Mikrokredite, Rendite und Geschlecht

Von zuverlässigen armen Frauen und finanzieller Inklusion

Nach Aufstieg und Fall der Mikrokredite als universelles entwicklungspolitisches Instrument zur Armutsreduktion gehen die Mikrofinanzgeschäfte weiter, so wie sich auch der Finanzmarkt nach der Subprime-Krise „erholt“ hat. Hinter dem Wachstum und dem Crash der Industrie steht die Kommerzialisierung der Kreditvergabe an überwiegend arme Frauen. Der neoliberale entwicklungspolitische Konsens, dass Produkte der Mikrofinanzindustrie höchst probate Mittel zur Armutsreduktion sind, wird im Nachgang von Krise und Kritik derzeit modifiziert, aber nicht aufgegeben.Keywords: crisis of microfinance, financial inclusion, financialisation of everyday life, poverty reduction, women’s empowerment, neoliberal responsibilisation

Schlagwörter: Krise der Mikrofinanzierung, finanzielle Inklusion, Finanzialisierung des Alltagslebens, Armutsreduktion, Frauenempowerment, neoliberale Eigenverantwortung

Nach Aufstieg und Fall der Mikrokredite als universelles entwicklungspolitisches Instrument zur Armutsreduktion gehen die Mikrofinanzgeschäfte weiter, so wie sich auch der Finanzmarkt nach der Subprime-Krise „erholt“ hat. Hinter dem Wachstum und dem Crash der Industrie steht die Kommerzialisierung der Kreditvergabe an überwiegend arme Frauen. Der neoliberale entwicklungspolitische Konsens, dass Produkte der Mikrofinanzindustrie höchst probate Mittel zur Armutsreduktion sind, wird im Nachgang von Krise und Kritik derzeit modifiziert, aber nicht aufgegeben.

Im Folgenden geht es darum, Mikrokredite als gegenderte Instrumente an der Schnittstelle zwischen Mikrofinanzindustrie, Politik und sozialer Reproduktion zu begreifen. Im Zentrum steht das Narrativ der hohen Rückzahlungsmoral und der Zuverlässigkeit der Frauen. Es vermittelt den Aufbau und die Expansion des Mikrokreditsektors, aber auch die entwicklungspolitische Strategie des Frauenempowerments als Vehikel der Armutsbekämpfung. Damit wurde in den Ländern des Globalen Südens die Kreditvergabe vor allem an Frauen legitimiert: Weltweit mehr als 83 Prozent der „ärmsten“ Kreditnehmer_innen sind Frauen, in Bangladesch 98 Prozent, in Kyrgistan 75 Prozent.

Aus einer mehrdimensionalen Perspektive stellt die Mikrofinanzierung eine Schnittstelle von vier sich überschneidenden, aber jeweils eigendynamischen Machtverhältnissen dar: nämlich a) neoliberalen Politiken, b) dem globalen Finanzmarktregime, c) Kreisläufen von Produktion und sozialer Reproduktion und d) der Geschlechterordnung. In die durch diese Machtregime geprägten Mikrokredite sind die sozialen Ungleichheitskategorien Klasse/Kaste, Hautfarbe/Ethnie, Geschlecht und Kolonialismus/Nord-Süd-Ungleichheit eingeschrieben. Mit einem intersektionalen Ansatz kann ein analytischer Zusammenhang zwischen materiellen Strukturen, Diskursen und dem Handeln der Subjekte hergestellt werden. Dabei wird die wechselhafte Geschichte der Mikrofinanzierung am Fallbeispiel Indiens aufgezeigt und gleichzeitig die Verschränkung der Handlungsstrategien der Entwicklungszusammenarbeit, der Finanzindustrie, des indischen Staats und der Kreditnehmer_innen untersucht.

Der Boom der Mikrofinanzindustrie

Der Mikrofinanzsektor ist ein politisch-industrieller Komplex, der seit den 1990er Jahren die finanzielle Inklusion der Armen kommerziell vorantreibt und Marktinklusion als Methode der Armutsreduktion entwicklungspolitisch legitimiert. Nach dem Scheitern der Strukturanpassungsmaßnahmen als Armutsbekämpfung erklärten die Weltbank und andere Entwicklungsinstitutionen in den 2000er Jahren „pro-poor“ und „inklusives“ Wachstum im Unterschied zur trickle-down-Methode zum strategischen Schwerpunkt. Zentral ist dabei der Mechanismus der Marktinklusion von sozialen Gruppen, die bisher exkludiert, marginalisiert und diskriminiert waren. Im Kontext der Globalisierung bedeutet dies vor allem Inklusion in transnationale Wertschöpfungs‑, Distributions‑ und Konsumketten. Aufgabe des Staates ist es, im Rahmen von good governance den Armen Zugang zu Märkten und Ressourcen zu ermöglichen und Armutsreduktion mit der Förderung privatwirtschaftlicher Ansätze und dem makro-ökonomischen Ziel der Marktexpansion zu verknüpfen. Doug Porter und David Craig (2004: 411) nennen die Inklusion von Armen, ökonomisch Schwachen, „vulnerable groups“ und Frauen „inklusiven Liberalismus“. Finanzielle Inklusion ist Teil dieser Integrationsstrategie, der Mikrokredit ein probates Instrument der marktförmigen Einbindung (Lavinas 2013: 6, 36).

Mit der Mikrofinanzindustrie entstand die institutionelle Grundlage für die Inklusion der Armen in die finanzielle Wertschöpfung durch Kredit und Zins und ein neues Akkumulationsmodell globalen Ausmaßes, bei dem der kapitalistische Markt informelle Finanztransfers, informelle Produktionsweisen und soziale Reproduktionsformen in seine Verwertungszusammenhänge einbezieht (Harvey 2005; Hartsock 2006). Voraussetzung war eine Liberalisierung des Finanzdienstleistungssektors und die Zulassung von Mikrokreditinstituten. Es fehlt jedoch an Aufsichtsbehörden und der ordnungspolitische Rahmen ist rudimentär. 1992 entstand in Bolivien mit der BancoSol die erste kommerzielle Mikrokreditbank (Bateman 2010: 118ff).

Die Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) sind auf wenige Finanzdienstleistungen für Menschen spezialisiert, die keinen Zugang zum formalen Banksystem haben. Zur Refinanzierung auf Fremdkapital angewiesen, leisten private und staatliche Banken und etwa 100 Mikrofinanzfonds weltweit ihre Rekapitalisierung. Als Mittler zwischen den Mikrofinanzinstitutionen und dem Kapitalmarkt treten entwicklungspolitische Organisationen auf, allen voran die weltbanknahe Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) und als weltweit größter Investor der Mikrofinanz die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Seit ihrer Gründung 1995 fungierte CGAP mit 34 Organisationen – darunter die Citibank und Master Card Foundation, UN Organisationen, die indische Regierung, die EU Kommission, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW – als Geburtshelfer für Mikrofinanzinstitute, die Kommerzialisierung der Kleinkreditvergabe und eine Harmonisierung der Geber in Sachen Mikrofinanzierung.

Kernkompetenz der KfW, in ihrem Selbstverständnis die „Bank für Verantwortung“, ist die Verbriefung von Kreditforderungen der MFIs und die Vergabe von Garantien für diese Schuldverschreibungen, d.h. im Falle des Kreditausfalls haftet die KfW mit deutschen Steuergeldern – ein Risikoverschiebungsmechanismus. Außerdem treibt die KfW die Kommerzialisierung des Sektors voran, indem sie versucht, entwicklungspolitische nicht-profitorientierte NGOs, die Mikrokredite vergeben, in „vollwertige Finanzinstitutionen“ zu verwandeln (Klas 2011: 40‑51).

Der zentrale Mechanismus der kommerziellen Darlehensvergabe funktioniert nach folgendem Muster: Die MFIs nehmen das notwendige Kapital mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 6‑12 Prozent von Banken und Investoren auf, um es mit Zinsen und Gebühren bis zu 40 Prozent an arme Frauen weiter zu verleihen. Dies wird gerechtfertigt mit hohen Transaktionskosten wegen der arbeitsintensiven Kreditvergabe und Zinseintreibung in den Dörfern. Dieser Finanzkreislauf bindet Frauen des Globalen Südens und Ostens über eine Kredit‑ und Verschuldungskette in die globalen Finanzmärkte ein. Dies geschieht genau zu dem Zeitpunkt, wo auch im Globalen Süden und Osten ein finanzdominiertes Akkumulationsregime auf dem Vormarsch ist.

Gleichzeitig lösten gute Renditeaussichten auf den Finanzmärkten seit Ende der 1990er Jahre einen Boom von Anlagemöglichkeiten, Microfinance Investment Vehicles (MIV) bei den Banken aus (Deutsche Bank Research & Dieckmann 2007; Symbiotics 2015). Analog zur entwicklungspolitischen Erfolgsgeschichte wurde ein Mythos von Renditesicherheit und Niedrigrisiko im Mikrofinanzmarkt auf Basis der hohen Rückzahlungsquote von 95 Prozent und der großen Streuung der Mikrokredite konstruiert. Das Narrativ der weiblichen Zuverlässigkeit korrespondiert unmittelbar mit dem des „Vertrauens“ auf dem Finanzmarkt, das bei Anlagegeschäften eine wichtige Rolle spielt, und öffnet neue Märkte (Assassi 2009: 165f). Anlagemöglichkeiten in Mikrofinanzfonds werden von Banken, Sparkassen, sich ethisch nennenden Finanzinstituten wie der deutschen GLS und übers Internet mit dem Versprechen einer doppelten Rendite angeboten: Gewinne zu erzielen und – als moralische Rendite – die Armut zu reduzieren und die Armen, vor allem arme Frauen, zu empowern. Anlagen in Mikrofinanzfonds gelten als ethische Investition oder Social Responsible Investment (Deutsche Bank Research & Dieckmann 2007). Die Verquickung von finanziellen und moralischen Renditen erwies sich als Motor für das Wachstum des Sektors und die Einbindung der Mikrofinanzmärkte in die Verwertungsmechanismen der globalen Finanzindustrie.

Der Fondsmarkt ist intransparent, Renditeinteressen und Wohlfahrtsorientierung werden nicht klar getrennt, vielmehr verschleiern die weichen, sozialen Renditen die harten Gewinne, die alle Investoren aufgrund der hohen Zinssätze machen. Zusätzlich zu den von NGOs, Stiftungen und Kirchen betriebenen, nicht-profitorientierten Fonds – mit Oikocredit als dem Marktführer –, klassifizieren sich viele Anlageprodukte als „Entwicklungsfonds“ mit dem Nimbus von Wohltätigkeit und Profitneutralität – wie z.B. der „Deutsche Bank Microcredit Development Fund“ (Deutsche Bank Research & Lützenkirchen 2012; Klas 2011: 40‑51).

Banco Compartamos in Mexiko, bekannt für eine jährliche Verzinsung der Mikrokredite von über 100 Prozent, war 2006 die weltweit erste börsennotierte Mikrofinanzinstitution (Bateman 2010: 142‑153). 2010 konnte SKS Microfinance in Indien, nachdem sie in den Jahren zuvor ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 162 Prozent erzielt hatte, an der Börse gleich vierzehnfach überzeichnet 350 Millionen Dollar frisches Kapital realisieren. SKS zahlte seinen Managern die höchsten Gehälter der gesamten Branche plus fürstliche Boni.

Die Mikrofinanzbranche, inzwischen mit eigenen Ratingagenturen, konnte gerade in der Zeit der Subprime-Hypothekenkrise ein exponentielles Wachstum verbuchen, denn die Mikrofinanzfonds profitierten davon, dass nomadisierendes Kapital auf der Flucht vor Hochrisikofonds neue risikoarme Anlagemöglichkeiten suchte (CGAP Brief 2012). Dies führte zu einer Überliquidität der MFIs und war die Hauptursache für den Boom und die rasche Expansion des Mikrokreditmarktes.

Das Grameen-Bank-Modell und
die Konstruktion eines entwicklungspolitischen Konsenses

Die Entwicklungsindustrie von der Weltbank bis zu kirchlichen Hilfswerken hatte mit ihren Praktiken der Kreditvergabe, die im Namen der Armutsbekämpfung und des Frauenempowerment aus den kleinen Dorfprojekten milliardenschwere top-down-Programme machte, attraktive Voraussetzungen für die Kommerzialisierung durch die Mikrofinanzindustrie geschaffen.

Zu einer tragenden Säule der Entwicklungszusammenarbeit wurden die Mikrokredite seit den 1980er Jahren auf Basis des Konzepts der Grameen-Bank (Dorf-Bank), das der in den USA ausgebildete Ökonom Mohammed Yunus in Bangladesch entwickelte (Yunus 2006; 2008). Yunus war weder der erste noch der einzige, der Kleinkreditprogramme in den Dörfern außerhalb des formalen Bankensystems und zur Befreiung von der Verschuldung beim lokalen Geldverleiher einführte, aber er konzipierte sie kohärent als ein entwicklungspolitisches Instrument der Armutsbekämpfung, das Marktinklusion mit dem Empowerment von Frauen verknüpfte. Die – von Yunus nicht erwähnte – mikroökonomische Vorgeschichte in den Dörfern war, dass informelles Leihen und Verleihen kleiner Summen zwischen Frauen schon zuvor eine zentrale Strategie des Haushalts‑ und Armutsmanagements war (Räder 1993).

Nach einem Fehlversuch mit der Rückzahlungsmoral von Männern erklärte Yunus die armen Frauen für „bankable“ und konzipierte das Grameen-Bank-Modell: Die Grameen-Bank ging in die Dörfer, verzichtete dort auf die üblichen Sicherheiten und vergab die Kredite an Frauengruppen, die damit auch die Verantwortung für die Rückzahlung inklusive des Zinssatzes von über 25 Prozent übernahmen. Der Gruppendruck erzeugt die Sicherheit für die Bank, nämlich die viel gepriesene Rückzahlungsmoral der Frauen, die laut Angaben der Bank – mit Ausnahme einer Baisse 1992 – dauerhaft über 95 Prozent lag (Yunus 2006).

Die entwicklungspolitische Essenz des Grameen-Bank-Modells liegt in der zwillingshaften Kopplung der Mikrofinanzierung an das Konzept der wirtschaftlichen Eigeninitiative, im Entwicklungsjargon „einkommenschaffende Tätigkeit“ und später Kleinunternehmen genannt. Beide Mikro-Ansätze sollten eine Makro-Wirkung haben, nämlich dass Millionen Frauen durch Selbstbeschäftigung ein Einkommen erwirtschaften, so der Armut entkommen und sie damit insgesamt reduzieren.

Diese erwünschte Hebelwirkung basiert auf einem Bündel entwicklungspolitischer Grundannahmen, die gängige Muster der Programmkonzeption sind. Zunächst werden Personengruppen, Gesellschaften oder Wirtschaftsweisen als defizitär definiert, um „Hilfe“ dann als Befriedigung eines „ungedeckten Bedarfs“ und Beseitigung der identifizierten Mängel zu konzipieren. Die Konstruktion eines ungedeckten Bedarfs oder der „Unterversorgung“ ist ein gängiger entwicklungspolitischer Legitimationstopos, wenn es z.B. in der Landwirtschaft und der Familienplanung um die stets als Mängelwesen definierten Frauen im Globalen Süden geht (Wichterich 2009: 79ff). Diese entwicklungspolitischen Grundannahmen sind verwoben mit Marktmythen bezüglich der Frauen und der dörflichen Ökonomie und mit einem homogenen, ja essentialistischen Frauenbild: zum einen würden in allen Frauen kleinunternehmerische Potenziale schlummern, die durch den Kredit geweckt würden, sodass sie den Kredit umgehend produktiv, von der Hühnerzucht bis zum kleinen Kiosk, investieren würden. Marktintegration durch Erwerbsarbeit und Zugang zu Geld gelten als zentrales entwicklungspolitisches Vehikel des Frauenempowerments. Zweitens wird davon ausgegangen, dass alle Frauen ein Startkapital für Einkommenserwerb benötigen, also ein großer ungedeckter Bedarf bestehe. Drittens wird unterstellt, dass ein Angebot auf den ländlichen Märkten eine Nachfrage finden, also einen Austausch unter den Armen stimulieren würde, der wiederum ein Einkommen abwirft, mit dem die Frauen dann den Kredit zurückzahlen und sich selbst aus der Armut befreien können (Bateman 2015). Milford Bateman (2010) bezeichnet dieses Konzept treffend als „lokalen Neoliberalismus“.

Der diskursive Dreh‑ und Angelpunkt für die Kreditvergabe an arme einkommensschwache Frauen ist jedoch der geschlechtsspezifische Topos der hohen weiblichen Rückzahlungsmoral. Die sozialen Kategorien Klasse bzw. Armut und Gender überschneiden sich hier. Der jahrelange Hype um das Finanzinstrument Mikrokredite als universell wirksames Mittel der Armutsreduktion basierte auf den gemeldeten hohen Rückzahlungsquoten von 95 Prozent, die überall als „Erfolg“ der Mikrokredite und auch der einkommensschaffenden Tätigkeiten der Frauen gewertet wurden (Mayoux 1995). Das Narrativ der Zuverlässigkeit als weibliches Dispositiv nimmt das essentialistische Theorem der Entwicklungspsychologin Carol Gilligan (1988) zu weiblicher Fürsorgeethik auf. Die Zuschreibung von Verantwortungsmoral macht die Frauen zur idealen Zielgruppe der Kreditvergabe, zu Garantinnen hoher Rückzahlungsquoten und zu verantwortlichen Akteurinnen in der Entwicklung der Haushalts‑ und Dorfökonomie. Diese naturalisierte weibliche Eigenschaft soll durch das Kollektiv, nämlich den Gruppendruck, noch einmal potenziert werden.

Bei der Grameen-Bank wird die Kreditvergabe zudem – das zeigt ein paramilitärisch anmutendes Ritual bei den wöchentlichen Gruppentreffen – als Einübung von entwicklungs‑ und finanzpolitischer Disziplin und einer modernen Frauenrolle nach westlichen kleinfamilialen Normen zelebriert, von der Zwei-Kind-Familie bis zur sauberen Hütte.

Sukzessive verwandelte Yunus mit einem strategischen Paket von Maßnahmen die Mikrokredite von einem Entwicklungskonzept in ein Business-Modell der Armutsbekämpfung (Rogaly 1996) und wurde zum zentralen Wegbereiter der Kommerzialisierung der Mikrokreditvergabe. Mit der Behauptung, es gäbe ein „Menschenrecht auf Kredit“, universalisierte Yunus den Legitimationstopos von Bedarf und Nachfrage und erhob ihn zur universellen Norm, verknüpfte das Menschenrechtsparadigma der Vereinten Nationen mit dem Finanzmarkt und verallgemeinerte Mikrofinanzierung damit zu einem global hegemonialen Projekt. Er forderte große private Banken und Fondsgesellschaften auf, in das Geschäft mit den Kleinkrediten einzusteigen, um die Refinanzierung der Grameen-Bank und von Mikrofinanzinstituten zu sichern und das „Menschenrecht“ einzulösen.

Gleichzeitig entwickelte er in Bangladesch sogenannte „soziale Business-Projekte“ mit transnationalen Konzernen, nämlich Joint Ventures zwischen der Grameen-Bank und Nokia, Danone, Adidas, Otto und BASF, die zunächst lediglich kostendeckend wirtschaften sollten (Yunus 2010). Gleichwohl eröffneten sie – vermittelt über die einkommenschaffenden Frauen – ausländischen Konzernen Zugang zu bisher unerschlossenen Märkten und verhalfen ihnen zusätzlich zu einem sozialen Image (Bateman 2010: 125ff; Klas 2011: 245‑260; Hartmann 2014). Mit der Öffnung des entwicklungspolitischen Projekts Mikrofinanzierung hin zu Banken und Konzernen trieb Yunus sowohl die Verschmelzung von privatwirtschaftlich mit sozial-ethisch motivierten Praktiken als auch die Privatisierung der Entwicklungszusammenarbeit voran.

1997 wurde der erste World Summit on Microcredit in Washington gemeinsam von entwicklungspolitischen und Finanzmarktinstitutionen organisiert, der die kommerzielle Verbreitung von Mikrokrediten durch eine globale Kampagne zu Mikrofinanzierung mit großer Medienresonanz popularisierte (Singh 1997). Der Aktionsplan des Gipfels zielte darauf, Mikrofinanzfonds aufzulegen und über 20 Mrd. US$ zu mobilisieren, um bis zum Jahr 2005 Mikrokredite an die 100 Mio. ärmsten Familien zu vergeben. Seitdem haben 17 „Gipfel“ auf verschiedenen Kontinenten zur Umsetzung der Kampagne stattgefunden.

Mikrokredite wurden nun von der gesamten Entwicklungsindustrie als Mehrzweckinstrument übernommen und in flächendeckende Programme verwandelt, bei denen eine kleine Summe Geldes die Frauen nicht nur aus den Fängen der lokalen Kredithaie, sondern auch aus den Zwängen der Armut und patriarchaler Unterdrückung befreien sollte, aus denen sie sich aus eigener Kraft anscheinend nicht befreien konnten, also wieder einmal Hilfe von außen, aus dem Westen brauchten. Dabei verdrängten die Kleinkreditprogramme jedoch in vielen Kulturen überbrachte informelle Spar‑ und Darlehensformen wie rotierende Spartöpfe und selbstorganisierte Finanztransaktionen zwischen den Frauen und jenseits der lokalen Wucherer, sogenannte Rotating Savings and Credit Association (ROSCA) – von den Tontine in Westafrika, den Merry-go-round in Ostafrika, Arisan in Ostjava bis zu den Sanghams und dörflichen Spargenossenschaften in Südasien (Sriram 2010a; 2010b). In diesen sozialen Räumen sparten Frauen aufgrund sozialer Prinzipien wie Reziprozität und Solidarität und halfen einander reihum nach selbstgesetzten Regeln: in Notfällen, bei kostspieligen sozialen Ereignissen, dringenden Anschaffungen oder hohen Ausgaben für die Landwirtschaft oder Produktion. Diese informellen Spar‑ und Leihmechanismen waren Scharniere von Nachbarschafts‑ und moralischen Ökonomien in der Tradition einer Ökonomie der Gabe (Mauss 1968) und – wie unzulänglich auch immer – selbstverwaltete Sicherheitsnetze in der Armut (Visvanathan & Yoder 2011).

Die globale Erfolgsgeschichte des entwicklungspolitischen Konsenses und der Hegemonialisierung des Konzepts finanzieller Inklusion gipfelte 2005 in der Ausrufung des „internationalen Jahrs des Mikrokredits“ durch die UN und 2006 in der Vergabe des Friedensnobelpreises an Yunus. Die Kommerzialisierung der Mikrofinanzierung markiert den Übergang von staatlich gesteuerten zu marktgesteuerten Entwicklungsstrategien, in denen Marktprinzipien bzw. die Privatwirtschaft die Ziele bestimmen (Rankin 2001).

Marktmechanismen und Crash

Die Marktmechanismen von Wachstum, Überhitzung und Krise, die durch die rasche Kommerzialisierung des Sektors befeuert wurden, zeigten sich paradigmatisch im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Nachdem Indien ab 1991 seinen Finanzmarkt liberalisierte, wurden innerhalb weniger Jahre 3000 Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) gegründet, die die Kreditvergabe als profitables Geschäft entsprechend der Marktprinzipien: Wachstum, Konkurrenz, Effizienz betrieben und ländliche Regionen systematisch „penetrierten“ – so der Marktjargon (Kannabiran 2005). 2005 reichte die indische Regierung die selbstgesetzte Aufgabe der „finanziellen Inklusion“ an die Mikrofinanzinstitutionen weiter, weil nur 50 000 der 600 000 Dörfer Indiens Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten (Leeladhar 2006).

Parallel reduzierte die indische Regierung in den vergangenen 25 Jahren ihre Investitionen in den kleinbäuerlichen Sektor und strich Subventionen. Dadurch sanken die kleinbäuerlichen Einkommen um 20 Prozent, die Hälfte der Haushalte ist heute überschuldet. Im Zuge der konzernorientierten Umstrukturierung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft nahmen sich ca. 250.000 durch Bank‑ und Geldverleiherkredite hochverschuldete Männer das Leben (Wienold 2007). Der Zugang zu neuen Krediten wurde für Klein‑ und Mittelbauern schwieriger, während das Angebot von Mikrokrediten für die Subsistenzbäuerinnen wuchs.

Zigtausende, meist männliche Agenten verschiedener Mikrofinanzinstitute versuchten, sich gegenseitig die Kundinnen in den Dörfern abzujagen und höhere Darlehenssummen abzusetzen, um Erfolgsprämien zu kassieren. Darunter waren immer mehr Frauen unter der Armutsgrenze, die keine realistische Chance der Rückzahlung hatten.

Die Rechtsform ist ein Vertrag über Kreditvergabe und Rückzahlung inklusive Zins und Transaktionskosten für die Finanzdienstleistung, im Durchschnitt zwischen 30 und 35 Prozent bei kurzer Laufzeit. Für die MFI zählen nur der Vertragsabschluss und die Rückzahlung, nicht aber Sparen oder eine entwicklungsorientierte oder emanzipatorische Verwendung des Kredits (Nair 2010). Einmal pro Woche wurden die Zinsen eingetrieben, meist mit einer SMART Card als moderner Finanzdienstleistungstechnologie, mit der die Agenten als „mobile Bank“ an der Haustür Einzahlungen und Auszahlungen vornehmen können. Auf diese Weise verdrängten die MFIs systematisch die „Selbsthilfe“-Programme der Regierung und von NGOs (Srinivasan 2009).

Die über Jahre hohen Rückzahlungsraten der Frauen erklären sich aus der zunehmend multiplen Kreditaufnahme der Frauen von mehreren Anbietern und letztendlich noch vom lokalen Geldverleiher, um alle Rückzahlungen prompt leisten zu können. Das Überangebot an Krediten durch die MFIs in den Dörfern als Folge ihrer Gewinn‑ und Wachstumsorientierung verstärkte diesen Effekt. Angetrieben durch die wöchentliche Zinseintreiberei der Mikrofinanzagenten jonglierten sie in einem komplexen System von Leihen und Verschulden mit mehreren formellen und informellen Geldquellen. Dalit-Frauen, Frauen aus den unteren, sozial am stärksten geächteten Kasten, fallen durch das Kreditnetz, weil sie nicht rückzahlungssolvent sind. Der Mikrokredit befördert sie tiefer hinein in die Verschuldungs‑ und Armutsspirale (für Bangladesch: Rahman 1999).

Die Überhitzung des Mikrofinanzsektors als ein direkter Reflex auf die globale Finanzkrise führte zu Kreditblasen an der Basis und löste 2010 in Andhra Pradesh, das damals die weltweit größte Penetrationsdichte von Mikrokrediten aufwies, den Zusammenbruch der Rückzahlungen und Liquiditätsprobleme marktführender MFIs aus. Das Vertrauen auf dem Finanzmarkt verpuffte wegen ausbleibender Rendite. Die Regierung von Andhra Pradesh warf den MFIs vor, ein neues intransparentes System der Wucherei aufgebaut zu haben, private Bereicherung auf Kosten von Frauen unterhalb der Armutsgrenze zu betreiben und Hyperprofite einzufahren. Wie bei der Subprime-Krise halfen große Banken wie die Citi-Group und zudem Entwicklungsorganisationen wie die KfW dem MFI-Sektor mit Rettungsfonds. Hilfe für die überschuldeten Frauen gab es dagegen nicht. Die indische Regierung regulierte den Sektor nur unmaßgeblich und deckelte die Zinsen wegen heftiger Proteste der Industrie lediglich bei 28 Prozent. (Wichterich 2012; Mader 2013)

Seitdem steht die Mikrofinanzindustrie selbst bei führenden Protagonisten der Weltbank und von CGAP in der Kritik. Weltweit verlorenes Vertrauen führte zu erheblichen Wachstumseinbußen: von 33 Prozent 2009 auf 5 Prozent 2011. 2014 sprach die Branche allerdings bereits wieder von Erholung und bezifferte ihr jährliches Wachstum mit 16,4 Prozent (Microcredit Summit Campaign 2013; Convergences 2014).

Umstrukturierung der lokalen Ökonomie und sozialer Reproduktion

2010 demontierte die Nachricht aus Andhra Pradesh, dass mehr als 50 überschuldete Frauen sich in kurzer Zeit selbst getötet hatten, den Mythos der Armutsbekämpfung. Bereits seit den 1990er Jahren führten Gutachter_innen und Aktivist_innen heftige Kontroversen über die armutsreduzierenden Wirkungen von Mikrokreditprojekten (Hulme & Mosley 1996; Fernando 2006). In Bangladesch kamen Evaluierungen derselben Projekte je nach Auftraggeber und Untersuchungsmethode zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der ökonomischen Wirkung der Mikrokredite.[1] Zentrale Indikatoren waren Haushaltswohlstand gemessen in Konsum, Bildung und Gesundheit der Kinder und Empowerment der Frauen durch „einkommenschaffende Tätigkeiten“ (Hammler 2011).

Eine systematische Metastudie zu 15.000 Auswertungen und Berichten aus drei Jahrzehnten schlussfolgerte, dass keine eindeutigen Verbesserungen der Armutssituation nachweisbar sind (Duvendack 2014). Beispiel Westbengalen: Trotz einer 97-prozentigen Rückzahlungsquote bewirkte der Kredit bei nur 9 Prozent eine ökonomische Verbesserung (Chatterjee 2010). Allerdings tragen die Mikrokredite zu einer sukzessiven Umstrukturierung der lokalen Ökonomien und einer Verdrängung überbrachter Ökonomien mit moralischen Komponenten bei.

Eine strukturelle Armutsreduktion blieb aus drei zentralen Gründen aus: zum ersten weil die „Ärmsten der Armen“, die Mohammed Yunus anfänglich zur Hauptzielgruppe erklärt hatte, gar nicht erreicht wurden, zum zweiten weil die meisten Kredite konsumtiv investiert wurden – die Schätzungen schwanken zwischen zwei Drittel und 90 Prozent (Forbes 10. 11. 2006, zitiert in Bateman 2010:137; Beck & Ogden 2007) und zum dritten weil sie da, wo sie produktiv investiert wurden, oft nur kurzfristig einen Verdienst brachten. In Indien werden meist als erstes Schulden der Familie beim lokalen Geldverleiher zurückgezahlt, der Wucherzinsen von bis zu 100 Prozent verlangt. Häufige konsumtive Verwendungszwecke sind Kosten für medizinische Behandlung oder die Ausrichtung von Hochzeiten.

Bei der produktiven Investition des Kredits erfüllte sich die Hoffnung nicht unbedingt, mithilfe eines kleinen Startkapitals lokales Kleinunternehmertum aufbauen zu können, wie sie der peruanische Ökonom Hernando de Soto bereits in den 1980er Jahren als marktbasierte Entwicklung von unten propagiert hatte (Soto 1992). Natürlich gibt es einzelne Erfolgsgeschichten. Doch für Landwirtschaft sind die Kredite ungeeignet, weil die Schonfrist und Laufzeiten kurz sind: Kein Gemüse wächst so schnell, wie zurückgezahlt werden muss. Wo Frauen Eier verkaufen, einen Essensstand betreiben, Heilkräuter sammeln usw., führt dies häufig wegen des Nachahmerverhaltens zu einem Überangebot und einem Verdrängungswettbewerb auf den lokalen Märkten, nicht aber zu einer dauerhaften Existenzsicherung (Mayoux 1995; Raza 2014).

Bei Franchise-Geschäften erschließen die Frauen den Firmen aus der Stadt oder Konzernen neue Märkte und übernehmen die Absatzrisiken. Auf eine markt‑ und konzernkonforme Umstrukturierung der lokalen Ökonomie orientierten auch die Joint Ventures der Grameen-Bank. So sollten Kleinbäuerinnen, die bislang ihr eigenes Saatgut reproduzierten, das gentechnisch veränderte Saatgut und Unkrautvernichtungsmittel des Agrar-Multis Monsanto kaufen, der mit einer Spende die Kredite finanzieren wollte. Der Kredit hätte die selbstversorgenden Produzentinnen in Marktkonsumentinnen verwandelt und damit Monsanto neue Märkte eröffnet. Auch das Joint Venture mit Danone zielte auf Verdrängung der haushaltlichen und dörflichen Selbstversorgungsökonomie, denn in Bangladesch stellt jede Frau zu Hause eigenen Joghurt her (Klas 2011: 245‑260).

Einen ähnlichen Verdrängungseffekt bewirken auch Kioske einzelner Kreditnehmerinnen und genossenschaftliche kleine Supermärkte von Kreditgruppen. Eine Kreditgruppe in Tamil Nadu verstand ihren Mini-Markt als Einstieg in den modernen Konsum, so wie die Fernsehwerbung mit städtischen Mittelschichtsfrauen ihn präsentiert. Entsprechend bot die Kreditgruppe nur „moderne“, sauber verpackte und verschweißte Konzernprodukte an, darunter Mineralwasser von Coca Cola, wofür der Konzern den Dörfern unweit vom Supermarkt das Grundwasser abpumpte. Dagegen nahmen die Jungunternehmerinnen die Gewürze, Öle und Heilmittel, die die Dorffrauen nebenan herstellten, nicht ins Sortiment auf, weil sie nicht „richtig“ verpackt wären. So führte die Selbsthilfegruppe den freien Wettbewerb zwischen Konzernwaren und den Produkten der Kleinbäuerinnen, Eigenproduzentinnen und Straßenhändlerinnen ein. Der kreditfinanzierte Supermarkt fungiert als Vorhut der städtischen, großunternehmerischen Marktökonomie, drängt die dörfliche Ökonomie ins Abseits und wertet deren Frauenarbeit als nicht marktfähig ab. Ungleichheiten und Interessenunterschiede zwischen den Frauen nehmen zu (Wichterich 2009: 142‑153).

Zwei Dynamiken verschränken sich miteinander: Enteignung und Aneignung. Als Enteignung oder Landnahme in Anlehnung an Rosa Luxemburg und David Harvey lässt sich die Verdrängung oder Vereinnahmung informeller und solidarischer Finanzierungs‑ und Ökonomieformen durch die Mikrofinanzierung betrachten (Keating u.a. 2010). Aneignung durch die Finanzwirtschaft bedeutet hier, dass sie in vorher nicht marktbasierte Formen sozialer Reproduktion eindringt. Philip Mader (2015) nennt diese gewinnförmige Nutzung „Finanzialisierung der Armut“.

Gleichzeitig eignen sich auch die Kreditnehmerinnen die Mikrokredite als Instrumente der Alltagsreproduktion an. Sie substituieren mit den Krediten geringere Einkommen auf dem Land und finanzieren ihre soziale Reproduktion auf einem höheren Konsumniveau. Der Kredit ist also aus mikroökonomischer Perspektive zu einer Reproduktionsweise geworden. In der Evaluierungssprache einer kürzlichen Studie, die feststellte, dass Mikrokredite in Bezug auf Armut und Frauenempowerment weder nutzen noch schaden, heißt dies, dass die Mikrokredite „einkommensschwachen Haushalten mehr Freiheit geben, die Möglichkeiten zu optimieren, wie sie Geld verdienen, konsumieren und investieren“ (Poverty Action Lab & ipa 2015). In den USA kennzeichneten Julie Froud, Adam Lever und Karel Williams (2007) dies mit Bezug auf die Konsum‑ und Hypothekenkredite als „Finanzialisierung des Alltags“ weil Finanzdienstleistungen gekauft werden müssen, um die Grundbedürfnisse und Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Diese Finanzdienstleistungen und ‑produkte werden wiederum verbrieft, zu risikoreichen oder spekulativen Finanzprodukten gepackt und weiter gehandelt, wie dies z.B. die KfW macht. Die entwicklungspolitische Strategie der Mikrofinanzierung, Alltagsmechanismen der Reproduktion und der globale Finanzmarkt sind inzwischen unauflöslich miteinander verschränkt.

Paradoxes Empowerment und „doing gender“

Auch die Auswertung der Empowerment-Effekte von Mikrokreditprogrammen in Indien beförderte eine Bandbreite von positiven und negativen Resultaten zu Tage, aber wenig signifikante Kausalzusammenhänge (Snijders & Dijkstra 2011). Als zentrale Empowerment-Kategorien gelten Zugang zu produktiven Ressourcen, zu Entscheidungsmacht im Haus und außerhalb, Mobilität, politisches Bewusstsein, Interaktion mit lokalen Behörden und Gruppensolidarität (Mayoux 2000; Hashemi u.a. 1996).

Lange sahen feministische Wissenschaftlerinnen wie Naila Kabeer Mikrokredite zwar nicht als Wunderwaffe gegen die Armut, aber trotzdem als Empowerment-Instrument, vor allem für das Selbstbewusstsein der Frauen (Kabeer 2001; 2005). Das Narrativ der „guten Frau“ veränderte sich in Indien in der Selbst‑ und in der Fremdwahrnehmung. Eine „gute Frau“ ist nun diejenige, die aus dem öffentlichen Raum Cash in die Haushalte bringt und damit die soziale Reproduktion unter Armutsbedingungen verbessert (Batliwala & Dhanraj 2006). Zunächst nahmen viele Frauen den Kredit und die übertragenen Aufgaben als unbezahlte multifunktionale Dorf‑ und Familienentwicklerinnen eher als Anerkennung denn als Last wahr. Für sie zählte: „Jetzt sind wir wer!“ Früher durften sie keinen Fuß in eine Bank setzen, heute läuft ihnen die „mobile“ Bank im Dorf hinterher. Erstmalig besitzen sie einen Ausweis, die SMART-Card. Die ist ihre Identity Card und Beweis für die Teilhabe an der Moderne und die Anerkennung als Marktbürgerin, als Kundin (Batliwala & Dhanraj 2006; Kabeer 2005).

In der Familie wertet es die Frauen auf, wenn sie das Geld für die Mitgift einbringen, die von der Brautfamilie gezahlt werden muss, vom Fernseher bis Motorrad. Je mehr Geld zirkuliert, je konsumorientierter die Menschen in den Dörfern werden, desto mehr steigen die Mitgiftforderungen und auch die Aufwendungen für die Feier. Die Kredite tragen vermittelt über die Mitgift zu einer weiteren Ökonomisierung sozialer Beziehungen bei. So kommt es zu dem Widerspruch, dass der Kredit, der Frauen zu Handlungsmacht und Autonomie befähigen sollte, als Mittel genutzt wird, um ein System zu stützen, das Frauen der patriarchalen Familienautorität unterwirft. Durch die Ausdehnung der Marktlogik auf den Bereich der sozialen Reproduktion wird die Ökonomisierung von Geschlechterbeziehungen verstärkt.

Auf der mikropolitischen Ebene des Haushalts führt der Kredit in einigen Fällen zu einem Zugewinn an Entscheidungsmacht der Frauen, wenn es um die Verwendung des Geldes geht (Holvoet 2005). In anderen Fällen beanspruchen jedoch Männer Verfügungsmacht über das Geld und kompensieren mit Gewalt die Demütigung, dass die Kredite nicht ihnen als Familienoberhaupt angeboten werden (Goetz & Gupta 1996).

Da, wo Frauen an Handlungs‑ und Verhandlungsmacht innerhalb restriktiver Strukturen gewinnen und neue Subjektpositionen entwickeln, erwerben sie mit dem Kredit aus Bourdieu’scher Perspektive ein symbolisches und soziales Kapital, das Irritationen und Brüche in der bestehenden Geschlechterordnung und dadurch sozialen Wandel auslösen kann (Bourdieu 1997; für Ägypten: Hanappi-Egger u.a. 2010).

Dabei findet durch die Kredite, um mit Judith Butler zu sprechen, ein re-doing gender statt: Weiblichkeit wird modernisiert, sie beschafft Cash, handelt strategisch und rational, übernimmt multiple Verantwortung für die Familie und im Dorf, wird zur Unternehmerin ihrer selbst, aber stets mit weiblicher Fürsorgemoral im Dienst der Gemeinschaft. Der Prozess der Mikrofinanzierung bewirkt ein „social engeneering“, eine neue Form der Vergesellschaftung der Frauen und der Vergeschlechtlichung: Die Marktverträge konstituieren die Frauen als öffentliche Personen und moderne, zuverlässige, disziplinierte Marktsubjekte, nämlich „rationale ökonomische Frauen“, wie Katherine Rankin sie nennt (2001; Keating u.a. 2010).

Zwar wird häufig nach außen auch eine neue Gruppenidentität, repräsentiert durch Uniformsaris, behauptet und mit der Eigenverantwortung wird den Frauen „Ownership“ am Projekt übertragen. Doch keine der Studien zum Empowerment konnte eine Stärkung der Gruppensolidarität feststellen, wie dies viele Frauenorganisationen erhofft hatten (Snijders & Dijkstra 2011). Vielmehr setzt die Gruppe als Mobilisierungs‑ und Disziplinierungsorgan säumige Rückzahlerinnen unter Druck und übt rationale Planung und strategisches Handeln im Rahmen von Effizienz und kapitalistischer Zeitökonomie zwecks Kreditrückzahlung ein. Gleichzeitig etabliert sie eine Mikropolitik der Repression und auf der symbolischen Ebene eine „politische Ökonomie der Scham“, wie Lamia Karim (2011) über Bangladesch sagt. Die frühere Solidargruppe fungiert jetzt vor allem als Kontrollorgan, statt Solidarität wird ein Wettbewerb der Rückzahlung befördert. Rückzahlung wird dadurch auch zur sozialen Pflicht gegenüber der Peer Group. Andere Formen politischer Organisierung oder Gruppenbildung, die in den Jahren zuvor häufig waren, werden durch die Haftungsgruppen verdrängt: Es bleibt weder Energie noch Zeit für sie.

Der Kern des Empowerment-Konzepts ist der Aufbau von Macht zum Markthandeln basierend auf Marktzugangschancen und ‑ressourcen wie Wissen und Kredit (Kabeer 2001: 71; Batliwala & Dhanraj 2006). Der Markt erscheint als der soziale Ort, der Frauen Zugang zu Verteilungs‑ und Anerkennungsgerechtigkeit bietet. Der Kredit überbrückt die Spaltung zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Produktion und sozialer Reproduktion. In diesem marktförmigen Konzept der Befreiung armer Frauen verknüpft die Entwicklungszusammenarbeit feministische und neoliberale Ziele und entlastet damit Staaten im Globalen Süden von der Verantwortung systemischer Armutsbekämpfung – Nancy Fraser (2009) nennt dies eine „beunruhigende Koinzidenz“. Damit überträgt die Politik aber auch westliche Modelle von Emanzipation, eigenständiger Existenzsicherung, Selbstbestimmung und individueller Unabhängigkeit auf andere Kulturen und soziale Reproduktionszusammenhänge.

Aus einer Foucault’schen Perspektive wirken die kleinen Darlehen deshalb als neoliberale Herrschaftstechnik, durch die Frauen Selbstreglementierung erlernen und in die Märkte als selbstverantwortliche Armutsbekämpferinnen und disziplinierte Schuldnerinnen integriert werden (für Nepal: Rankin 2001; Miller & Rose 1990). Mikrofinanz lässt Armut und Geschlechterungleichheit als individuell überwindbar, nicht als strukturelles und politisches Problem erscheinen.

Somit bedeutet die Feminisierung von Kreditaufnahme und Verschuldung ein höchst ambivalentes Empowerment zwischen den Achsen von Handlungsmacht und Handlungszwängen durch die patriarchalen und Marktstrukturen. Vermittelt über den Topos des Empowerment fungiert der Mikrokredit nun als die in Geld und Zins geronnene Form der neoliberalen Übertragung von Eigenverantwortung an Frauen als homo oeconomicus und homo financialis, während das männliche Ernährermodell erodiert. Diese Feminisierung der Reproduktionsverantwortung beinhaltet gegenläufige Elemente: Weibliche Fürsorgemoral wird bestätigt, aber von der männlich konnotierten Rationalität des homo oeconomicus vereinnahmt.

Aus einer post-kolonialen Perspektive lässt sich der Mikrokredit als wesentlicher Baustein in der Befreiungs‑ und Rettungsmission der Entwicklungspolitik für arme Frauen im Globalen Süden begreifen. So verwandelt die Entwicklungszusammenarbeit das politische Projekt des Frauenempowerments in ein kontextunabhängiges technisches Projekt (Wichterich 2009: 47ff). Der Mikrokredit ist dabei das Schlüsselinstrument und Symbol von Modernität, das den Frauen von außen bereitgestellt wird, um sie aus der als traditionell oder kulturell definierten Rechtlosigkeit und Handlungsunfähigkeit zu befreien. Dieses Instrumentarium des Empowerments wendet die Entwicklungspolitik universell an, eben überall, wo sie mit ihrer Rettungs‑ und Befreiungsmission antritt.

Gleichzeitig legitimiert die Entwicklungspolitik mit Frauenrechten und Frauenempowerment andere Ziele wie die Öffnung von Absatzmärkten oder die Integration in transnationale Wertschöpfung. Armut und Bedarf an Kredit sind auch Rechtfertigungsdiskurse für die Expansion der Mikrofinanz. Diese Instrumentalisierung von Frauenrechten nannte die kanadische Politikwissenschaftlerin Krista Hunt (2007) „embedded feminism“, als die USA ihre militärische Intervention in Afghanistan mit dem Verweis auf Frauenrechte moralisch legitimierten. Übrigens: Auch in Afghanistan, wo Frauen höchst beschränkte Aktions‑ und Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum haben, wurden Mikrokreditprogramme als Vehikel des Empowerments aufgelegt, eben als universelles kontextneutrales Instrument.

Privatisierter Keynesianismus

Die formalisierte, kommerzielle Mikrofinanzindustrie hat das Diktum des Ex-BMZ-Ministers Dirk Niebel, der Mikrokredite 2009 vor Wirtschaftsvertretern ein „urliberales Instrument der Hilfe zur Selbsthilfe“ und ein „kostengünstiges Mittel der Armutsbekämpfung“ nannte, privatwirtschaftlich effizient, d.h. ohne soziale Beschränkungen in die Tat umgesetzt. Die Mikrofinanzindustrie ist für Nationalstaaten und ausländische Geber eine institutionelle Grundlage, um die Privatisierung des öffentlichen Sektors inklusive Daseinsvorsorge, Infrastrukturentwicklung und Armutsbekämpfung voranzutreiben und mehr Aufgaben in die Eigenverantwortung der Betroffenen zu übertragen. Die Mikrokredite entlasten also die bi‑ und multilaterale Entwicklungspolitik wie auch die nationalstaatliche Politik von sozialen Aufgaben, so wie sie Colin Crouch mit dem Diktum vom „privatisierten Keynesianismus“ für die westeuropäischen Sozialstaaten konstatiert hat (Crouch 2009; für die Subprime-Hypothekenkredite: Young 2009).

Auch hier lotete Yunus in Bangladesch Optionen aus, als er eine public private partnership mit dem französischen Wasserversorgungsunternehmen Veolia einging, sodass die Armen mithilfe eines Mikrokredits ihre Wasserleitungen und ‑anschlüsse selbst finanzieren könnten. In Kambodscha boten Mikrofinanzinstitutionen Kredite zur Finanzierung einer eigenen Toilette im Rahmen von „sanitation marketing“ an (Güllemann 2014), in Mumbai Slumbewohner_innen KFW-finanzierte Kredite zum Häuserbau. Der Kredit wird hier zum Mittel der Finanzierung notwendiger Infrastruktur, von Daseinsvorsorge und Gemeinschaftsgütern durch die Bedürftigen selbst weiterentwickelt (Mader 2011). Der „enabling“ Staat im Globalen Süden gibt den Armen Marktinstrumente an die Hand, um die Armut eigeninitiativ zu managen (Lavinas 2013: 7).

Nachdem die geringe armutsreduzierende Wirkung von Mikrokrediten offensichtlich ist, empfehlen Mikrofinanzakteure wie Grassroots Capital Management eine Flexibilisierung des Modells, neue Investitionen und innovative Finanzprodukte wie Kreditkarten und mobiles Geld für die Armen (Luke 2015). Seit einigen Jahren werden Mikroversicherungen – Kranken‑, Lebens‑ und Agrarversicherungen – als nächste Revolution der Armutsbekämpfung gefeiert. Sie werden meist als Social Business von großen Konzernen wie dem Allianz-Konzern in Kooperation mit der GIZ angeboten, die neue Kundengruppen mit spezialisierten Produkten erschließen. Entwicklungspolitisches Ziel ist die Reduktion der Vulnerabilität der Armen, indem sie in Ländern ohne ausreichendes staatliches soziales Sicherungsnetz durch die Versicherung vor Lebensrisiken wie Krankheit, Tod oder Ernteausfall finanziell abgesichert werden sollen. Mikroversicherungen sind ein Angebot an bisher von formalem Versicherungsschutz Exkludierte, Einkommensschwache, informell Arbeitende, sich vor Risiken zu schützen und ihre „Resilienz“ gegen Armut zu stärken. Sie gehen mit niedrigen Prämien in Vorleistung und erhalten im Bedarfsfall geringe Leistungen. Allerdings wirkt dieser sozialpolitische Fortschritt nicht universell, denn Hochrisikogruppen, also die Bedürftigsten werden z.B. bei der Krankenversicherung ausgeschlossen. Mikroversicherungen sind ein weiteres Instrument der Marktinklusion, aber nicht der vertikalen Umverteilung.

Die indische Regierung übertrug den MFIs nach dem Crash der Mikrokredite die Abwicklung einer Krankenversicherung für Menschen unter der Armutsgrenze. Das sollte den krisengeschwächten MFIs eine zusätzliche Geschäftsmöglichkeit eröffnen, ihnen aus der Liquiditätskrise helfen und Vertrauen wiederherstellen. Der Staat zahlt einen festen Betrag für mögliche Behandlungskosten an die MFIs bzw. Mikroversicherungsagenturen. Wie bei den Mikrokrediten geht es aus Rentabilitätsgründen vor allem um Masse, um die Quantität der Inkludierten. Die involvierten Trusts vermelden, dass es sich um ein erfolgreiches „social business modell“ handelt, das doppelte Rendite, finanzielle und soziale in Form von Vertrauen, abwirft.

Die Verschränkung von privaten Konzernen und Entwicklungspolitik wird intensiviert, sodass die Privatisierung der Entwicklungszusammenarbeit Hand in Hand geht mit der Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge. So finanziert der Agrarchemiekonzern Syngenta in Ostafrika Mikrokredite, damit Kleinbäuer_innen sein gentechnisch verändertes Saatgut, Düngemittel und Pestizide kaufen können. Der Preis für das Saatgut enthält einen Versicherungsaufschlag gegen Ernteausfall, und der Konzern erhebt in der Öffentlichkeit den Anspruch aktiver Armuts‑ und Hungerbekämpfung. Entwicklungshilfeorganisationen fungieren als Vermittler zwischen entwicklungspolitischer Rhetorik und Business-Interessen. In den Verlautbarungen der MFIs hat „finanzielle Inklusion“ als Ziel alle entwicklungspolitischen Ziele verdrängt (Sabrow & Mader 2014).

Ausblick

Die Analyse der historischen Veränderungen der Mikrofinanzierung hat gezeigt, dass die marktbasierten Instrumente und kommerziellen Dienstleistungen Armut nicht strukturell bekämpfen, sondern im Rahmen neoliberaler Umstrukturierung neue Prekarität und Armut der nun Inkludierten durch Verschuldung schaffen. Aus einer Geschlechterperspektive ist signifikant, dass der Mikrokreditfluss eine gegenderte Akkumulationsform, wie Christine Keating, Claire Rasmussen und Pooja Rishi (2010) sagen, etabliert und einen neuen Modus sozialer Reproduktion für einkommensschwache Gruppen mit einer weiteren Responsibilisierung der als zuverlässig unterstellten, armen Frauen darstellt.

Gemessen an der Verbreitung der Mikrokredite, der Probleme und der geäußerten Kritik ist Widerstand relativ selten und schwach. Ein Grund ist, dass die Haftungsgruppe die rückzahlungssäumigen Frauen eher abspaltet, als sich zu solidarisieren und gemeinsam gegen die ausbeuterischen Finanzmarktmechanismen zu protestieren. Trotz einiger lokaler Proteste gegen Mikrofinanzinstitute und ihre Geschäftspraktiken wie in Bolivien 2002 durch die feministische Gruppe Mujeres Creando, die No-pago-Bewegung 2009 in Nicaragua und seit 2014 durch die Organisation „Zur Verteidigung von Opfern von Mikrokrediten“ in Marokko wollen die Mehrzahl der Frauen – auch in Indien – neue Kredite, weil sie als Reproduktionsform im Alltag und als Armutsmanagement auf Basis von Geldzirkulation und Konsum normalisiert sind.

Die Entwicklungszusammenarbeit spielt dabei in unauflösbarer Verquickung mit kommerziellen Finanzdienstleistern, mit nationalen neoliberalen Politiken und patriarchalen Geschlechterordnungen eine treibende Rolle für die Umstrukturierung der lokalen Ökonomien, der Produktions‑ und vor allem auch der Reproduktionszusammenhänge. Für den Staat stellt die finanzielle Inklusion eine marktorientierte Entlastungsstruktur dar und ersetzt die öffentliche Daseinsvorsorge. Die soziale Verantwortung für Versorgung und Gemeinwohl geht damit als Ownership im neoliberalen Sinne an die Individuen über.

Nach der großen Desillusionierung über die Armutsreduktionswirkung der Mikrokredite werden neue „innovative“ Instrumente der finanziellen Inklusion erfunden und erprobt, die eine neoliberale Strategie der Verantwortungsübertragung an die Individuen und der Entlastung der nationalen und internationalen Entwicklungs‑ und Sozialpolitik mit der Umstrukturierung der lokalen Ökonomien und der Expansion eines neuen Geschäfts‑ und Gewinnmodells auf den Finanzmärkten verbinden.

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Christa Wichterich
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Bestelladresse: info[at]zeitschrift-peripherie.de



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