Gesellschaft

Konkurrierende Erinnerungspolitiken in Gedenkstätten

„Mnemonische Rollenzuschreibungen“ und Ellipsen im Tuol Sleng Genocide Museum
In Post-Gewalt-Kambodscha ist Tuol Sleng Genocide Museum zusammen mit den "killing fields" Choeung Ek zu einem der wichtigsten Gedenkorte geworden. Dieser Ort ist zentral für den dominanten Diskurs über die Bedeutung vergangener Gewalt während der Herrschaft der Roten Khmer. Das in der Gedenkstätte vorgestellte Narrativ dämonisiert einerseits die Roten Khmer als die Gruppe, die für die exzessive Grausamkeit der späten 1970er Jahre verantwortlich ist. Gleichzeitig konstruiert es eine Opferschaft aller Menschen, die unter dem Regime gelebt haben, auch ehemaliger Kader der Roten Khmer. Diese Konkurrenz verschiedener Narrative wird durch eine Ellipse ermöglicht, bei welcher verschwiegen wird, dass ein Großteil der hier gefolterten und dann getöteten Menschen selbst Kader der Roten Khmer waren, die Säuberungen zum Opfer gefallen sind. Dieses Schweigen manifestiert sich in einer Ellipse im Audio-Guide, der auf Leiden und Schmerz in den Mittelpunkt stellt, sowie im Mangel an weiterführenden Informationen in der Dauerausstellung. Während temporäre Ausstellungen sich auch mit den einzelnen Tätern beschäftigen, wird hier ein Opferschicksal konstruiert. Auf dieser Art und Weise wird die Gedenkstätte genutzt, um ein breiteres Narrativ zu erzählen, welches die Regierung in ihrer Erinnerungspolitik stützt.
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Wider den Machismo

Brasilianische Feministinnen wehren sich gegen Präsident Bolsonaro
Am 8. März gingen auch in Brasilien viele Frauen auf die Straße. Sie protestierten gegen den rechtsextremen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro und das von ihm vorangetriebene gesellschaftliche Rollback. Dieses betrifft jedoch nicht nur Frauen. Auch die Situation von Minderheiten und MenschenrechtsaktivistInnen hat sich seit dem Amtsantritt Bolsonaros im Januar massiv verschlechtert.
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Klimawandel

Themenschwerpunkteditorial iz3w 372 (Mai/Juni 2019)
An kaum einem anderen technischen Gerät lassen sich die Verrücktheiten des Klimawandels und seiner Bekämpfung so gut aufzeigen wie an Klimaanlagen. Für viele Menschen sind sie unverzichtbar geworden, um mit dem Temperaturanstieg fertig zu werden. Dies gilt gerade für Länder des Südens, wo alle der dreißig Metropolen mit den weltweit höchsten Durchschnittstemperaturen liegen. In den urbanen Hitzeblasen ist das Leben ohne Kühlung die Hölle, Lebensmittel verderben rasant und Krankheiten breiten sich aus. Wer sich keine Air Condition leisten kann, wie fast alle ärmeren Menschen, ist der Hitze in aller Härte ausgesetzt.
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Ein unvollendetes Projekt

Postdemokratie, struktureller Populismus und Demokratie im liberalen Staat

Ausgehend von dem Aufstieg populistischer politischer Bewegungen in Europa, den USA und Lateinamerika in den letzten 20 Jahren hat sich eine lebhafte und kontroverse Debatte um die Bestimmung des Populismus-Begriffes, auch in der Zeitschrift Forum Wissenschaft, entwickelt. An frühere Debattenbeiträge knüpft Kai Mosebach an und skizziert einige kritische Bemerkungen zu der Hoffnung, Populismus per definitionem auszutreiben. Nach dem ersten Teil seines Beitrags in Forum Wissenschaft 4/2018 folgt hier der zweite Teil.

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Über Postdemokratie und kulturelle Kolonialisierung

Yana Milev, Künstlerin, Kulturphilosophin, Soziologin, Ethnografin und Publizistin aus Leipzig, forscht und lehrt an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet der Kultursoziologie. Seit 2017 leitet sie ein vielversprechendes Forschungsprojekt mit dem Titel: „Entkoppelte Gesellschaft. Liberalisierung und Widerstand in Ostdeutschland seit 1989/90. Ein soziologisches Laboratorium“. Im Rahmen dieses ehrgeizigen Unternehmens werden die Verwerfungen in Gesellschaft, Recht, Wirtschaft und Kultur in der Ex-DDR beleuchtet.

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Oscar-nominiert: "Capernaum" und "Of Fathers and Sons"

in (24.03.2019)
Zwei arabische Filme haben dieses Jahr eine Oscar-Nominierung erhalten: Nadine Labakis Spielfilm Capernaum – Stadt der Hoffnung (Cafarnahum, LB/FR 2018, 120‘), der den Regularien der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gemäß vom libanesischen Kulturministerium ins Rennen für den besten nicht-englischsprachigen Film geschickt wurde, und der Dokumentarfilm Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (an al-Abua wa al-Abna, D/SYR/LB/QA 2017, 99 min) des in Berlin lebenden syrischen Regisseurs Talal Derki. Für nichtfiktionale Filme gelten andere Einreichbedingungen, eine Regierung war an Derkis Bewerbung um den Oscar nicht involviert.
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