"Tropfen im Meer der Revolution": Mirsaid Sultan-Galiew

Jörg Tiedjen in inamo (07.01.2015)

Die Revolutionen vom Februar und Oktober 1917 und das Abkommen von Brest-Litowsk von März 1918 brachten Russland keinen Frieden. Im Gegenteil folgten Jahre eines der grausamsten und verlustreichsten Bürgerkriege überhaupt, angeheizt auch durch Interventionen der früheren Verbündeten. Im Kampf um ihr Überleben versuchte die Führung der neu gegründeten Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), die Muslime des früheren Zarenreichs für sich zu gewinnen. Mit dieser Aufgabe betraut wurde der tatarische Intellektuelle und Aktivist Mirsaid Sultan-Galiew. Er trug nicht nur entscheidend zum Sieg im Bürgerkrieg bei. Mehr noch entwarf er die Vision einer Verbindung von Islam und Kommunismus, die dem Imperialismus des Westens den Boden entziehen sollte. Damit aber stellte Galiew den Führungsanspruch der russischen Kommunisten in Frage und wurde schließlich als nationalistischer Abweichler liquidiert.

 

Mirsaid Sultan-Galiew wurde am 12. Juli 1892 in der kleinen Ortschaft Elembetowo in der Provinz Ufa als Sohn eines Dorfschullehrers geboren. Sein Vater unterrichtete ihn nach dem "Usul Al-Dschadid", der "neuen Methode", einer Schulpädagogik, die auf den Krimtataren Ismail Gasprali zurückgeht und zugleich einer islamischen Erneuerungsbewegung den Namen gab, dem Dschadidismus.

 

Dschadidismus

 

Seit der "Abschüttelung des Tatarenjochs" im 16. Jahrhundert lebten die Muslime Russlands als an den Rand gedrängte und unterdrückte Minderheit. Zwar hatte der Islam ihnen geholfen, eine eigene Identität zu bewahren. Auch lernten muslimische Kinder in den Koranschulen im Unterschied zur breiten Masse der russischen Bevölkerung Grundzüge des Lesens und Schreibens. Gleichzeitig verhinderte aber aus Sicht Gaspralis die Beschränkung auf das Auswendiglernen arabischer Texte, dass die Muslime ihre Isolation überwinden konnten. So gründete er 1883 die Zeitschrift "Terciman" (Übersetzer) und ein Jahr später die erste Schule, die einer modernen Erziehung in der Muttersprache verpflichtet war.

Unter dem Einfluss panislamischer und pantürkischer Ideen, des sogenannten Turanismus, erhob die Dschadid-Bewegung rasch Forderungen nach nationaler Selbstbestimmung, nicht zuletzt nach der gescheiterten Revolution von 1905, als sie eine eigene Partei in der zur Beschwichtigung des Aufruhrs einberufenen, 1907 wieder aufgelöste Staatsduma stellte. In Kasan, der alten Metropole der Wolgatataren, selbst zum Lehrer ausgebildet, begann Galiew 1912, für verschiedene unter dem Einfluss der Dschadidisten entstandene Publikationen zu schreiben und übersetzte Klassiker wie Puschkin oder Lew Tolstoi ins Tatarische.

Abgesehen von der Aufstellung von Freiwilligenverbänden, wurden die Muslime Russlands nach Beginn des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 aufgrund eines Edikts der Zarin Katharina II. nicht zum Militär einberufen. Der Bruch dieses Gesetzes 1916 beschleunigte den Untergang des Zarenreichs, indem die Muslime Zentralasiens bzw. Russisch-Turkestans gegen den Kriegsdienst rebellierten. Über 2.000 Kolonisten verloren ihr Leben, mehr als 80.000 Muslime wurden massakriert. 1917 musste Zar Nikolaus II. nach der durch Hunger und Repressionen ausgelösten Februarrevolution abdanken. Die Macht lag nun in den Händen der Provisorischen Regierung und des Petrograder Arbeiter- und Soldatenrats.

Für die Dschadidisten schien die Stunde gekommen, ihre Forderungen nach Autonomie und einer Vereinigung aller Muslime Russlands durchzusetzen. Auf einem Muslim-Kongress im Mai 1917 in Moskau stellte sich jedoch heraus, dass ein solches Unternehmen an den Differenzen nicht allein zwischen den Muslimen, die im Inneren des Zarenreichs lebten, und denen Zentralasiens oder des Kaukasus scheitern musste. Vielmehr wehrten sich bereits die im Gebiet des südlichen Ural lebenden Baschkiren gegen eine Union mit den benachbarten Tataren der Wolga. Auf diese Weise blieben der auf dem Kongress eingesetzte Allrussische Muslim-Rat (Milli Schuro) und die ebenfalls gegründete Militärorganisation der Muslime (Harbi Schuro), der alsbald 50.000 Soldaten unterstanden, von den vom Dschadidismus beeinflussten Wolgatataren dominiert.

 

Verrat

 

Sultan-Galiew hatte sich zu diesem Zeitpunkt von den Dschadidisten abgewandt und gehörte zu den wenigen Muslimen, die mit den Revolutionären der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) sympathisierten. Mit der Oktoberrevolution 1917 stürzten sie die Provisorische Regierung und übernahmen die Macht. Galiew trat in die SDAPR (B) ein und wurde zu einem Weggefährten Mullanur Wachitows, der Anfang 1918 ins Muslim-Komitee (Muskom) des Volkskommissariats für Nationalitätenfragen (Narkomnats) der RSFSR berufen wurde, dessen Vorsitz Josef Stalin innehatte. Galiew sollte die Parteipolitik im Gebiet Kasan als Volkskommissar und Vorsitzender der Militärkollegiums umsetzen.

Damit geriet er in Konflikt mit den Dschadidisten, die ihm Verrat vorwarfen. In einem im Dezember 1917 in der Zeitung "Kojasch" veröffentlichten Brief entgegnete Galiew:

"Ich fühle mich nicht aus Opportunismus zu den Bolschewiki hingezogen, sondern aus Liebe zu meinem Volk. (…) Ich habe mich ihnen angeschlossen, weil ich von ganzem Herzen glaube, dass ihre Sache die richtige ist. (…) Denn es sind sie, die dem Krieg ein Ende setzen wollen. Nur sie kämpfen darum, dass die Völker ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Nur sie legten offen, wer den Krieg begonnen hat. (…) Sie haben dem britischen Imperialismus den Krieg erklärt, der Indien, Ägypten, Afghanistan, Persien und Arabien unterdrückt. Es sind auch sie, die sich gegen den französischen Imperialismus erheben, der Marokko, Algerien und andere arabische Länder Afrikas unterdrückt. (…) Sie sprachen aus, was noch nie ausgesprochen wurde in der russischen Geschichte. An alle Muslime in Russland und im Osten gewandt, haben sie gesagt, dass Istanbul in die Hände der Muslime gehört. Das taten sie, während die britische Armee Jerusalem besetzte und Juden in aller Welt aufforderte: 'Kommt schnell nach Palästina, wir werden für euch einen europäischen Staat schaffen.'"

Damit spielt er einerseits auf das Kriegsziel des Zarenreichs an, die Kontrolle über den Bosporus zu erlangen, andererseits auf die Balfour-Erklärung von November 1917 und die nachfolgende Veröffentlichung des Sykes-Picot-Abkommens durch die Bolschewiki, in dem Frankreich und Großbritannien den Nahen Osten entgegen früheren Versprechungen unter sich aufteilten und dessen Text den neuen Machthabern in die Hände gefallen war.

 

Bürgerkrieg

 

Um zu untermauern, dass die Bolschewiki die Autonomiebestrebungen der Muslime anerkannten, stellten Wachitow und Galiew auf einer Konferenz der muslimischen Arbeiter Russlands im März 1918 einen Plan für eine tatarisch-baschkirische Sowjetrepublik vor, deren Grenzen weit über die schließlich verwirklichten Autonomen Republiken Tatarstan und Baschkirokortostan hinausgingen. Gleichzeitig stürzte Russland in einen fünf Jahre dauernden Bürgerkrieg mit geschätzten 9 Millionen Toten – dreimal so viele wie im Ersten Weltkrieg. Vorerst erklärte sich der Harbi Schuro für neutral. Das konnte nicht verhindern, dass die Muslime in die Kämpfe hineingezogen wurden. Ein großer Teil schloss sich als Russisch-muslimische demokratische Front den sogenannten Weißen an, die durch ausländische Interventionen unterstützt wurden, eben jener Kolonialmächte, die gerade erst ihre Glaubensbrüder im Nahen Osten verraten hatten. Turkestan, mehrere Kaukasus-Regionen und -Länder erklärten sich für unabhängig, wurden aber zurückerobert. Aserbaidschan war in den Jahren 1918–20 die erste international anerkannte islamische Republik überhaupt – und eines der ersten Länder der Welt mit Frauenwahlrecht. Nur wenige Muslime kämpften anfangs in den Reihen der Roten Armee, darunter das "Regiment Gottes" der Sekte der salafistischen Waisiten.

Bis weit in das Jahr 1919 hinein war das Überleben der RSFSR alles andere als gewiss. Eine unerwartete Gefahr war die tschechoslowakische Legion, die bis zum Friedensschluss von Brest-Litowsk an der Seite Russlands gegen die Mittelmächte gekämpft hatte. Darauf sollten die circa 90.000 Soldaten mit der transsibirischen Eisenbahn und über Nordamerika an die Westfront verlegt werden. Im Ural kam es zum Konflikt mit der Roten Armee, so dass die Legion zu einer weiteren Interventionsstreitmacht auf Seiten der Weißen wurde. Als sie im Sommer 1918 Kasan angriff, war Sultan-Galiew an der Seite Mullanur Wachitows für die Verteidigung zuständig. Es gelang den Tschechoslowaken, die Stadt einzunehmen. Wachitow wurde gefangengenommen und exekutiert. Das war jedoch ein Pyrrhussieg für die Elitetruppe der Entente, die nun, weit abgeschlagen im Feindesland, von der Roten Armee eingekesselt zu werden drohte, so dass ihr nichts anderes als der Rückzug blieb.

Im Februar 1919 reiste Galiew nach Ufa. Jenseits des Urals hatte ein von Großbritannien eingefädelter Putsch den früheren Befehlshaber der Schwarzmeerflotte, Vizeadmiral Alexander Koltschak, an die Spitze einer "sibirischen Regierung" gebracht. Koltschak ernannte sich zum Admiral, errichtete ein Terrorregime und beanspruchte das Oberkommando über die verschiedenen weißen Bürgerkriegsarmeen.

Allerdings machten die Weißen keinen Hehl daraus, dass die Muslime Russlands von ihnen nichts zu erwarten hatten. Galiew überredete Zeki Walidi, den Anführer der mit Koltschak verbündeten Baschkiren, gegen das Versprechen einer baschkirischen Autonomie die Seiten zu wechseln. Zudem konnte er immer mehr frühere Einheiten des Harbi Schuro in die Rote Armee integrieren. Schließlich kehrten auch die zentralasiatischen Truppen Koltschak den Rücken. Als dieser im April Kasan angriff, wurde er von den Tataren zurückgeschlagen. Vor dem Hintergrund dieses Erfolgs forderte Galiew, der Rat der Volkskommissare möge mehr Muslime in höhere Ämter befördern, als Beweis, dass sie es ernst meinten mit ihren Versprechen von Gleichberechtigung und Autonomie. Ebenfalls an den Muslimen scheiterte 1919 der Vorstoß des weißen Generalleutnants Anton Denikin auf Moskau. Dem Warlord, der für die Ermordung von Zehntausenden Juden in der von deutschen Gnaden gegründeten Ukraine mitverantwortlich war, fielen Unabhängigkeitskämpfer aus dem Kaukasus in den Rücken.

 

Entscheidung im Osten

 

Die Führung der SDAPR (B) erwartete nicht, wie Galiew, von den Muslimen die Rettung der Revolution – sondern von Deutschland und Ungarn. Während Galiew der Überzeugung war, dass die Zukunft sich in Asien entscheiden würde, war Lenin damit beschäftigt, ideologische Differenzen mit den Austromarxisten auszufechten. Diese Vernachlässigung der Muslime war aus der Sicht Galiews dem "russischen Chauvinismus" geschuldet, den er bei den Bolschewiki nach wie vor am Werk sah. 1919 schrieb er in "Die soziale Revolution und der Osten":

"Die Revolution hatte die falsche Stoßrichtung. Was, wenn man es isoliert betrachtet, als bedeutsam erschien, ist im Gesamtbild bedeutungslos: die Spartakisten in Deutschland, die Revolution in Ungarn. (…) Die Ausweitung der Oktober- in eine Weltrevolution wurde einzig als Übertragung der russischen revolutionären Energie auf den Westen aufgefasst (…). Aber der Osten mit seinen anderthalb Milliarden Menschen, die von der europäischen Bourgeoisie unterdrückt werden, wurde fast völlig außer Acht gelassen. Der Strom des internationalen Klassenkampfs umging also den Orient, und das Problem einer Revolution dort existierte nur in den Köpfen einiger weniger, die sich wie Tropfen im überbordenden Meer der Revolution verloren. (…) Aber der Untergang der Spartakisten und der ungarischen Revolution zwingt uns zuzugestehen, dass die soziale Revolution niemals gewinnen wird ohne die Einbeziehung des Ostens. (…) Indem wir im Kampf gegen den Imperialismus allein auf das europäische Proletariat setzten, überließen wir jenem im Osten vollkommen freie Hand."

Ganz im Sinne dieser Analyse plädierte Galiew im November 1919 in einer "Resolution über die Frage des Ostens" dafür, alle nationalen Befreiungsbewegungen zu unterstützen, die sich dem Imperialismus entgegenstellten. Auf den Vorwurf, im Grunde nichts weiter als die von den Dschadidisten vertretene pantürkische Idee zu vertreten, antwortete er:

"Aber was wäre so schlimm daran vom Standpunkt der sozialistischen Weltrevolution aus? Es wäre schlimm für den russischen Nationalismus, es wäre schlimm für den westeuropäischen Kapitalismus, aber es wäre nicht schlimm für die Revolution, denn es wäre ein radikales Mittel, den kolonisierten Osten aufzurütteln, und vor allem den Teil von ihm, in dem der britische Imperialismus sein Nest aufgeschlagen hat."

Galiew attackierte die Grundfesten leninistischer Theorie, nämlich die Auffassung vom Industrieproletariat als dem Träger der Revolution und von der Partei als deren Avantgarde. Er war der Ansicht, dass die industrielle Produktion selbst den Imperialismus hervorbringe und bisher lediglich eine westliche Bourgeoisie durch ein westliches Proletariat ersetzt worden war, das nun die Unterdrückung der Kolonialvölker fortsetzte. Der Islam als die jüngste aller Weltreligionen sei aber so tief im Denken seiner Anhänger verwurzelt, dass ihn Angriffe nur stärkten. Er forderte, auf alle Polemik gegen den Islam zu verzichten, die Kritik an ihm kommunistischen Muslimen selbst zu überlassen, russische Siedler in muslimischen Gebieten zu repatriieren und auch eine eigene muslimische kommunistische Partei zu gründen. Kurzum: Galiew wollte, dass die Muslime die Möglichkeit haben, eigenständig einen Kommunismus zu entwickeln, der frei ist vom Imperialismus der Europäer.

 

Das fehlende Bindeglied

 

Zwar wurde Galiew 1920 ins Muslim-Komitee des Narkomnats berufen. Zugleich nannte er aber später 1920 als das Jahr, in dem er das Vertrauen der Parteiführung verlor, war er doch dazu übergegangen, die Verwirklichung seiner unorthodoxen Vision vom Kommunismus auf eigene Faust voranzutreiben, wobei er Kontakte knüpfte zu Kommunisten weit über Russland hinaus.

Unterdessen wurde der Vormarsch der Roten Armee im Westen vor Warschau zurückgedrängt. Die Kriegsanstrengungen konzentrierten sich seitdem auf die Rückeroberung des Fernen Ostens und Zentralasiens. Dort versuchte der frühere osmanische Kriegsminister Enver Pascha, einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern, an der Spitze der sogenannten Basmatschi (übersetzt "Banditen"), die aus der Revolte gegen das Zarenreich 1916 hervorgegangen waren, ein neues, gesamttürkisches Kalifat zu errichten, das seinen Vorstellungen zufolge von Kleinasien bis China reichen sollte. Er fiel aber 1922 im Kampf gegen die Rote Armee.

Am 4. Mai 1923 wurde Sultan-Galiew als vermeintlicher Anhänger eben der von Enver Pascha propagierten pantürkischen Idee verhaftet. Zuvor hatte der Geheimdienst GPU Briefe Galiews abgefangen. Im März warnte ihn Stalin, dass diese in einer Sprache geschrieben seien "wie von einem Weißen" und den Eindruck erweckten, er wolle eine eigene Organisationsstruktur außerhalb der Partei aufbauen. Darauf schrieb Galiew einen weiteren, obendrein verschlüsselten Brief, der aber ebenfalls in die Hände des GPU geriet – mit einer Botschaft an Zeki Walidi, der 1919 zur Roten Armee übergelaufen war, sich aber ein Jahr später den Basmatschi angeschlossen hatte, nachdem er erkannt hatte, dass auch die Bolschewiki ihre Versprechen gegenüber den Muslimen nicht halten würden.

Während der Haft schrieb Galiew:

"Ich war nie ein Nationalist und werde niemals einer sein. (…) Ich hatte auch nie eine solche 'Organisation'. Es gab eine Gruppe von Genossen, wir waren verbunden durch die gemeinsame Arbeit während der Revolution und gleiche Ansichten über nationale und koloniale Fragen. Aber wir haben nie gedacht, dass wir eine separate Organisation neben der KP wären, gegen die wir auch nie 'kämpfen' wollten. Wenn wir für etwas 'kämpften', dann ging es nur darum, die Sowjetmacht im fernen Osten zu festigen, wo die Gefahr bestand, dass die ultralinke Tendenz unterentwickelte Bevölkerungen von der Partei und den Sowjets entfremden würde."

Für Galiew war der Basmatschi-Aufstand in Russich-Turkestan, das schließlich entlang "kultureller" Grenzen zerstückelt wurde, Folge einer falschen Nationalitätenpolitik. Auf einer Sitzung der Volkskommissare vom 9. bis 12. Juni verteidigten ihn Stalin und Leo Trotzki gegen Forderungen, als Vertreter der nationalistischen Verirrung des nach ihm benannten "Sultangaliewismus" hingerichtet zu werden. Er wurde aus der Partei ausgeschlossen, aber freigelassen.

1928 wurde Galiew erneut verhaftet und diesmal zum Tode verurteilt. 1931 wurde das Urteil in Zwangsarbeit in der Strafkolonie von Solowki umgewandelt. 1934 wurde ihm erlaubt, in Saratow zu leben. Schon drei Jahre später wurde er ein letztes Mal festgenommen, musste "bereuen", was ihn jedoch nicht vor einem weiteren Todesurteil bewahrte. Am Morgen des 28. Januar 1940 wurde Galiew im Gefängnis Lefortowo in Moskau erschossen.

Über Jahrzehnte nahezu ein Vergessener, werden sein Leben und Werk heute, nach der Niederschlagung des "arabischen Frühlings", als schmerzlich vermisstes Bindeglied zwischen Islam und Revolution wiederentdeckt.

 

Mark R. Baker, Did He Really Do It? Mirsaid Sultan-Galiev, Party Disloyalty, and the 1923 Affair (2014, im Internet)

Alexandre Bennigsen – Chantal Lemercier-Quelquejay, Sultan Galiev. Le père de la révolution tiers-mondiste (1986) Paris

Gabriele Bucher-Dinç, Die Mittlere Wolga im Widerstreit sowjetischer und nationaler Ideologien (1917–1920) (1997) Wiesbaden

Maxime Rodinson, Sultan Galiev – a forgotten precursor. Socialism and the National Question (1961, im Internet)