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Rainer Rilling Theorie (22.12.2004)
Multitude. Zehn Zettel zum Buch.
Multitude
Das Buch „Multitude“ setzt das Nachdenken über die Ordnung eines von seinen Autoren als postmodern, postfordistisch und vor allem als imperial und als damit räumlich, zeitlich und sozial entgrenzt begriffenen Kapitalismus „im Zeitalter der bewaffneten Globalisierung“ (257) fort, das mit dem just auf russisch erschienenen (und bei Ebay immerhin noch mit 10 $ gehandelten) Band „Empire“ von Michael Hardt und Toni Negri begonnen hatte. Über das Buch „Empire“ ist ein weitgespannter Dialog mit den Autoren entstanden, der seinerseits ein Bestandteil des Bemühens der Bewegung der Altermonidalistes und der Linken ist, die Entwicklung vor allem der politischen Ordnung des Kapitalismus seit 1989 zu verstehen und eine entsprechende theoretische Sprache zu entwickeln. Die Rosa Luxemburg Stiftung hat Michael Hardt eingeladen, der vor wenigen Tagen auf einer Reihe von Veranstaltungen in Frankfurt, Hannover und Berlin runde 20 Stunden debattierte, dabei waren etwa 400 Leute.
„Multitude“ antwortet auf Kritiken, revidiert auch, setzt neue Schwerpunkte, versucht Präzisionen und macht Vorschläge, wie die neue Rolle der Gewalt und des Militärischen zu begreifen ist, welche Subjekte der Emanzipation im neuen Empire des Globalkapitalismus sich bilden und warum ihr politisches Projekt die „absolute“ Demokratie sei – alles Aspekte, die im Vorläuferband kaum eine Rolle spielten. („Unser Hauptziel ist es, die begrifflichen Grundlagen eines neuen demokratischen Projekts auszuarbeiten“ [13]). Dies sind die drei zentralen Themen des Bandes, das eingangs vorsichtshalber festhält, dass es ein philosophisches Buch sei und keines, das auf dem Terrain der Soziologie operiert oder als politisches Pamphlet die bekannte Frage „Was tun?“beantworten möchte, das aber gleichwohl das Ziel hat, zu einem „postsozialistischen und postliberalen Programm“ (247) beizutragen und „die Linke…neu zu erfinden“ (247) – und dabei, so das anspruchsvolle Kunststück, „mit der abgehalfterten sozialistischen Tradition brechen“ (282) möchte.

Das Buch „Multitude“ ist vielleicht weniger überraschend und pragmatischer als „Empire“ und offenbar ein Text, dessen Duktus auf Breitenwirkung zielt. Zum Glück heißt es „Multitude“ und nicht „Menge“, wie man angesichts der Übersetzungspraxis im ersten Band hätte befürchten können. Wollen wir der Rezension von Francis Fukuyama von der John Hopkins in der „Time“ vom August 2004 glauben, ist es auch „at its core unreconstructedly Marxist“ und bietet uns ansonsten „extremely confused theory“ Nach John Giuffo ist das Buch dann dummerweise auch gerade noch “excessively theoretical” und “ultimately unreasonable”, kurz, um mit Paul McLeary zu sprechen: “a whole book full of (…) content-less utterances”. Die Liberation, 18.11.2004 mochte hier nur simpel „revolutionäre Lyrik“ sehen. Andere, wie Günter Sandleben haben rasch & rechthaberisch reagiert. Kritiken, die dialogisch schwierige und kritikwürdige Punkte nennen (wie die von Philipp Zarifian, Daniel Bensaid, Joachim Bischoff und Christoph Lieber im Supplement 12/04 der Zeitschrift "Sozialismus") sind noch die Ausnahme. Eine Reihe von Reaktionen auf den Band sind auf den Websites von multitudes und der RLS gesammelt.

1 - Der Begriff Multitude
hat große Resonanz in den vielfältigen Bewegungen in Europa und Lateinamerika gefunden. Frühzeitig werden in dem Band Definitionsräume aufgemacht. Die Multitude ist etwas anderes als Volk, Masse, Menge, Mob oder Arbeiterklasse. Sie ist nicht vereint, sondern plural, multipel, aktiv. Sie ist eine Vielfalt, also aus Unterschieden gemacht (117) – und sie bringt solche ständig hervor (391). „Die Multitude ist eine Vielfalt all dieser singulären Differenzen“ (10) – und zwar, im Unterschied zur Masse, auf Dauer. Sie ist zugleich ein Monster, weil ohne souveränen Kopf.
Es geht also um Differenz und Singularität. Die Neubewertung und Betonung von Diversität ist die zentrale politische Emphase, die von H&N bereits im Band „Empire“ eingebracht wurde – und das ist neben dem Projekt, die globale politische Ordnung neu mit dem Begriff „Empire“ zu fassen, ungeachtet aller Schaumschlägerei und zahlloser Probleme das Hauptverdienst der Autoren.
Man mag ihnen die (auch in „Multitude“ nur verbal durchbrochene) Ignoranz des Feminismus und seines Denkens der Differenz und Diversität „nicht verzeihen“ – immerhin haben sie faktisch diese Tradition thematisch in ganz andere Öffentlichkeiten transferiert.
So ganz originär ist das allerdings auch in anderer Hinsicht nicht, wie in www.transfictiontrek. net zu lesen ist – aus Anlaß der Wahl von Michael Hardt & Antonio Negri zu den Trekkies of the Month October 2004: "Welchem Trekkie fallen da nicht die Worte von Gene Roddenberry ein, mit denen er umriss, was die Star Trek Philosopie ausmacht: „Die ganze Show war ein Versuch zu sagen, dass die Menschheit an jenem Tag Reife und Weisheit erreichen wird, an dem sie beginnt, Unterschiede in Vorstellungen und Lebensformen nicht nur zu tolerieren, sondern einen besonderen Gefallen daran zu finden. Wir versuchten zu sagen, dass das Schlimmste, was uns allen in der Zukunft passieren könnte, ist, dass wir in eine eindimensionale Schablone gepresst werden; und anfangen, uns gleichförmig zu benehmen, zu reden, und auszusehen. Wenn wir nicht lernen, die kleinen Unterschiede zu geniessen, einen positiven Gefallen an jenen kleinen Unterschieden innerhalb unserer eigenen Lebensform zu finden, dann verdienen wir es nicht, raus in das Universum zu gehen und die Vielfalt zu treffen, die so gut wie sicher dort draußen ist." Bei so viel Übereinstimmung in der Perspektive ist es sicherlich auch kein Zufall, dass Hardt und Negri zur Beschreibung postmoderner Kriegsverhältnisse auch eine Episode aus der Originalserie heranziehen (A Taste of Armageddon, deutsch: Krieg der Computer). In dieser Episode hatte Roddenberry die Widersprüchlichkeiten einer körperlosen Kriegsführung verhandelt. Hardt und Negri greifen das auf, lassen Kirk und Spock nun quasi auf die US-Hightecharmee von heute los. Wir sind davon überzeugt, dass das Projekt von Michael Hardt und Antonio Negri tatsächlich darauf abzielt, eine proto-föderale Perspektive zu formulieren und verleihen ihnen dafür den Star-Trek-Philosophers-Preis.

Nach Meinung der Neutrekkies eignen der Multitude empirisch – deskriptiv festgemachte interne Differenzen und das, was so geschieden wird voneinander, ist singulär: „Die Multitude ist ein Unterschiede aufweisendes, vielfältiges soziales Subjekt, dessen Konstitution und Handeln nicht auf Idendität oder Einheit (und noch weniger auf Indifferenz) beruht, sondern darauf, was ihm gemeinsam ist.“ (118). „Die Multitude wird mittels kooperativer sozialer Interaktionen geschaffen.“ (249) Die Multitude: dass sind „Singularitäten, die gemeinsam handeln.“ (123). Sie ist damit auch „das allgemeine Subjekt der Arbeit“ (119).
Konzeptionell ist sie schließlich ontologisch (und war immer schon, als Widerstandselement unseres sozialen Seins) und sie ist politisch, und als solche noch nicht, also ein Projekt -< „posse“. (248). Das hat Vorteile. Wo es politisch nicht so klappt, kann sich der politische Mensch auf die Utopie der Ontologie zurückziehen. Wenn die Sache dann funktioniert, hat sie auch eine schnelle Erklärung.

Es wird freilich nicht zwischen Differenz und Diversität unterschieden und an keiner Stelle wird ein detaillierteres Konzept des Singulären entwickelt, die über eine formale Bestimmung wie jene S.117 hinausgeht: „unter Singularität verstehen wir hier ein gesellschaftliches Subjekt, dessen Differenz sich nicht auf Gleichheit zurückführen lässt, eine Differenz also, in der die Verschiedenheit bestehen bleibt“ und: Singularität kommt „ohne Fundierung in einem Anderen aus“ (145) [vgl. demgegenüber aber Paulo Virno!]. Man kann sicherlich annehmen, dass sie sich auf Deleuze und Guattari`s rhizomatische Logik der Singularitäten und Verbindungen beziehen. Aber dennoch: Was haben wir uns unter Singularität vorzustellen? Etwa Indien? (s. 148) Geht es um Indivduierung? Soll das Verständnis von Multitude präzisiert werden, dann gehört die Erarbeitung einer ausführlichen Analyse einer einzelnen Singularität (sei es nun ein Ereignis, eine Person, eine Gruppe) oder eines Prozesses der Singularisierung zwingend dazu.

2 - Multitude und Arbeiterklasse
Der Begriff Multitude, auch so, wie ihn Paolo Virno benutzt, wendet sich gegen den identitären Begriff des Volkes als einer imaginären Einheit (Hobbes, Rousseau), den unformierenden Begriff der Masse (als undifferenzierte Ansammlung) und den imaginären Begriff der Nation. Er meint nicht: Verschwinden des Proletariats oder der industriellen Arbeiterklasse; die Multitude ersetzt nicht die „Klassen“ - und es werde versucht, auf biopolitischer Grundlage das politische Projekt des Klassenkampfes zu reaktivieren. Die Multitude ist für sie eine „weltweit entstehende(n) Klassenformation“ (13). „Multitude ist ein Klassenbegriff“ (121). Als klassenbildende Faktoren beziehen sich H&N auf drei Aspekte:

a) Der Maßstab für die Begriffsbildung ist nicht ein sozioökonomisches Verhältnis, also das Vorliegen von Ausbeutung / Mehrwertproduktion, sondern das Verhältnis der Ex- bzw. Inklusion - also eine Außenbeziehung . Für H&N ist ein enger (industrielle Arbeiterklasse) wie ein erweiterter Begriff der Arbeiterklasse (Lohnarbeitsverhältnis) immer noch exkludierend, weshalb sie die Multitude als „nicht-ausschließendes“ Begriffskonzept einführen. Der für die Analyse der Herrschaftsform des Empire zentrale Gedanke der Entgrenzung liegt auch ihrer Fassung der Multitude zugrunde

b) Auch der Begriff der Produktion, auf den sich H&N als zweites konstituierendes Moment der Klasse beziehen, hat eine so weitreichende Extension, dass die Frage, wer denn nicht produziert und also nicht zu einer so großzügigst verstandenen (Arbeiter-)Klasse gehört, wirklich Sinn macht – „everything is production“ schrieben Deleuze /Guattari. Dabei sind männliche Industriearbeiter, weibliche Reproduktionsarbeiter, Industrie- wie Landarbeiter, Erwerbstätige und Erwerbslose, Arbeiter und Arme – sie alle (!) sind „gesellschaftlich produktiv, sie produzieren gemeinsam“ (125). Am Beispiel der Armen wird dies dann detailliert – „es gibt weder national noch global eine Demarkationslinie zwischen Arbeitern und Armen“ (155) – „We are the poors!“ (156) – die Armen sind „die paradigmatische Gestalt der Produktion“ (172). „Tatsächlich sollte man die alte marxistische, immer schon zweifelhafte Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit, ebenso wie die von Produktionsarbeit und Reproduktionsarbeit, über Bord werfen.“ (155). Offenbar gilt diese Unterscheidungsüberdrüssigkeit aber nicht für die zwischen materieller und immaterieller Arbeit. Immaterielle oder biopolitische Produktion ist überschussproduktiv, exzessiv und nicht messbar, insofern verschwindet die werttheoretische Dimension verschwindet (166). All dies, was einst als Interaktion oder Handeln von Arbeit unterschieden war (s. z.B. die uralte kleine Studie von Wulf D. Hund "Stichwort Arbeit", Heilbronn 1990, geht nun im Zeichen der diagnostizierten Hegemonie der immateriellen Arbeit (s.u.), ihrer Fokussierung auf die „stoffliche Seite“ der Produktion und die biopolitischen Fassung der Produktion in den Produktionsbegriff ein. Naturaneignung spielt keine Rolle. Das alles kann man natürlich machen. Die Subsumtion unter die Lohnarbeit als wesentlich differenzbegründende, strukturierende Beziehung verliert dabei offensichtlich und durchaus gewollt weitestgehend an Gewicht (was natürlich nicht nur Callinicos oder Sandleben ganz falsch finden), obwohl doch gilt:

c) „Multitude bezeichnet all jene, die unter der Herrschaft des Kapitals arbeiten und produzieren.“ (125) Es gibt also somit drittens ein klassenbildendes Herrschaftsverhältnis des Kapitals . Damit übrigens geht aber angesichts des Produktionsbegriffs keine werttheoretisch zu explizierende Ausbeutungsbeziehung einher (schon gar nicht als herrschaftskonstituierendes oder –vermittelndes Moment), Ausbeutung ist vielmehr zu begreifen als „die Expropriation des Gemeinsamen (…). Mit anderen Worten: Der Mehrwert hat seinen Ort im Gemeinsamen. Ausbeutung ist die private Aneignung eines Teils oder (!!RR) der Gesamtheit des Werts, der als Gemeinsames geschaffen wurde.“ (171) und gar: „Das Kapital muss die Arbeitskraft der Arbeitenden ausbeuten, aber es kann sie nicht wirklich unterdrücken, knechten oder ausschließen [Herv. RR]. Ohne deren Produktivität ist es nichts.“ (367) Wenn das so ist, fragt sich, welchen Gehalt (und erst recht: welche sozialstrukturierende Gewalt und Relevanz) Kapitalherrschaft dann hat – schließlich geht es hier um mehr als um die Dimension der wechseitigen Angewiesenheit von „Kapital und Arbeit“. Aus dieser (trivialen) Struktur wechselseitiger Abhängigkeit resultieren auch nur (triviale) soziale Wechselbeziehungen und eben keine gesellschaftsprägende oder gar konstituierenden Herrschaftsverhältnisse, welche eine historische Spezifik (übrigens auch von Widerstand) konstituieren.
Auch bei der Bestimmung der Multitude entwickelt im übrigen der Gedanke der Entgrenzung seine eigene Dynamik: wenn – bis auf ein sehr unklares Kontersubjekt – eigentlich alles zur neuen Klassenfigur der Multitude gerechnet werden kann, dann ist die Frage, was es jenseits dieser großen ontologisch, produktionstheoretisch und politisch begründeten Zusammenfassung an sozialem und politischen Subjektverhältnis eigentlich noch gibt, politisch sehr wesentlich.

3 - Zwei Nachbemerkungen zum Klassenbegriff
wie er von H&N entwickelt wird (S. 121ff), sind nötig. Erstens werden Marx’ Klassenbegriff und der bürgerlich-liberale Begriff „class“ ganz bewußt methodisch auf dieselbe Ebene gestellt: „Einheit“ versus „Vielheit“, einerseits „Proletariat“, andererseits „eine potentiell unbegrenzte Anzahl von Klassen“ aufgrund verschiedenster ökonomischer, ethnischer, geografischer, sexueller, geschlechtsspezifischer „Differenzen“ (121), einerseits „binäre Klassenkonzeption“, andererseits liberale Modelle des „Klassenpluralismus“(123). H&N selbst sagen z.B., dass Marx in seinen historischen Schriften „zahlreiche Klassen der Arbeit wie des Kapitals einer jeweils getrennten Analyse“ unterziehe (123) – gemeint sind aber offenbar soziale Gruppen (Fraktionen usw.), was bekanntlich „social class“ im Englischen auch heisst. Sie reden daher auch von „Klassen ohne Lohn“ (124) jenseits der Lohnarbeiterklasse. Sie möchten offenbar zwischen beiden Modellen versöhnen und wollen „zeigen, dass eine Theorie der ökonomischen Klasse nicht zwischen Einheit und Vielheit zu wählen braucht. Eine Multitude bildet eine irreduzible Vielfalt“(123).
Nun wird man H&N kaum auf die Marx`sche und marxistische Klassik der Behandlung des Verhältnisses von Klassen und Gruppen verweisen müssen – doch eine inhaltliche Begründung für die Veränderung der methodischen Perspektive wäre schon notwendig, zumal die Klassentheorie Bände über Historisch / Logisches, Wesen / Erscheinung, Klasse-An- und Für-Sich etc. produziert hat, die nicht bloß Ballast sind. Für H&N ist aber offenbar entscheidend, dass Klassen „politisch bestimmt“ (122) seien, die Klasse (also die Multitude) sei ein „politisches Konzept“, ein „Projekt“ (122), das Resultat von Kämpfen – schließlich geht es nicht darum, was die Multitude ist, sondern was sie werden kann (124.

Zweitens argumentieren H&N erneut stark dafür, dass die immaterielle Arbeit („it`s a bad term“, Hardt) eine hegemoniale Qualität eingenommen hat, wobei sie natürlich die vormals oft hermentische und exzessiv „ausdruckistische“ Entsprechung zwischen hegemonialer Produktion und dominanter Sozialfigur nicht wiederholen. Sie ziehen gegenüber der Rede von der „kognitiven Arbeit“, wie er in Frankreich gängig ist, diesen Begriff vor. Auch wenn an anderer Stelle die poor als paradigmatische Figur fast beschwört werden (und so doch irgendwie der alte Proletkult herumraunt), ist es tatsächlich die Scheidung zwischen materieller und immaterieller Arbeit und die hegemoniale Funktion der letzteren, welche die eigentliche Gemeinsamkeitsschneise in die Vielfalt der Singularitäten der Multitude schlägt. Immaterielle Arbeit - das ist Arbeit, „die so genannte immaterielle Produkte schafft, also etwa Wissen, Information, Kommunikation, Beziehungen oder auch Gefühlsregungen“ (126), gegenübergesetzt der materiellen Arbeit (vulgär gefasst, 127). Immaterielle Arbeit ist also Wissensarbeit und affektive Arbeit, eigentlich biopolitische Arbeit, weil sie Beziehungen schafft. Die Produktion sozialer Verhältnisse, Kommunikation und Kooperation als Arbeitsgegenstand und –resultat ist hier der Punkt und die Differenz gegenüber (im-) materieller Arbeit, die solche Beziehungen reproduziert. Auch hier geht es um eine stoffliche Unterscheidung. Hegemonie bezieht sich nicht auf die ökonomische Form, sondern die stoffliche Natur der Arbeit, die hier mit der Unterscheidung materiell / immateriell gefasst wird. Die Produkte der immateriellen Arbeit seien zudem „in vielerlei Hinsicht selbst unmittelbar gesellschaftlich und gemeinsam“ (133); der Begriff des „unmittelbar Gesellschaftlichen“ bezieht sich bei Marx jedoch auf das Fehlen der Warenvermittlung und es wird auch hier in operaistischer Manier die „Fabrik“ auf die Welt projiziert. Was bei Marx als „gesellschaftlich“ oder auch als „gemeinschaftlich“ bestimmt wird, taucht bei ihnen (wie z.B. das „Denken“, 168) als „gemeinsam“ auf (auch wenn sie sich gegen den communitaristischen Begriff „community“ wenden (230).

4 - Das politische Problem
um das es H&N mit dem Begriff Multitude in ihrer Auseinandersetzung mit Idenditäts- und Kohärenzbegriffen wie Volk, Masse, Nation, Rasse oder Klasse geht, ist ein Schlüsselproblem jeder Politik und damit eine zentrale Frage (auch linker) politischer Theorie: „…es geht um einen Befreiungsprozess, der auf dem freien Ausdruck von Differenz basiert.“ (251) und: „Die Herausforderung besteht darin zu begreifen, wie eine gesellschaftliche Vielfalt es bewerkstelligen kann, die Differenz aufrechtzuerhalten und gleichzeitig miteinander Beziehungen einzugehen und gemeinsam zu handeln.“(10)

5 - Das Gemeinsame oder Gemeine
Die Arbeit an der Möglichkeit solcher Beziehungen und ihrer Begründetheit, also an einer historisch besonderen Gesellschaftlichkeit überhaupt, die es erlaubt, eine spezifische Figur – eben die Multitude – als Gesellschaftskategorie zu denken, ist sicherlich der neue Kernpunkt des theoretischen Bemühens von H&N um die Multitude. Diese Arbeit konzentriert sich auf den Begriff des „common“ (das Gemeinsame, das Kommune), der auf S.11 eingeführt wird und sich auf fast auf jeder Seite findet. Hier geht es nicht um Kommunismus oder um die Freude, ein Kommunist zu sein. Ob das Wort „Kommunismus“ im Buch vorkommt, ist fraglich – Michael Hardt meinte in Berlin, dies sei nicht der Fall, aber gleichwohl hätten sie „ein kommunistisches Buch“ verfasst. Auch lehnen sie auf ein paar knappen Zeilen den Begriff „Commons“ ab, denn dies sei ein rückwärtsgewandter deskriptiv-historischer und kein philosophischer Begriff (11) – eine Position, welche zu Unrecht sowohl die theoretische wie die politische Veränderung der radikalen, liberalen und sozialistischen Debatte um die commons ignoriert, für die etwa die Arbeit des Kreises um Ostrum, das Commoner-Projekt oder die neuere Dispossession-Debatte steht. Auch fehlt es dementsprechend an der konkreten Ausdifferenzierung der verschiedensten Eigentums- und Aneignungsformen, -praxen –politiken, die in diesen Projekten vorgenommen wird. Das ist eine unverständliche Schwäche des Multitude-Projekts, denn eine Entfaltung der Kategorie Multitude auch (nicht: „nur“!) über die Frage der Aneignung und ihre vielfältigen Dimensionen wird somit vorweg ausgeblendet.
Der von ihnen statt dessen verwandte Begriff Common bietet die Lösung des skizzierten politischen Problems: das Gemeinsame ist das Dritte, „das es erlaubt, miteinander in Beziehung zu treten und gemeinsam zu handeln.“ (11) Es bezeichnet, was Singularitäten in Multitude verwandelt. Und wie können die Singularitäten durch das Gemeinsame zur Multitude kommen? Dadurch, dass (a) sie schon vorweg gemeinsam sind, (b) dass sie produzieren durch Kooperation und Kommunikation, die ebenfalls eine Dimension des Gemeinsamen haben, und dass (c) sie endlich, sofern sie immateriell arbeiten, Gemeinsames herstellen: „Das Gemeinsame steht am Anfang und am Ende der immateriellen Produktion, taucht als ihre Voraussetzung wie als ihr Ergebnis auf. Unser gemeinsames Wissen ist die Grundlage jeder neuen Wissensproduktion; die sprachliche Gemeinschaft ist die Basis jeder sprachlichen innovation; jede affektive Produktion (/) gründet sich auf existierende affektive Beziehungen; und unser gemeinsamer gesellschaftlicher Vorstellungshaushalt ermöglicht es, neue Vorstellungen zu entwickeln. Diese Erzeugnisse entstehen aus dem Gemeinsamen und dienen umgekehrt als Grundlage für neue Gemeinsamkeiten. Das Gemeinsame steht aber nicht nur am Anfang und am Ende der Produktion, sondern auch in der Mitte, denn die Produktionsprozesse selbst sind gemeinsame, sind kooperativ und kommunikativ.“ (169). „Sobald wir die Singularität anerkennen, entsteht allmählich das Gemeinsame. Singularitäten kommunizieren, und sie sind dazu in der Lage, weil ihnen etwas gemeinsam ist. Gemeinsam sind uns Körper mit zwei Augen, zehn Fingern und zehn Zehen; gemeinsam leben wir auf dieser Erde; gemeinsam sind uns die kapitalistische Produktions- und Ausbeutungsweise; gemeinsam sind uns Träume von einer besseren Zukunft. Unsere Kommunikation und Kooperation beruhen zudem nicht nur auf dem Gemeinsamen, das bereits existiert, sondern bringen umgekehrt das Gemeinsame auch hervor. Was uns gemeinsam ist, schaffen und erschaffen wir jeden Tag aufs Neue.“ (149) Da geht es auch um „Sprachen, Redeformen, Gesten, Methoden der Konfliktlösung, Arten des Liebens und der überwiegende Teil der Lebenspraktiken“ (212); und (pragmatisch) um Gewohnheiten, welche unser soziales Wesen kommunizieren also zB Sprechen, was auf Sprache beruht, solche Gemeinsamkeit erstellt und im Dialog geschieht.
„Gemeinsam“ ist diesen Aufzählungen, dass hier ein theoretischer Begriff aus einem bunten Strauß von ziemlichen Allerweltstrivialitäten zusammengebastelt wird – dem man übrigens (und damit dem „Gemeinsamen“) nicht entrinnen kann.

Es sind allerlei Elemente und Bedingungen von Gesellschaftlichkeit im Allgemeinen – nicht mehr. Eine Begründung einer geschichtlich spezifischen Sozialfigur Multitude, als deren auszeichnende onotologische Qualität Widerstand und Befreiung gilt, können sie nicht leisten.

Mit der starken Referenz auf das Gemeinsame wird übrigens auch die These von der Inkommunikabilität der Singularitäten und ihrer Kämpfe, wie sie im „Empire“ dargestellt wurde, zurückgenommen (s. z.B. 240). Sie sind der Ansicht, „dass das gemeinsam-Werden der Arbeit die wichtigste Bedingung ist, um die Multitude zu schaffen“ (149). Weil unterschiedliche Formen der Arbeit zunehmend sich ähneln, gemeinsame Merkmale aufweisen, wird gemeinsam produziert, also auch gemeinsame Verhältnisse, das Gemeinsame, also die Multitude (372). „Die Produktion des Gemeinsamen (und nicht von Profit, R.R.) steht heute tendenziell im Zentrum jeder Form von gesellschaftlicher Produktion“ und sei in Sonderheit „das Hauptmerkmal“ (11) der immateriellen Arbeit.
Das Gemeinsame ist offenbar eine „Sphäre“ (133); Gemeinsamkeit geschieht dadurch, dass Kommunikation, Wissen und Affekte „von allen geteilt wird“ (133). Das Gemeinsame ist somit für H&N der Sockel eines postliberalen und postsozialistischen politischen Projekts, wobei hier der alte Widerspruch zwischen privat und öffentlich (gemeint ist: Staat) überwunden werden soll (zur Frage des Eigentums „Leben als Ware“ s. 202-212). Die Stoßrichtung geht also auch gegen die Enteignung durch Privatisierung und provate Appropriation. Mit dem Begriff des Gemeinsamen könne man die diversen Scheidungen loswerden: „Wir brauchen eine Vorstellung von Privatheit, die die Singularität sozialer Subjektivitäten (nicht das Privateigentum) zum Ausdruck bringt, und eine Vorstellung vom Öffentlichen, die auf dem Gemeinsamen beruht (und nicht auf staatlicher Kontrolle). (229)“ Man müsse den Begriff des „allgemeinen“ oder des „öffentlichen“ Interesses durch „gemeinsames Interesse“ ersetzen, das ein allgemeines Interesse ist – aber ohne Staat (232) – es gehe von der res publica zur res communis, denn das Öffentliche wird als Vermögen des Staates und das Allgemeininteresse als Attribut der Souveränität betrachtet. Keine Rückkehr zum Öffentlichen, sondern Schaffung des Gemeinsamen. (335). Der weltberühmte Scholar Fukuyama hat dies übrigens garnicht verstanden, wenn er vermerkt: immaterielle Arbeit sei „inherently communal, which implies that no one can legitimately appropriate it for private gain. Programmers at Microsoft may be surprised to discover that because they collaborate with one another, their programs belong to everybody.“

Ausgesprochen schwer allerdings fällt zu verstehen, warum für H&N diese Konstruktion harmonisch in sich aufgeht. Sie stellen recht apodiktisch fest: „es gibt keinen Widerspruch zwischen dieser Singularität und der Gemeinsamkeit“ (133). Und sie schreiben: „In terminologischer Hinsicht ersetzt die Multitude das Gegensatzpaar Identität/Differenz durch das sich ergänzende Begriffspaar Kommunalität/Singularität. In der Praxis bietet die Multitude ein Modell, in dem wir unsere Singularität zum Ausdruck bringen können, ohne dass sie in unserer Kommunikation und Kooperation mit anderen (/)Kämpfenden ... reduziert und vermindert würde.“ (244/5). Durch Entdifferenzierung („der Systeme“, der „Sphären“) – also ab in die Prämoderne? Ist die postmoderne Multitude als Fusion (Konvergenz, Entdifferenzierung, Identitätsfalle) zu denken? Bedeutet die Wendung zur Multitude nicht gar eine Rückkehr in einen vorpolitischen Zustand und des Krieges aller gegen alle?

6 - Eigenschaften der Multitude
Michael Hardt hat in der Berliner Debatte konzediert, dass diese Frage nach Konflikt, Widerspruch, innerer Auseinandersetzung oder gar Kämpfen im Text des Bandes bei weitem zu kurz kommt. Da ist zum Beispiel zu lesen: „Diese Koinzidenz, dieses Ineinsfallen von Gemeinsamem und Singularitäten macht den Begriff der Multitude aus.“ (341). Oder: “haben wir es heute mit der Komplementarität zwischen den multiplen Singularitäten und unserem gemeinsamen sozialen Leben zu tun”(342). Ein Rezensent schreibt: In der Welt der Multitude sind es die Beherrschten, „who will really run the show“, die Weltbevölkerung wird behandelt „as if we were all one big, happy, left-wing underground, undivided by cultural differences, eagerly awaiting our chance to sock it to global capitalism“. Fukuyamas Kritik: „The half of the country that votes Republican is evidently not part of the book`s multitude” kann nicht mit dem Hinweis begegnet werden, dass es das politische Projekt schon richten werde. Auch die Multitude ist ein Projekt voller Ambivalenzen. Muss man eben nicht auch von tiefen „Spaltungen“ in einer Multitude ausgehen, einer Multitude der Multitudes, der Bewegung der Bewegungen, der Diversität der Widerstände? Die Differenz (oder Diversität?!) etwa wird zu Recht gegenüber der Dominanzkultur des „Einheit“ und „Kohärenz“ der politischen Subjekte gefeiert – doch Differenzen müssen auch als hierarchische Veranstaltungen gedacht werden! Schon dies erfordert, die Multitude als widersprüchliche Veranstaltung par excellence zu denken und jede harmonische Synthese zwischen Singularität und Gemeinsamem abzuweisen. Nur so wird auch eine Kritik der Waffen der Multitude und eine Herrschaftskritik selbst möglich. . Übrigens: Hier wird dann auch deutlich, dass die Theorie im Kern operaistisch bleibt und z.B. in der feministischen Theorie eben mal vorbeigelesen wird.

7 – Empire
Wie kein anderer Text in den letzten Jahrzehnten hat der Band Empire Impulse für die Debatte um die politische Ordnung des Globalkapitalismus gegeben. In Multitude geht es um Präzisierungen, Korrekturen und um Aktualisierungen eines Textes zur politischen Theorie der Souveränität einer neuen globalen Ordnung, der lange vor 9/11 geschrieben wurde. An zentralen Aussagen dieser Theorie halten sie fest. Vom Gebrauch des Begriffs Imperialismus halten sie weiter nichts, denn nach ihrem Verständnis ist dieser Begriff an die Aneignung von Territorien durch Nationalstaaten gebunden: „Der Imperialismus stützte sich im wesentlichen auf die Souveränität des Nationalstaats und dehnte sie auf fremde Territorien aus.“ (8). Und in einem globalisierten Kapitalismus besorgt das Empire, was auch im Kapitalismus der Moderne der Nationalstaat leistete: das politische und rechtliche Embedding der Kapitalökonomie.
Historisch befinden wir uns offenbar in einer Phase der Herausbildung des Empire, also in einer Phase des Übergangs. Das Empire wird „als Tendenz“ (9) beschrieben: „das heißt, dass es die einzige Form der Macht ist, der es gelingen kann, die gegenwärtige Weltordnung dauerhaft zu befestigen.“ „Wir befinden uns in der Phase des Übergangs oder genauer: des Interregnums …(183/4) - „Unser gegenwärtiges Interregnum, bei dem das moderne nationale Paradigma politischer Körper in eine neue globale Form übergeht“ (184). Soweit die gegenwärtige Phase als Interregnum oder Tendenz bestimmt wird, lassen sich übrigens Prozesse und Strukturen, die als klassisch imperialistisch erscheinen (wie die USA-Okkupation des Irak) auch als „imperialistisch“ bezeichnen (so z.B. häufiger Toni Negri) und einer niedergehenden Struktur zurechnen, die eigentlich nichts mit der skizzierten imperialen Struktur der Zukunft zu tun habe. Diese Argumentation freilich wird in „Multitude“ nur noch peripher angebracht; mancherorts dagegen widerholt sich die unklare Argumentation, wie sie in „Empire“ häufig zu finden ist, wenn etwa der USA-Krieg charakterisiert wird als „ein Regulierungsprozess, der die existierende Ordnung des Empire konsolidiert“ (41) – hier also gibt es das Empire schon und wird gerade begradigt! Andernorts steht dann der Irakkrieg für die Logik des Imperialismus, wogegen die anderen großen Mächte bereits einer imperialen Logik folgen: „…wird bei den USA wie bei den anderen dominanten Nationalstaaten eine imperiale Logik des politischen, militärischen und diplomatischen Handelns die Oberhand über imperialistische Logiken gewinnen müssen.“ (80). Also da brummt es noch ziemlich in H&N`s historischer Werkstatt.
Ihre Abarbeitung am „Problem USA“ zeigt dann allerdings, dass sie nur mit größer Mühe das ursprünglich entwickelte Gestaltparadigma vom Empire aufrechterhalten und es zumindest in Andeutungen ad acta legen, d.h. substantiell differenzieren müssen. Eine klare und ziemlich realistische Verschiebung gegenüber dem ursprünglichen Ansatz ist zunächst darin zu sehen, dass die Möglichkeit tiefer politischer Spaltungen im imperialen Raum nachhaltig konzediert wird, was insbesondere die „militärisch-monarchische“ Rolle der USA angeht, auch wenn sich in ihrer Argumentation zuweilen der alte Harmonismus sich vorschiebt (188ff.). So vermerken sie: „Nicht alle Mächte im Netzwerk des Empire sind freilich gleich, ganz im Gegenteil“ (8), es gebe „noch immer gewichtige Unterschiede zwischen Nationen und zwischen den geografischen Großregionen dieser Welt“ (185) und entsprechend ist unversehens die Rede von „dominanten Nationalstaaten“ (8) und von „machtvollen Widersprüche(n)“ (355). Nun gibt es Europa, Rußland und China als große “Konkurrenten im „Netzwerk“ (349). Zwischen den „Nodes“ in den Netzwerken gebe es „radical hierarchies“ (Hardt). Das Empire hat Hierarchien (46). Sie konstatieren „ein Ringen um Dominanzpositionen innerhalb der Hierarchien am oberen wie am unteren Ende des Weltsystems.“ (18). Wer oben ist, kann sich dem imperialen Recht entziehen (s.a. lex mercatoria, 191-192). Es lasse sich eine „Topografie der Hierarchien des Machtsystems und (der) damit einhergehenden ungleichen Beziehungen zwischen Nord- und Südhalbkugel“ (180) zeichnen – ein Aspekt, der in der smoothen Oberfläche des Empire, wie sie in „Empire“ gezeichnet wurde, zunächst faktisch verschwunden war. Die starke Reduktion des Territorialen und der Nationalstaaten (und überhaupt der politischen Medien (der Vermittlungen)] auf residuelle Elemente des „homogenen“ Empire wird deutlich relativiert. Das einst entwickelte Empirekonzept ist fast nur noch Wille und beschwörende Vorstellung: „Um sich selbst zu erhalten, muss das Empire eine netzwerkartige Form der Macht schaffen, die kein isoliertes Zentrum der Kontrolle besitzt“ (357)
Mehr noch: die Autoren konzedieren nicht nur die „Sonderstellung der Vereinigten Staaten als der einzigen verbliebenen Supermacht“ (22) und ihren Anspruch auf exceptionalism und Ausnahmestellung vor dem Gesetz (23); charakterisieren sie „als unangefochtene militärische Supermacht“ (70), die imstande war, nach 1989 eine Zone imperialen Kommandos vom Mittleren Osten bis nach Ostasien zu schaffen, der „unter Kontrolle der USA“ steht (349). Vielmehr wird sogar „die außergewöhnliche Macht und die Fähigkeit der USA, die Weltordnung zu dominieren“ konzediert (24), die Rede von „einer globalen US-Hegemonie“ (261) geführt und an einer Stelle gar erklärt: die „US-amerikanische, unilaterale Version des Empire wurde militärisch durchgesetzt“ (352). Die USA werden als „dieses unilaterale imperiale Regime“ (349) [nicht: „imperialistische“!] charakterisiert. Hier taucht unversehens – ohne freilich den Begriff zu gebrauchen - das Projekt des American Empire als konkurrierendes Projekt auf. Ein imperiales Projekt mit US-amerikanischem Antlitz schimmert hier auf, ist aber keine ernsthafte Option des Textes, die es verdient, durchgearbeitet zu werden – übrigens auch nicht die Variante eines „neoliberalen Empire“ (der Begriff des Neoliberalismus kommt auf S.139 erstmals vor – er passt in keiner Weise in die politische Theorie des Empire).
Warum ist dies keine ernsthafte Option? H&N sind der Meinung, dass auch die USA nicht imstande seien, „allein loszumarschieren“(8). „Zunehmend wird deutlich, dass eine unilaterale oder „monarchische“ Gestaltung der globalen Ordnung, die auf einem militärischen, politischen und ökonomischen Diktat der USA beruht, nicht tragbar ist. Die USA können ihren Alleingang nicht fortsetzen.“ (353) Der Irak-Krieg ist „ein Fehlschlag“ (Hardt). Imperialistische Projekte sind möglich und können initiiiert werden – aber sie können nicht mehr erfolgreich sein. Sie „können es nicht „alleine machen und Washington ist nicht in der Lage, monarchische Kontrolle über die Weltordnung auszuüben, sondern (ist) auf die Zusammenarbeit mit anderen dominanten Mächten angewiesen (…) Versteht man die Vereinigten Staaten als monarchische Macht auf der Weltbühne, dann ist der Monarch…permanent gezwungen, mit den verschiedenen globalen Aristokratien zu verhandeln und zusammenzuarbeiten“ (79). Die USA müssen sich also mit den weltweiten Aristokratien, also den unterschiedlichen Fraktionen der Kapitalistenklassen absprechen (351f.) „Das unilaterale Abenteuer ist deshalb nur eine Episode. Ohne die Unterstützung der Aristokratie ist der Monarch letztlich machtlos.“ (80). Dass ein American Empire, also ein imperiales Projekt in den Farben der USA zugleich ein hegemoniales Funktionsmuster haben muss, das konflikthafte Kooperation zwischen „Monarch“ und (auch US-amerikanischen!) Aristokraten einschließen kann / muss, wird als mögliche Entwicklungsoption nicht ernsthaft in Betracht gezogen.

Schließlich findet sich auch in „Multitude“ die, sagen wir: reichlich traumhafte, Gleichsetzung von „Empire“ mit „Menschheitsinteressen“ wieder. Das beginnt bei ihrer Skizze des Charakters der UNO: „Als die Vereinten Nationen am Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet wurden, verbanden sie das aufgeklärte Streben nach einer kosmopolitischen Regierung mit einem demokratischen Arrangement unter den Nationalstaaten, die den Krieg gegen den Faschismus gewonnen hatten.“ (348) Keine Rede davon, dass dies das Projekt des informellen American Empire war, wie jüngst Peter Gowan in „New Left Review“ wieder in Erinnerung gerufen hat. Die Vereinten Nationen seien „nun“ (348) unter die Herrschaft der USA geraten – als ob die USA nicht schon immer der hegemoniale UN-Akteur gewesen wäre. Oder: Seit den 90ern schwanke die Außen- und Militärpolitik der USA zwischen „imperialistischer und imperialer Logik“ (78), wobei sie zum letzteren meinen: „als deren Bezugspunkt nicht irgendwelche beschränkten nationalen Interessen, sondern die Interessen der Menschheit in ihrer Gesamtheit fungieren (Hervorh. RR) …es geht um Interessen, die per definitionem die Menschheit im Allgemeinen betreffen“ (78). Beispielsweise die humanitäre und universalistische Rhetorik (78); die imperiale Logik wird auch hier nur als „humanitäre Logik“ ausskizziert! (78) Da verwundert es nicht, wenn S.353ff. wo Frieden, Sicherheit, Armutsbekämpfung, Schuldenerlasse, Umkehrung der Privatisierung usw. unversehens zu möglichen Zielen der globalen Aristokratien gemacht werden. Wenn dann zu lesen ist, „dass das US-Militär (und zugleich die Supermacht USA im Allgemeinen) zum Netzwerk werden, den nationalen Charakter abwerfen und eine imperiale Militärmaschine werden muss.“(77) dann ist der Weg zur Konzeptualissierung des US-Militärs als einer Maschine im Interesse der Menschheit allzu knapp.

Trotz derartiger „Ungereimtheiten“ sind zwei wesentliche Veränderungen in der bisherigen „Empire“-Konzeption festzuhalten, die unterschiedliches Gewicht haben: dass das Empire nicht als netzwerkgeglättete smoothe Struktur zu denken ist, sondern als widersprüchliche, extrem konflikthafte Ordnung ist das eine; dass dementsprechend auch ein anderes („amerikanisches“, „neoliberales“) Empire zu denken wäre, ist das andere.

8 – Krieg
Die Linke hat zwar mit Kräften gegen den Krieg protestiert, aber ihn kaum theoretiert. Erst Recht ist ihre Analyse des Terrors, seiner Praxis und der Diskurse über ihn in den Anfängen steckengeblieben. Daher ist die Untersuchung des Krieges und seiner Veränderungen durch H&N wichtig und kontrovers. H&N gehen von der Situation eines „generalisierten, permanenten Weltbürgerkrieg(s)“ (375) aus. Krieg sei die zentrale Frage des Tages. „Der Krieg wird zum allgemeinen Phänomen, global und permanent.“ (17); es gebe „einen allgemeinen, einen weltweit herrschenden Kriegszustand“ (19), Krieg werde „zu einem permanenten sozialen Verhältnis“ (27), zum „obersten Organisationsprinzip der Gesellschaft“ (28), zu einem „Regime der Biomacht“ (28).
Nineleeven ist hier der Scheidepunkt, auch wenn es hier mal wieder im Text ziemlich durcheinander geht: S.18 steht zu lesen, die Attentate führten “zu keiner grundlegenden Veränderung”, aber es habe “ein neues Zeitalter des Krieges” eingesetzt, was ja wohl doch irgendwie eine ziemlich grundlegende Veränderung ist. Und mehr noch: dieser Krieg markiere den „Übergang von der Moderne zur Postmoderne“ (18). Bei diesem Kriegszustand geht es nicht um offene militärische Gewalt, sondern um einen Mechanismus des Containments. Die Grenzen des Krieges verschwimmen (29), der Feind wird beliebig – abstrakt. Der Krieg wird postmodern. Die alte souveränistische Konzeptualisierung des Krieges wird über den Haufen geworfen: Krieg war hier (gegen den Bürgerkrieg) als Ausnahme erklärt worden, Krieg und Politik wurden voneinander getrennt: „Der Krieg war ein begrenzter Ausnahmezustand.“ (21) Mit der Relevanzminderung des Nationalstaates wird der Krieg zum Bürgerkrieg. Es geht nicht mehr primär um Krieg zwischen Nationalstaaten. Der Ausnahmezustand wird permanent und allgemein. Krieg ist nun „the first and primary element, the foundation of politics itself“(vgl. S.37 dt.). Krieg setze Recht. Krieg tendiere dazu, absolut zu sein, seine Nuklearisierung ist Biomacht – der sie allerdings Rationalität unterstellen (S.36), denn sie vernichte ihre Untertanen nicht, weil sie sie brauche. Und endlich, in der politischen Konsequenz: Krieg wird zum „Haupthindernis“(7) für Demokratie, deren Aufhebung zum Normalzustand (33). „Das Bedürfnis nach Demokratie fällt unter den gegenwärtigen Bedingungen unmittelbar mit dem Bedürfnis nach Frieden zusammen.“ (85)
Diese Einschätzung, dass die gegenwärtige Grundsituation von einer „Entgrenzung des Krieges“ charakterisiert sei, in der dieser folgerichtig gar zur Fundierung des Politischen werde (womit sie ihr Generalverdikt gegenüber der klassisch materialistischen und marxistisch-politikökonomischen Dominanzfigur „des Materiellen“, „der Basis“ und „der Ökonomie“ [dass „die Trennung einer ökonomischen von anderen gesellschaftlichen Sphären…schlicht sinnlos“ sei (11; s.auch z.B. S.127, also einfach alles mit allem zusammenhängt, mal so, mal so] kurz ad acta legen), reflektiert die Kriegskonzeption der political warriors der Bush-Administration – schließlich ist dies die oft vergessene Weltbeschreibung der gegenwärtigen US-Regierung: das mächtigste Land erklärte und hält daran fest, sich im Kriegszustand zu befinden. Auch reflektiert die von H&N gegebene Veränderung des Verhältnisses von Krieg und Politik zu Recht einen grundlegenden Wandel – doch äußerst fraglich ist, ob Krieg in den entwickelten Industriegesellschaften tatsächlich der dominierende Modus der Politik zur gesellschaftlichen Integration geworden ist. Callinicos weist zu Recht darauf hin, dass es die Ideologien des Liberaldemokratismus, des Konsumismus oder die Reste des Wohlfahrtstaates sind, welche die Menschen in die kapitalistische Ordnung integrieren.
Politisch vielleicht noch schwerwiegender ist, dass für H&N eigentlich nur eine eine Unterscheidung zählt: jene zwischen der Gewalt für die Sicherung der Hierarchie und der Gewalt gegen die imperiale Ordnung (49). Die Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern spielt keine Rolle. [Immerhin gibt es auf S.64 einen kargen Hinweis, dass die Opfer des Feindes nicht mehr gezählt werden]. Es interessiert sie z.B. statt dessen, „dass in asymmetrischen Konflikten eine absolute Dominanz nicht möglich“ sei (72). Und da sind Sätze zu lesen wie: „Wir müssen die Gestalt eines neuen David erschaffen, die Multitude als Kämpferin in einem asymmetrischen Zweikampf, immaterielle Arbeiter, die zu einer neuen Art von Kombattanten werden, kosmopolitische bricoleurs, Bastlerinnen des Widerstands und der Kooperation…um den gemeinsamen Kampf gegen die imperiale Macht zu entwickeln. Das ist der wirkliche Patriotismus derer, die kein Vaterland kennen.“ (68). Der Exodus durch das Empire hindurch werde niemals absolut friedlich sein (376) - ob dies freilich die Opfer auch so sehen? Nun: es müsse daher herausgefunden werden, mit welchem Mechanismus man „die Gewaltanwendung im Kampf der Multitude zu legitimieren“ vermag (98), den „Krieg der Multitude“ (98) rechtfertigen könne. Sie sind davon überzeugt, dass eine „demokratische Anwendung von Zwang und Gewalt…etwas anderes“ (376/7) und vor allem möglich sei und, so wäre hinzuzufügen, ein demokratischer Krieg- und Gewaltmodus letztlich auch für die Opfer einen Unterschied macht. Mensch stirbt, aber demokratisch. Gewalt müsse der Politik untergeordnet sein, und demokratisch organisiert sein; auch müsse es eine Kritik der Waffen geben; sie dürfe nur zur Verteidigung angewandt werden (377) - doch freilich: „Wir können uns jedenfalls durchaus den Tag vorstellen, an dem die Multitude eine Waffe erfindet, mit der sie sich nicht nur selbst verteidigen kann, sondern die sich auch als konstruktiv, expansiv und konstitutiv erweist.“ (382) So sprechen sie auch einfach und schlicht vom „Feind“, den es zu bekämpfen gelte (87) – zu fragen wäre, ob die M. einen solchen Begriff „braucht“ und was seine Spezifik ist.
Kurz: a) wenn sich das Verhältnis von Politik und Krieg grundlegend geändert hat und b) sich der Charakter und die gesellschaftliche Funktion des Krieges ebenso, dann c) geht es kaum an, die radikalpazifistische Option radikal auszugrenzen – womöglich ist sie die einzig haltbare und nachhaltige Option in einer solchen Situation. Dass H&N bereits im Empire-Band eine („vorsichtig“ formuliert: höchst unsensible) Rethorik der Gewalt pflegten, wie hier detailliert nachzulesen ist, hat sich im Folgeband nicht geändert.

9-Das Konzept der Demokratie
Die Notwendigkeit, das Projekt der Multitude wie jedes andere linke Projekt demokratisch zu konzipieren (und nicht nur ein solches Projekt) ist für H&N aktuell zwingendes Ergebnis ihrer Analyse der Verandlung des Krieges und seiner Funktion [auch einer alternativen Kriegskonzeption – denn darauf läuft es hinaus, einen solchen Schuh wird man sich nicht anziehen müssen, sich von linken Gewalt- und Kriegskonzeptionen radikal zu verabschieden, scheint viel sinnvoller (und ist wenigstens in H&N`s Konzept des „Exodus“ – also auch des Exodus aus der imperialen Kriegssituation – grundsätzlich nicht ausgeschlossen]. In der linken Bearbeitung der neuen Kriegssituation ist jedoch die Demokratiefrage ebenso notorisch unterbelichtet wie in der linken und kritischen politischen Theorie insgesamt. Die politische Schwerpunktsetzung auf das Projekt Demokratie in der „Multitude“ ist daher eine stimulierende Entscheidung. Für H&N ist den Praxen der Einschränkung von Gleichheit (wie das liberale Projekt) oder von Freiheit (so das sozialistische Projekt) ein Projekt radikaler, „absoluter“ Demokratie entgegenzusetzen. Wie im 18. jahrhundert gilt es auch im 21. Jahrhundert die Demokratie neu zu erfinden. Absolute Demokratie wird konfrontiert gegen Souveränität und Repräsentativität - dies waren die alten Versuche der Moderne, welche bekanntlich die Demokratie als Herrschaft der vielen (so die in der Antiken entwickelte Idee) in jene aller verwandelte, somit den Gedanke der universellen Demokratie schuf und als weitere zentrale Neuerung den Begriff der Repräsentation entwickelte, der verbindet und trennt (zB Rousseaus „volonté de tous“ versus den „volonté générale“ – der letztere eint das Volk). Das Repräsentantionsprinzip enthält die grundsätzliche „Injustice of speaking for others“ (Hardt). Die Referenz auf diesen sei das Grundproblem aller Reformvorschläge, welche auch die sozialen und politischen Reformbewegungen der Gegenwart hervorbrächten. Auch die nostalgischen Einbringungen der Zivilgesellschaft (Putnam, Sennett) seien gescheitert. Und endlich seien die postmodernen Demokratiedebatten darüber ebenfalls nicht hinausgekommen und könnten die aktuelle tiefe Krise der Repräsentanz nicht lösen.
H&N ihrerseits schwanken zwischen radikallibertärem Destruktionsdiskurs und der Forderung nach einer Rekonstruktion einer demokratischen Souveränität; Übergangsforderungen (den Konflikt zwischen Monarchie und Aristokratie auszunutzen und gar im Finanzkapital eine verzerrte Form der Multitude zu erblicken (343)) spielen auch eine Rolle. Wenn Arbeiter eine Fabrik regieren können, warum dann nicht die Multitude die Welt? Doch – die Multitude kann nicht Souverän sein, der „Eine“ (363). Wie dann also die Repräsentation und das Moment der grundsätzlichen Trennung beseitigen – denn nur so wird schließlich die Nachhaltigkeit von Singularität möglich? In gut operaistischer (und biopolitischer) Tradition wird die Lösung des Problems darin gesehen, dass nun auch Entscheidungen der Politik „produziert“ werden – auch hier folgerichtig ein Begriff der Produktion, der vollständig gesellschaftlich diffundiert.
Außer Acht gelassen wird dabei zunächst die mögliche Sinnhaftigkeit einer souveränen Politik gegen die Grenzenlosigkeit des Marktes. Die soziale Natur der Demokratie – als strukturierte Kampfarena der Klassen – wird kaum erwähnt, es ist einfach von „Demokratie“ und ihren Formen die Rede, nicht von ihrem „Inhalt“ – und wenn doch, dann mit einer äußerst zweifelhaften Referenz auf Max Weber und sein Verständnis von Kapital und Sozialismus (281): „Sozialismus, ganz gleich welcher Form, beinhaltet somit die Verwaltung von Kapital – vielleicht weniger privatistisch oder individualistisch, aber stets innerhalb der erbarmungslosen Dynamik der instrumentellen Rationalisierung von Leben.“ Diese Einwände (der auch das weitgehende Umgehen des Problems der Vermittlung von Politik jenseits des Repräsentationsmechanismus hinzugefügt werden müsste) ändern aber nichts daran, dass die Frage nach einer globalen Demokratieform jenseits der phantastischen Rede vom Weltstaat beantwortet werden muss.

10 – Theologie
Es bedarf einer neuen Wissenschaft (342) der Pluralität und Hybridität, wo die Grundlage nicht das Individuelle, sondern das widersprüchlich Gemeinsame ist. Eine Wissenschaft der biopolitischen Produktionsverhältnisse macht Sinn. Sicherlich wird dies eine Wissenschaft sein, die sich gründlich unterscheidet von denen, die wir so kennen. Doch ob sie das Moment eines theologischen Pathos einschließen muss, das in der „Multitude“ plötzlich auftaucht – daran lässt sich hoffentlich zweifeln. Brauchen wir die Feier des Märtyrers? Die Liebe als politischen Baustein der Multitude? Eine optimistische Anthropologie etwa? Den theologische Materialismus von Feuerbach, den Vitalismus (auch hier spielen wie in Empire Körpermetaphoriken eine große Rolle [„Fleisch“!, s. 216f., und die, ansonsten netten, Monsterausführungen])? Was soll [ganz in der Tradition des Proletkults und der Marx`schen Annahme, dass nur aus der Abstraktifizierung der konkreten Arbeit das dialektische Gegenstück sich auswachsen könne] die Verherrlichung des „Armen“ als ontologische Conditio des Widerstands und des produktiven Lebens? Was soll das happy end – durch Exodus (also: Entzug, Auswanderung aus Arbeit und Konsumismus - nicht territorial begriffen, S.367)? Was soll die Linke mit einem politischen Denken, das die neue „race“, „humanité“, „nature humaine“, teleologisch produziert – die „neue Menschheit“ (240) beschwört? Weshalb soll sich eigentlich in der Multitude Gottes Liebe materialisieren („Die christliche wie die jüdische Gottesliebe sind in Wahrheit keineswegs zwangsläufig metaphysisch: Sowohl Gottes Liebe zur Menschheit wie auch die Liebe der Menschheit zu Gott finden ihren Ausdruck und ihre Inkarnation im gemeinsamen materiellen politischen Projekt der Multitude.“ (387)?

Bisher habe ich mich nicht getraut, das Michael oder Toni zu fragen.




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