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Bernd Huettner Linke Leute (16.08.2009)
Intellinke zwischen StellvertreterInnen-Politik und Politik der Ersten Person
1981, Berlin West. Hebt sich der Blick vom Bierdosen- und Kippen- bestückten Asphalt, scheinen die Fassaden der über hundert besetzten Häuser eigene Sprachen zu sprechen, Betonwände zu Transparenten mutiert zu sein. Sag nein zum Salat, Zersetz den Staat, Kein Dialog mit der Macht. Nicht nur die Häuser sind eigen, auch die Sprache ist es, die durch Zigarettendunst, Hundegebell und Kindergeschrei in ringreiche Ohren dringt. Wer gehört werden will, muss brüllen. Und wer noch immer dazu neigt, in der Wortwahl einen akademischen Hintergrund aufschimmern zu lassen, wird sich bemühen, ihn zu verdecken.

Der studentische Code, der noch vor wenigen Jahren die Hörsäle und Demoplätze beschallte, hat auf den BesetzerInnenplena Hausverbot. Die Sprache(n) der Revolte Mit dem studentischen Code wird auch die Sprache einer anderen Revolte zum Schweigen gebracht, die zu diesem Zeitpunkt gerade mal 13 Jahre alt ist: 1968, als der Zugang zur In-Group noch über die Fähigkeit vergeben wurde, mit elaboriertem Begriffsarsenal die Frühschriften der Frankfurter Schule zitieren zu können, die in braunen Raubdrucken auf dem Campus zirkulierten. Und als, noch unbefleckt vom ersten feministischen Tomatenwurf, die meist männlichen Sprecher des SDS um den längsten Satz wetteifern durften. Lauthals übertönt oder als Kommunistensau angeschrien wird '81 aber auch, wer sich dem Jargon der K-Gruppen verpflichtet hat. Jenen in den 1970er Jahren hegemonial gewordenen dogmatischen Zerfallsprodukten der antiautoritären Revolte, die in ihrem Bemühen, die Oktoberrevolution nachzuspielen, ausgerechnet die Phase der Bürokratisierung wählen. Auch wenn sie sich subjektiv selbstredend in der vorrevolutionären Phase verorten und jede Spaltung (in Mehrheit und Minderheit, Bolschewiki und Menschewiki, versteht sich) als Geburtstunde der eigentlich revolutionären Avantgarde feiern, welcher sie zufällig selbst angehören. Während die 68erinnen, mit Marcuse gestärkt, erwägen, die revoltierenden Studierenden, also sich selbst, zum revolutionären Subjekt zu ernennen, studieren die 81erinnen in den besetzten Häusern nur heimlich und fliegen nicht selten, wenn es auffliegt, raus. Während die Kader der 70er ihre intellektuelle Arbeit in den Dienst des Proletariats stellen, für das und an dessen Stelle sie sprechen, lehnen die Punks der 80er jede Form der Stellvertretungspolitik ab. Und mit ihr auch jede Form zentraler Organisierung. Das bringt sie in Opposition zum Staat und all seinen (auch grünen) Parteien, zumal wenn es, wie in der DDR, nur eine davon gibt. Hier wie im Westen sind es keine groß geplanten Aktionen, keine revolutionären Träume von gesamtgesellschaftlicher Veränderung, die die Ost-Punks, vor allem in Leipzig und Berlin, dazu antreiben, sich die Nase an der grauverstaubten Wand der DDR blutig zu hauen. Hier wie da gilt NO FUTURE als zukunftsweisend, wird die Nichtplanbarkeit im Hier und Jetzt zum Konzept, nur unterscheidet sich das Hier und Jetzt im Hier wie Da. Denn den mit NO FUTURE bestickten Lederjackenrücken einem Staat zuzukehren, der seine Existenz gerade auf eine glorreiche sozialistische Zukunft baut, ruft Reaktionen hervor, die vom prinzipiellen Gaststättenverbot über die Stasibespitzelung bis zur permanenten U-Haft reichen.

Repräsentation vs. Erste Person

weiterlesen auf http://www.malmoe.org/artikel/alltag/1890




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