses Jahr fielen die Gedenkfeierlichkeiten wegen der Corona-Krise kleiner aus als für den 25. Jahrestag ursprünglich geplant. Aufgrund des »runden« Anlasses bekam das Thema dennoch zumindest kurz Aufmerksamkeit in den deutschen Medien, die sich sonst kaum für die Region und die Folgen des Bosnienkrieges von 1992–1995 interessieren.
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Rechte Gewalt

Themenschwerpunkteditorial iz3w 378 (Juli/August 2020): Rechte Gewalt - Faschismus tötet überall
Laut Amadeu-Antonio-Stiftung forderte Rechte Gewalt seit 1990 in Deutschland 208 Todesopfer. Die unter anderem auf Wikipedia veröffentlichte Liste der Opfer ist ein ebenso erschütterndes wie aufschlussreiches Dokument. Die meisten Ermordeten tragen keinen deutsch klingenden Namen, was auf Rassismus als häufigstes Tatmotiv verweist. Trotzdem – oder deshalb – waren der Staat und weite Teile der Politik lange Zeit blind gegenüber Rechter Gewalt. Nur wenn es gar nicht mehr von der Hand zu weisen war, wurde zugestanden, dass die Gewalt von Rechten und aus ideologischen Motiven begangen worden war. Der NSU-Skandal ist nicht nur diesbezüglich ein eindrückliches Lehrstück.
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»Ich kann nicht atmen«

Hefteditorial iz3w 379 (Juli/August 2020)
George Floyd starb am 25. Mai 2020 in Minneapolis, erdrosselt von einem Polizisten. Er wurde 46 Jahre alt. Es ist eine grausame Tatsache, dass George Floyd nicht der erste Afroamerikaner war, der in den letzten Jahren in den USA tödlicher Polizeigewalt zum Opfer fiel. Er ist auch nicht der erste, dessen grausamer Tod auf Video festgehalten wurde. Doch etwas scheint diesmal anders zu sein. Die Proteste unter dem Schlagwort »Black Lives Matter« entfalteten eine ungeahnte Wucht.
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