Ein neues Buch über Hitler - aus österreichischer Sicht

Eine notwendige Veröffentlichung, nicht nur für Österreicher

Peter Löwisch in LinksNet.de (24.09.2009)
UNSER HITLER – Die Österreicher und ihr Landsmann
von Martin Haidinger – Günther Steinbach
Verlag: Ecowin Verlag
Veröffentlicht 2009 in Salzburg
379 Seiten
ISBN-13: 978-3-902404-71-8
Preis: € 24,00
Unser Hitler – Die Österreicher und ihr Landsmann, wahrlich ein provokanter Titel, der aber genau das ausdrückt was die Autoren wollen, eine spezifische Sicht auf das „braune Österreich“. Sie haben an Hand unzähliger Dokumente ein Kaleidoskop zusammen gestellt, dass es zu lesen wahrlich lohnt. Neue Fakten in Verbindung mit alt Bekanntem eröffne dem Leser neue Blickwinkel. Vorurteile werden widerlegt, so zum Beispiel dass Hitler aus ärmlichen Verhältnissen stamme und hier der Grund des Hasses zum Judentum liege. Die Autoren verknüpfen die jahrhundert alte Geschichte des Antisemitismus mit den Fakten der Neuzeit, schaffen so ein übersichtliches und verständliches Bild dessen, was dann 1938 zum Anschluss Österreichs an Deutsche Reich führte. Sie schreiben: „Den Antisemitismus musste man in Österreich nicht neu erfinden“. Österreicher waren Juden und Andersdenkenden keinesfalls weniger brutal als deutsche Nazis. Viele der KZ Aufseher waren Österreicher, auch ein Amon Göth war Österreicher.

Die Autoren skizzieren Lebensläufe von Tätern und Opfern, wie einem BdM Mädchen, einem Widerstandskämpfer, eines SS Agenten, eines Gefreiten im Krieg und anderen.

Dies macht das Buch, auch auf Grund einer gut lesbaren Sprache und Schreibweise zu einem Sachbuch, dass über diese Zeit, ihre Menschen und ihrer Vorgeschichte zu lesen, spannend macht. Es ist ein notwendiges Buch, nicht nur für Österreicher sondern für jeden, der sich mit den Jahren des Nationalsozialismus auseinandersetzt, mehr darüber wissen will und der für seine Zeit Konsequenzen daraus ziehen will.

Ja, und Österreich muss sich, mehr als bisher damit auseinandersetzen, dass Hitler auch einer der ihren war.

Der Verlag hat in seiner Ankündigung recht, wenn er schreibt, dass am Ende des Buches dem Leser der Mund offen stehen bleibt, angesichts der Grauzone (aber auch Braunzone) zwischen enthusiastischer Gefolgschaft, Polit-Verbrechertum, Anpassung und Widerstand.

Die Autoren schreiben am Schluss des Buches: „Wir wollten Hintergründe erhellen, die im Dunkeln bei Halbdunkeln des kollektiven österreichischen Gedächtnisses liegen. Ganz bewusst beschäftigen wir uns nicht mit den Kontroversen der Naschwelt rund um Vergangenheitsbewältigung, Vertreibung der Deutschers des Ostens ab 1945, Entnazifizierung, Verfolgung von Kriegsverbrechern, Restitution geraubten Gutes, Holocaust-Leugnung, mit der Affäre Waldheim, dem Phänomen Jörg Haider oder den EU-Sanktionen gegen die ÖVP/FPÖ-Regierung des Jahres 2000. Stattdessen widmeten wir der Vorgeschichte des Dramas breiteren Raum, da sie uns zu wichtig erschien, als dass sie im Zusammenhang mit dem Dritten Reich als bloßes Vorwort abgehandelt werden sollte.“

Und zum Schluss: Wer die bis heute in Österreich weit verbreitete Verliebe für rechtes Gedankengut eines Haider und anderer verstehen will, für den sollte dieses Buch Pflichtlektüre sein.

 

Peter-Chr. Löwisch, Email presse@medien-loewisch.de, Web: http://www.medien-loewisch.de