Landnahme in Afrika

Ama Biney in Luxemburg (18.03.2010)
Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert die Welt in der Lage wäre, alle Menschen zu ernähren, und doch die Mehrheit der Menschen in Afrika und dem Rest des Globalen Südens hungert, während im Westen Fettleibigkeit um sich greift? Weshalb können reiche Staaten zu einer neuerlichen »Landnahme« in Afrika ansetzen? Die ungleiche Verteilung und Kontrolle des Reichtums und Eigentums, das in nur wenigen Händen liegt, beantwortet die erste Frage. Die Antwort auf die zweite Frage hängt mit der ersten zusammen: Der Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide im Jahr 2008 führte zu Aufständen in über 20 Ländern, darunter Haiti, Senegal, Ägypten und Kamerun. Schwankende Lebensmittelpreise und Spekulationen an den internationalen Rohstoffmärkten haben die Entwicklung verstärkt. Die Erzeugerländer erließen Ausfuhrbeschränkungen für Grundnahrungsmittel und erhoben Ausfuhrzölle. Die Situation der Nahrungsmittelversorgung eskalierte daraufhin. Die Golfstaaten - Saudi Arabien, Bahrain, Oman, Katar - stellten fest, dass sie sich bei der Frage der Ernährung ihrer Bevölkerung nicht länger auf regionale und globale Märkte verlassen können und begannen, sich in Afrika Land anzueignen. Sie sind Pioniere eines neuen Agrar-Kolonialismus zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung der eigenen Bevölkerung. Hinzu kommt die Unfähigkeit im Umgang mit Umweltveränderungen, etwa dem Klimawandel, der vielerorts zu Wasserknappheit und Dürre geführt hat. Diese globalen Entwicklungen haben dazu geführt, dass Länder wie China, Südkorea, Saudi Arabien und Kuwait, die über keinerlei oder nur wenig Ackerland verfügen, versuchen, Landwirtschaftsinvestitionen in Afrika zu tätigen. Länder wie Katar, Bahrain, Indien, Schweden, Libyen, Brasilien, Russland und die Ukraine gesellen sich ihnen zu. Geopolitisch werden Nahrungsmittel zu einer heiß begehrten Ware werden, wie das Rohöl. Angesichts eines geschätzten Anstiegs der Weltbevölkerung auf neun Milliarden im Jahr 2050 müssen die Erzeugung von Nahrungsmitteln, der Konsum durch die reichen Länder und das Zurückdrängen umweltzerstörerischer Einflüsse in globaler Perspektive verändert werden. Andernfalls wird in den kommenden Jahren die Nahrungsmittelkrise katastrophale Ausmaße annehmen.

Reine Panikmache?

In westlichen Medien wird mit Schlagzeilen auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht1 und sie wird als »neo-koloniales System« interpretiert (Jacques Diouf, Leiter der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, FAO). »Dies könnte eine Win-win-Situation sein oder eine Art ›Neo-Kolonialismus‹ mit desaströsen Auswirkungen für einige der beteiligten Länder. Die Gefahr besteht, dass die Gastländer, in denen der Anbau stattfindet, insbesondere wenn sie sich in einer politisch heiklen Lage befinden oder Nahrungsmittelknappheit herrscht, die Kontrolle über ihre eigene Nahrungsmittelversorgung genau dann verlieren, wenn sie sie am dringendsten brauchen.« (David Hallam, stellvertretender Direktor der FAO) Tatsächlich haben in den letzten Jahren Ghana, Äthiopien, Mali, Tansania, Kenia und Sudan mehrere Millionen Hektar Ackerland für die Produktion von Biotreibstoffen und Agrarwirtschaft an andere Staaten verpachtet. Für und Wider der Landkäufe im großen Stil diskutiert ein Bericht, den die FAO zusammen mit dem Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED) und dem Internationalen Fond für Agrarentwicklung (IFAD) im Juni 2009 vorgestellt haben: »Landnahme oder Entwicklungschancen? « Die Autoren vertreten, dass nicht die Investition in ausländische Agrarbetriebe neu sei, sondern das Ausmaß der Geschäfte mit Agrarland (Vgl. The Economist, 21.5.2009). Der in Washington D. C. ansässige Think-tank International Food Policy Research Institute (IFPRI) schätzt deren Geschäftsvolumen auf 20 bis 30 Mio. US-Dollar. Das betrifft etwa 15 bis 20 Mio. Hektar Agrarfläche in armen Ländern Afrikas, Kambodschas, Pakistans und auf den Philippinen. Laut FAO-Bericht sind solche Großgeschäfte möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Zweieinhalb Millionen Hektar Anbaufläche in fünf Subsahara-Staaten wurden bereits zu einem Preis von 920 Mio. US-Dollar (620 Mio. Euro) verkauft oder verpachtet. Ein weiteres wichtiges Merkmal der Landaufkäufe ist die Konzentration auf die Erzeugung von Grundnahrungsmitteln oder Biokraftstoffe. Im Jahr 2002 unterzeichnete etwa der Sudan ein Sonderabkommen über Agrarinvestitionen mit Syrien. Dazu gehört u.a. ein Pachtvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Laut Bericht der FAO kaufte die saudische Firma Hadco 25000 Hektar Anbaufläche in Sudan mit Geldern, die zu 60 Prozent aus dem Saudi Industrial Development Fund der saudischen Regierung stammen (FAO 2009, 39). In Äthiopien hat die Regierung unter Meles Zenawi ein Geschäft über 100 Mio. Dollar abgeschlossen, das Saudi Arabien ermöglicht, in Äthiopien Gerste und Weizen anzubauen. Schließlich sind die Investitionen in der Vergangenheit durch private Investoren getätigt worden, während viele der neuen Geschäfte zwischen Regierungen getätigt werden. In Kambodscha etwa verpachtete die Regierung im August 2008 Land an kuwaitische Investoren. Im selben Jahr gründeten die Regierungen Sudans und Katars ein Joint- Venture im Sudan. Das Land wird in der Regel verpachtet oder mittels Konzessionen zugänglich gemacht, manchmal auch verkauft. Zu der Unübersichtlichkeit dieser Bodengeschäfte kommt hinzu, dass es kein einzelnes, vorherrschendes Modell für die Finanz- und Eigentumsverhältnisse gibt, sondern eine Vielzahl lokal besonderer Vereinbarungen zwischen Regierungen und Privatwirtschaft (ebd. 35).

Gewinne für alle?

Der FAO-Bericht versucht, sich zwischen dem Anpreisen der Vorteile dieser Land-Geschäfte und ihrer Kritik durchzulavieren. Die ärmeren Länder könnten wirtschaftlich profitieren und ihren Lebensstandard verbessern, zugleich bestehe für die verarmten Bevölkerungsteile die Gefahr, dass sie von lebensnotwendigen Ressourcen abgeschnitten würden. Die Umweltkosten, die intensive Bodennutzung mit sich bringt - ausgelaugte Böden, ausgetrocknete Wasserläufe und durch chemische Verunreinigung zerstörte Ökosysteme -, tauchen in den Geschäftskalkulationen bisher nicht auf. Diese Rechnung wird das Gastgeberland begleichen müssen - nicht anders als bei den Umweltzerstörungen, die die Ausbeutung durch die britisch-niederländische Shell im Niger-Delta Nigerias hinterlassen hat. Vandana Shiva, Leiterin der Research Foundation for Science, Technology and Ecology in Indien, stellt die momentane Begeisterung des Westens für Biokraftstoffe in Frage. Sie benötigen nicht nur Millionen Hektar Anbaufläche, sondern sind verantwortlich für den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den Jahren 2007 und 2008. Die Erzeugung von Biokraftstoffen zwinge viele Bauern dazu, etwa den Anbau von Jatropha - die Pflanze enthält ölhaltige Samen, mit denen Biodiesel hergestellt werden kann - auf Feldern zu betreiben, die sie eigentlich für den Anbau von Nahrungsmitteln nutzen (Future of Food). In der zentralindischen Region Chattisgarh wurden Jatropha-Felder von Dorfbewohnern zerstört. Eine der festgenommenen Frauen sagte: »Wir können es nicht essen. Wir können es nicht verbrennen, wir können es für überhaupt nichts benutzen. Die Armen müssen ihren Lebensunterhalt vom Acker holen können. Jatropha ist nur als Treibstoff nützlich. Und wir haben kein Auto, unsere Tiere sterben, wenn sie Jatrophy essen« (ebd.). Walden Bello weist darauf hin, dass viele afrikanische Staaten zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit ihren Nahrungsmittelbedarf selbst decken konnten und Nahrungsmittel exportierten (2008). Diese Situation hat sich dramatisch gewandelt. Die Strukturanpassungsprogramme, die in den 1980er und 1990er Jahren vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank durchgesetzt wurden, haben zur Zerstörung der afrikanischen Agrarwirtschaft beigetragen. Die afrikanischen Regierungen wurden gezwungen, Kontroll- und Unterstützungsmechanismen der Landwirtschaft zu kappen und sie mussten »die Preiskontrolle für Dünger aufheben. Gleichzeitig führte der Abbau von Landwirtschaftskrediten nur dazu, dass es weniger Anträge, geringere Erträge und weniger Investitionen gab« (ebd.). IWF und Weltbank behaupteten beharrlich, dass ihre Politik zu ausländischen Direktinvestitionen führen würde. Aber das Zurückziehen des Staates schreckte private Investitionen eher ab. Strukturanpassungen bedeuten nicht nur den Rückzug aus staatlichen Investitionen, sondern den Abbau des Staates. Mit dem Verweis auf ausländischer Direktinvestitionen laden afrikanische Regierungen reiche Länder ein, Agrarflächen in ihren Staaten zu kaufen. Bereits zuvor waren Bauern in Afrika gezwungen, die Feldfrüchte anzubauen, die der Markt verlangte. Sie verschulden sich, um Landwirtschaftsmaschinen oder Samen und Dünger kaufen zu können, oder sie geben den Anbau auf und suchen in städtischen Regionen nach anderen Möglichkeiten der Lebensgewinnung. Die politischen und wirtschaftlichen Risiken dieser Geschäfte mit Anbauflächen sind enorm. Das Machtungleichgewicht der Geschäfte gefährdet den Lebensunterhalt der Armen. Der ausländische Investor verfügt über die Macht des Geldes, die lokalen und die Regierungseliten zu kaufen. Auf diesem Weg werden Kleinbauern legal zugrunde gerichtet, umgesiedelt, wenn nicht enteignet und ihres Landes beraubt. »Die Verhandlungsmacht bei der Aushandlung dieser Vereinbarungen liegt auf Seiten des ausländischen Investors, vor allem dann, wenn seine Bestrebungen von den Eliten des Gastgeberlandes unterstützt werden« (Ruth Meinzen-Dick, www.ifpri.org). Die Kleinbauern verfügen oft nur über geringe formale Bildung und verstehen die weit reichenden Implikationen des Kleingedruckten in den Verträgen nicht. Zudem haben viele afrikanische Bauern formal nicht das Recht, den von ihnen genutzten Boden zu bebauen und werden einfach vertrieben, damit der Investor sein Vorhaben realisieren kann. Anders als die afrikanischen Häuptlinge der Kolonialzeit unterschreiben Staatschefs wie Meles Zenawi und Omar Bashir die Verträge nach reiflicher Überlegung und mit Kalkül. Das »Outsourcing« afrikanischer Böden und Anbauflächen ist ein zutiefst negativer Aspekt der Globalisierung. Es ist notwendig, dass wir unsere Staatsführungen davon abhalten, uns freiwillig wieder in eine Kolonie zu verwandeln und die Ressourcen Afrikas zu rekolonisieren. Die Europäische Union zahlte im Jahr 2008 125 Mio. Pfund (138 Mio. Euro) an Entwicklungsländer, damit moderne europäische Flotten in deren Gewässern fischen dürften. Seit Jahren haben Trawler aus der ganzen Welt vor der Küste Senegals gefischt, einige legal, einige illegal. Jedes Jahr werden etwa 25000 Tonnen Fisch in die EU exportiert. Viele große Trawler fahren unter senegalesischer Fahne. Moussa Faye von Actionaid, einer Kampagne gegen die Überfischung, kritisiert dies als Betrug an der senegalesischen Regierung und dem senegalesischen Volk. Tatsächlich handele es sich um europäische Unternehmen, die den Fisch exportieren, um Profit zu machen. Fisch ist die Hauptquelle tierischen Eiweißes für die örtliche Bevölkerung. Wenn er exportiert wird, müssen Menschen, die Fleisch nicht bezahlen können, auf tierische Eiweiße verzichten. Mangelernährung ist die Folge.3 Zu Zeiten des Sklavenhandels und der kolonialen Ära in Afrika gelang es den europäischen Nationen, ein stillschweigendes Abkommen mit ihren Arbeiterklassen aufrechtzuerhalten: Die herrschende Klasse würde das Ausmaß an Hunger und Entbehrung so gering wie möglich halten, indem sie dafür sorgte, dass eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln vorhanden war. Diese Abkommen wurde in der Neuen Welt auf dem Rücken von Millionen afrikanischer Sklaven ausgetragen und in den afrikanischen Kolonien dem der kolonialisierten Subjekte, die preiswerten Zucker, Tee, Baumwolle, Gummi, Zinn und Palmöl für den Export in die Metropolen der Kolonialmächte erzeugten. Ähnliches geschieht heute: Wie damals dienen billiger Zucker und andere Agrarerzeugnisse dazu, die Körper der europäischen Arbeiter zu befriedigen und zu befrieden. Angesicht der Aufstände, die von 2007 bis 2008 stattfanden, spielt die Flut der neuen Landaufkäufe dieselbe Rolle. Sie dienen der Ruhigstellung der aufständischen Bürger auf Kosten der afrikanischen Armen und insbesondere der afrikanischen Bauerngemeinden. Wer wird in dieser Situation die Hungernden Afrikas versorgen?

Was muss getan werden?

Vor kurzem zeigten madagassische Bauern den Bauern der Welt, was zu tun ist. Als bekannt wurde, dass die Regierung einen Pachtvertrag mit Daewoo Logistic abgeschlossen hatte, der dem südkoreanischen Autokonzern für 99 Jahre das Recht auf die Nutzung von 1,3 Mio. Hektar Anbaufläche in Ost- und Westmadagaskar garantiert, wurde die Regierung gestürzt. Der madagassische Bauernverband (Fekritana) mobilisierte seine Mitglieder zum Widerstand gegen diesen Vertrag. In der Verpachtung von Feldern sahen sie die Interessen Madagaskars verletzt. Rihatiana Rasonarivo von Fekritana forderte, dass die Regierung zuerst den Bauern Land zur Verfügung stellt. Ähnliches spielte sich auf den Philippinen ab. Der Politiker Rafael Mariano, der die philippinischen Bauern vertritt, brachte eine Resolution ein, in der er eine sofortige Untersuchung der »großen ausländischen Landnahme« forderte. Für die Philippinen sei es die größte Dummheit, zum Nutzen der Nahrungsmittelsicherung anderer Nationen die eigenen Agrarflächen zur Ware zu machen, während es selbst auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen sei. Auch die Kampagne der militanten Bauernkoalition Asien (APC) und der Internationalen Liga einer asienweiten Bauernkarawane für Land und Lebensunterhalt fanden in westlichen Medien und in Afrika nur wenig Aufmerksamkeit. Von Juli bis November 2009 zog sie durch zehn asiatische Länder, unter dem Motto: »Stoppt die weltweiten Landnahmen. Kampf für allgemeine Landreform und Nahrungsmittelsouveränität für alle Menschen.« Diese Graswurzelbewegung will Aufmerksamkeit für die Notlage armer Bauern schaffen, deren Lebensverhältnisse durch neoliberale Politik und transnationale Unternehmen rapide verschlechtert wurden. Zu den Zielen der Bewegung gehört, Siege der Bauern, Erfolge in den Kämpfen um Landreformen bekannt zu machen und auf diese Weise einen Agrarwandel zu erzielen, der im Interesse der asiatischen Bauern ist. Um die nötigen Handlungsschritte auf die Agenda zu setzen, bedarf es vieler Initiativen und der Öffnung neuer Kampffelder. Erstens müssen afrikanische Regierungen der ausreichenden Versorgung der eigenen Bevölkerungen mit Nahrungsmitteln den höchsten Stellenwert beimessen. Agrarinvestitionen sind eine Notwendigkeit und erste Priorität. Die Unterstützung von Kleinbauern bei der Erzielung größerer Erträge ist notwendig, um dem Hunger in Städten und auf dem Land Einhalt zu gebieten. Zweitens muss die Zivilgesellschaft unter Beteiligung von afrikanischen Bauernverbänden und Kooperativen die lokale Bevölkerung und Kleinbauern darüber aufklären, dass Landverkäufe nicht in ihrem Interesse sind. Drittens müssen die Erfahrungen wie die der madagassischen Bauern oder der asiatischen Bauernkoalition an andere Bauerngewerkschaften des Globalen Südens weitergegeben werden, nicht nur im Sinne der Solidarität, sondern als konkrete Beweise dafür, dass im gemeinsamen Kampf gegen Landverkäufe Veränderungen möglich sind. Schließlich müssen wir für das Recht kämpfen, dass afrikanische Menschen über Anbauflächen und andere wichtige Ressourcen Kontrolle erhalten.

Aus dem Englischen von Catharina Schmalstieg

Der Originaltext ist erschienen auf  www.pambazuka.org/en/category/features/58809

Literatur

Bello, Walden, 2008: Destroying African Agriculture, in: Global Research, 5.6.2008, www.globalresearch.ca

Fanon, Frantz, 1966: Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt/M

FAO, 2009: Land Grab or Development Opportunity? Agricultural Investment and International land Deals in Africa. London/Rom, ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/011/ ak241e/ak241e.pdf Future of Food, British Broadcasting Corporation, Channel BBC2 documentary, presented by George Alagiah, 24.8.2009

Patel, Raj, 2007: Stuffed and Starved: Markets, Power and the Hidden Battle for the World's Food System. Portobello

P. Sainath, The Largest Wave of Suicides in History, in: CounterPunch, 12.2.2009, www.counterpunch.org/ sainath02122009.html  1 Vgl. The Guardian, 3.7.2009; BBC: http://news.bbc. co.uk/go/pr/fr/-/1/hi/business/8150241.stm

Landnahme in Afrika

Ama Biney

Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert die Welt in der Lage wäre, alle Menschen zu ernähren, und doch die Mehrheit der Menschen in Afrika und dem Rest des Globalen Südens hungert, während im Westen Fettleibigkeit um sich greift? Weshalb können reiche Staaten zu einer neuerlichen »Landnahme« in Afrika ansetzen? Die ungleiche Verteilung und Kontrolle des Reichtums und Eigentums, das in nur wenigen Händen liegt, beantwortet die erste Frage. Die Antwort auf die zweite Frage hängt mit der ersten zusammen: Der Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide im Jahr 2008 führte zu Aufständen in über 20 Ländern, darunter Haiti, Senegal, Ägypten und Kamerun. Schwankende Lebensmittelpreise und Spekulationen an den internationalen Rohstoffmärkten haben die Entwicklung verstärkt. Die Erzeugerländer erließen Ausfuhrbeschränkungen für Grundnahrungsmittel und erhoben Ausfuhrzölle. Die Situation der Nahrungsmittelversorgung eskalierte daraufhin. Die Golfstaaten - Saudi Arabien, Bahrain, Oman, Katar - stellten fest, dass sie sich bei der Frage der Ernährung ihrer Bevölkerung nicht länger auf regionale und globale Märkte verlassen können und begannen, sich in Afrika Land anzueignen. Sie sind Pioniere eines neuen Agrar-Kolonialismus zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung der eigenen Bevölkerung. Hinzu kommt die Unfähigkeit im Umgang mit Umweltveränderungen, etwa dem Klimawandel, der vielerorts zu Wasserknappheit und Dürre geführt hat. Diese globalen Entwicklungen haben dazu geführt, dass Länder wie China, Südkorea, Saudi Arabien und Kuwait, die über keinerlei oder nur wenig Ackerland verfügen, versuchen, Landwirtschaftsinvestitionen in Afrika zu tätigen. Länder wie Katar, Bahrain, Indien, Schweden, Libyen, Brasilien, Russland und die Ukraine gesellen sich ihnen zu. Geopolitisch werden Nahrungsmittel zu einer heiß begehrten Ware werden, wie das Rohöl. Angesichts eines geschätzten Anstiegs der Weltbevölkerung auf neun Milliarden im Jahr 2050 müssen die Erzeugung von Nahrungsmitteln, der Konsum durch die reichen Länder und das Zurückdrängen umweltzerstörerischer Einflüsse in globaler Perspektive verändert werden. Andernfalls wird in den kommenden Jahren die Nahrungsmittelkrise katastrophale Ausmaße annehmen.

Reine Panikmache?

In westlichen Medien wird mit Schlagzeilen auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht1 und sie wird als »neo-koloniales System« interpretiert (Jacques Diouf, Leiter der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, FAO). »Dies könnte eine Win-win-Situation sein oder eine Art ›Neo-Kolonialismus‹ mit desaströsen Auswirkungen für einige der beteiligten Länder. Die Gefahr besteht, dass die Gastländer, in denen der Anbau stattfindet, insbesondere wenn sie sich in einer politisch heiklen Lage befinden oder Nahrungsmittelknappheit herrscht, die Kontrolle über ihre eigene Nahrungsmittelversorgung genau dann verlieren, wenn sie sie am dringendsten brauchen.« (David Hallam, stellvertretender Direktor der FAO) Tatsächlich haben in den letzten Jahren Ghana, Äthiopien, Mali, Tansania, Kenia und Sudan mehrere Millionen Hektar Ackerland für die Produktion von Biotreibstoffen und Agrarwirtschaft an andere Staaten verpachtet. Für und Wider der Landkäufe im großen Stil diskutiert ein Bericht, den die FAO zusammen mit dem Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED) und dem Internationalen Fond für Agrarentwicklung (IFAD) im Juni 2009 vorgestellt haben: »Landnahme oder Entwicklungschancen? « Die Autoren vertreten, dass nicht die Investition in ausländische Agrarbetriebe neu sei, sondern das Ausmaß der Geschäfte mit Agrarland (Vgl. The Economist, 21.5.2009). Der in Washington D. C. ansässige Think-tank International Food Policy Research Institute (IFPRI) schätzt deren Geschäftsvolumen auf 20 bis 30 Mio. US-Dollar. Das betrifft etwa 15 bis 20 Mio. Hektar Agrarfläche in armen Ländern Afrikas, Kambodschas, Pakistans und auf den Philippinen. Laut FAO-Bericht sind solche Großgeschäfte möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Zweieinhalb Millionen Hektar Anbaufläche in fünf Subsahara-Staaten wurden bereits zu einem Preis von 920 Mio. US-Dollar (620 Mio. Euro) verkauft oder verpachtet. Ein weiteres wichtiges Merkmal der Landaufkäufe ist die Konzentration auf die Erzeugung von Grundnahrungsmitteln oder Biokraftstoffe. Im Jahr 2002 unterzeichnete etwa der Sudan ein Sonderabkommen über Agrarinvestitionen mit Syrien. Dazu gehört u.a. ein Pachtvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Laut Bericht der FAO kaufte die saudische Firma Hadco 25000 Hektar Anbaufläche in Sudan mit Geldern, die zu 60 Prozent aus dem Saudi Industrial Development Fund der saudischen Regierung stammen (FAO 2009, 39). In Äthiopien hat die Regierung unter Meles Zenawi ein Geschäft über 100 Mio. Dollar abgeschlossen, das Saudi Arabien ermöglicht, in Äthiopien Gerste und Weizen anzubauen. Schließlich sind die Investitionen in der Vergangenheit durch private Investoren getätigt worden, während viele der neuen Geschäfte zwischen Regierungen getätigt werden. In Kambodscha etwa verpachtete die Regierung im August 2008 Land an kuwaitische Investoren. Im selben Jahr gründeten die Regierungen Sudans und Katars ein Joint- Venture im Sudan. Das Land wird in der Regel verpachtet oder mittels Konzessionen zugänglich gemacht, manchmal auch verkauft. Zu der Unübersichtlichkeit dieser Bodengeschäfte kommt hinzu, dass es kein einzelnes, vorherrschendes Modell für die Finanz- und Eigentumsverhältnisse gibt, sondern eine Vielzahl lokal besonderer Vereinbarungen zwischen Regierungen und Privatwirtschaft (ebd. 35).

Gewinne für alle?

Der FAO-Bericht versucht, sich zwischen dem Anpreisen der Vorteile dieser Land-Geschäfte und ihrer Kritik durchzulavieren. Die ärmeren Länder könnten wirtschaftlich profitieren und ihren Lebensstandard verbessern, zugleich bestehe für die verarmten Bevölkerungsteile die Gefahr, dass sie von lebensnotwendigen Ressourcen abgeschnitten würden. Die Umweltkosten, die intensive Bodennutzung mit sich bringt - ausgelaugte Böden, ausgetrocknete Wasserläufe und durch chemische Verunreinigung zerstörte Ökosysteme -, tauchen in den Geschäftskalkulationen bisher nicht auf. Diese Rechnung wird das Gastgeberland begleichen müssen - nicht anders als bei den Umweltzerstörungen, die die Ausbeutung durch die britisch-niederländische Shell im Niger-Delta Nigerias hinterlassen hat. Vandana Shiva, Leiterin der Research Foundation for Science, Technology and Ecology in Indien, stellt die momentane Begeisterung des Westens für Biokraftstoffe in Frage. Sie benötigen nicht nur Millionen Hektar Anbaufläche, sondern sind verantwortlich für den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den Jahren 2007 und 2008. Die Erzeugung von Biokraftstoffen zwinge viele Bauern dazu, etwa den Anbau von Jatropha - die Pflanze enthält ölhaltige Samen, mit denen Biodiesel hergestellt werden kann - auf Feldern zu betreiben, die sie eigentlich für den Anbau von Nahrungsmitteln nutzen (Future of Food). In der zentralindischen Region Chattisgarh wurden Jatropha-Felder von Dorfbewohnern zerstört. Eine der festgenommenen Frauen sagte: »Wir können es nicht essen. Wir können es nicht verbrennen, wir können es für überhaupt nichts benutzen. Die Armen müssen ihren Lebensunterhalt vom Acker holen können. Jatropha ist nur als Treibstoff nützlich. Und wir haben kein Auto, unsere Tiere sterben, wenn sie Jatrophy essen« (ebd.). Walden Bello weist darauf hin, dass viele afrikanische Staaten zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit ihren Nahrungsmittelbedarf selbst decken konnten und Nahrungsmittel exportierten (2008). Diese Situation hat sich dramatisch gewandelt. Die Strukturanpassungsprogramme, die in den 1980er und 1990er Jahren vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank durchgesetzt wurden, haben zur Zerstörung der afrikanischen Agrarwirtschaft beigetragen. Die afrikanischen Regierungen wurden gezwungen, Kontroll- und Unterstützungsmechanismen der Landwirtschaft zu kappen und sie mussten »die Preiskontrolle für Dünger aufheben. Gleichzeitig führte der Abbau von Landwirtschaftskrediten nur dazu, dass es weniger Anträge, geringere Erträge und weniger Investitionen gab« (ebd.). IWF und Weltbank behaupteten beharrlich, dass ihre Politik zu ausländischen Direktinvestitionen führen würde. Aber das Zurückziehen des Staates schreckte private Investitionen eher ab. Strukturanpassungen bedeuten nicht nur den Rückzug aus staatlichen Investitionen, sondern den Abbau des Staates. Mit dem Verweis auf ausländischer Direktinvestitionen laden afrikanische Regierungen reiche Länder ein, Agrarflächen in ihren Staaten zu kaufen. Bereits zuvor waren Bauern in Afrika gezwungen, die Feldfrüchte anzubauen, die der Markt verlangte. Sie verschulden sich, um Landwirtschaftsmaschinen oder Samen und Dünger kaufen zu können, oder sie geben den Anbau auf und suchen in städtischen Regionen nach anderen Möglichkeiten der Lebensgewinnung. Die politischen und wirtschaftlichen Risiken dieser Geschäfte mit Anbauflächen sind enorm. Das Machtungleichgewicht der Geschäfte gefährdet den Lebensunterhalt der Armen. Der ausländische Investor verfügt über die Macht des Geldes, die lokalen und die Regierungseliten zu kaufen. Auf diesem Weg werden Kleinbauern legal zugrunde gerichtet, umgesiedelt, wenn nicht enteignet und ihres Landes beraubt. »Die Verhandlungsmacht bei der Aushandlung dieser Vereinbarungen liegt auf Seiten des ausländischen Investors, vor allem dann, wenn seine Bestrebungen von den Eliten des Gastgeberlandes unterstützt werden« (Ruth Meinzen-Dick, www.ifpri.org). Die Kleinbauern verfügen oft nur über geringe formale Bildung und verstehen die weit reichenden Implikationen des Kleingedruckten in den Verträgen nicht. Zudem haben viele afrikanische Bauern formal nicht das Recht, den von ihnen genutzten Boden zu bebauen und werden einfach vertrieben, damit der Investor sein Vorhaben realisieren kann. Anders als die afrikanischen Häuptlinge der Kolonialzeit unterschreiben Staatschefs wie Meles Zenawi und Omar Bashir die Verträge nach reiflicher Überlegung und mit Kalkül. Das »Outsourcing« afrikanischer Böden und Anbauflächen ist ein zutiefst negativer Aspekt der Globalisierung. Es ist notwendig, dass wir unsere Staatsführungen davon abhalten, uns freiwillig wieder in eine Kolonie zu verwandeln und die Ressourcen Afrikas zu rekolonisieren. Die Europäische Union zahlte im Jahr 2008 125 Mio. Pfund (138 Mio. Euro) an Entwicklungsländer, damit moderne europäische Flotten in deren Gewässern fischen dürften. Seit Jahren haben Trawler aus der ganzen Welt vor der Küste Senegals gefischt, einige legal, einige illegal. Jedes Jahr werden etwa 25000 Tonnen Fisch in die EU exportiert. Viele große Trawler fahren unter senegalesischer Fahne. Moussa Faye von Actionaid, einer Kampagne gegen die Überfischung, kritisiert dies als Betrug an der senegalesischen Regierung und dem senegalesischen Volk. Tatsächlich handele es sich um europäische Unternehmen, die den Fisch exportieren, um Profit zu machen. Fisch ist die Hauptquelle tierischen Eiweißes für die örtliche Bevölkerung. Wenn er exportiert wird, müssen Menschen, die Fleisch nicht bezahlen können, auf tierische Eiweiße verzichten. Mangelernährung ist die Folge.3 Zu Zeiten des Sklavenhandels und der kolonialen Ära in Afrika gelang es den europäischen Nationen, ein stillschweigendes Abkommen mit ihren Arbeiterklassen aufrechtzuerhalten: Die herrschende Klasse würde das Ausmaß an Hunger und Entbehrung so gering wie möglich halten, indem sie dafür sorgte, dass eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln vorhanden war. Diese Abkommen wurde in der Neuen Welt auf dem Rücken von Millionen afrikanischer Sklaven ausgetragen und in den afrikanischen Kolonien dem der kolonialisierten Subjekte, die preiswerten Zucker, Tee, Baumwolle, Gummi, Zinn und Palmöl für den Export in die Metropolen der Kolonialmächte erzeugten. Ähnliches geschieht heute: Wie damals dienen billiger Zucker und andere Agrarerzeugnisse dazu, die Körper der europäischen Arbeiter zu befriedigen und zu befrieden. Angesicht der Aufstände, die von 2007 bis 2008 stattfanden, spielt die Flut der neuen Landaufkäufe dieselbe Rolle. Sie dienen der Ruhigstellung der aufständischen Bürger auf Kosten der afrikanischen Armen und insbesondere der afrikanischen Bauerngemeinden. Wer wird in dieser Situation die Hungernden Afrikas versorgen?

Was muss getan werden?

Vor kurzem zeigten madagassische Bauern den Bauern der Welt, was zu tun ist. Als bekannt wurde, dass die Regierung einen Pachtvertrag mit Daewoo Logistic abgeschlossen hatte, der dem südkoreanischen Autokonzern für 99 Jahre das Recht auf die Nutzung von 1,3 Mio. Hektar Anbaufläche in Ost- und Westmadagaskar garantiert, wurde die Regierung gestürzt. Der madagassische Bauernverband (Fekritana) mobilisierte seine Mitglieder zum Widerstand gegen diesen Vertrag. In der Verpachtung von Feldern sahen sie die Interessen Madagaskars verletzt. Rihatiana Rasonarivo von Fekritana forderte, dass die Regierung zuerst den Bauern Land zur Verfügung stellt. Ähnliches spielte sich auf den Philippinen ab. Der Politiker Rafael Mariano, der die philippinischen Bauern vertritt, brachte eine Resolution ein, in der er eine sofortige Untersuchung der »großen ausländischen Landnahme« forderte. Für die Philippinen sei es die größte Dummheit, zum Nutzen der Nahrungsmittelsicherung anderer Nationen die eigenen Agrarflächen zur Ware zu machen, während es selbst auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen sei. Auch die Kampagne der militanten Bauernkoalition Asien (APC) und der Internationalen Liga einer asienweiten Bauernkarawane für Land und Lebensunterhalt fanden in westlichen Medien und in Afrika nur wenig Aufmerksamkeit. Von Juli bis November 2009 zog sie durch zehn asiatische Länder, unter dem Motto: »Stoppt die weltweiten Landnahmen. Kampf für allgemeine Landreform und Nahrungsmittelsouveränität für alle Menschen.« Diese Graswurzelbewegung will Aufmerksamkeit für die Notlage armer Bauern schaffen, deren Lebensverhältnisse durch neoliberale Politik und transnationale Unternehmen rapide verschlechtert wurden. Zu den Zielen der Bewegung gehört, Siege der Bauern, Erfolge in den Kämpfen um Landreformen bekannt zu machen und auf diese Weise einen Agrarwandel zu erzielen, der im Interesse der asiatischen Bauern ist. Um die nötigen Handlungsschritte auf die Agenda zu setzen, bedarf es vieler Initiativen und der Öffnung neuer Kampffelder. Erstens müssen afrikanische Regierungen der ausreichenden Versorgung der eigenen Bevölkerungen mit Nahrungsmitteln den höchsten Stellenwert beimessen. Agrarinvestitionen sind eine Notwendigkeit und erste Priorität. Die Unterstützung von Kleinbauern bei der Erzielung größerer Erträge ist notwendig, um dem Hunger in Städten und auf dem Land Einhalt zu gebieten. Zweitens muss die Zivilgesellschaft unter Beteiligung von afrikanischen Bauernverbänden und Kooperativen die lokale Bevölkerung und Kleinbauern darüber aufklären, dass Landverkäufe nicht in ihrem Interesse sind. Drittens müssen die Erfahrungen wie die der madagassischen Bauern oder der asiatischen Bauernkoalition an andere Bauerngewerkschaften des Globalen Südens weitergegeben werden, nicht nur im Sinne der Solidarität, sondern als konkrete Beweise dafür, dass im gemeinsamen Kampf gegen Landverkäufe Veränderungen möglich sind. Schließlich müssen wir für das Recht kämpfen, dass afrikanische Menschen über Anbauflächen und andere wichtige Ressourcen Kontrolle erhalten.

 

Aus dem Englischen von Catharina Schmalstieg

 

Der Beitrag erschien in Luxemburg 2/2009, S. 76ff. Der englische Originaltext ist erschienen auf www.pambazuka.org/en/category/features/58809

 

Literatur

Bello, Walden, 2008: Destroying African Agriculture, in: Global Research, 5.6.2008, www.globalresearch.ca

Fanon, Frantz, 1966: Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt/M

FAO, 2009: Land Grab or Development Opportunity? Agricultural Investment and International land Deals in Africa. London/Rom, ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/011/ ak241e/ak241e.pdf Future of Food, British Broadcasting Corporation, Channel BBC2 documentary, presented by George Alagiah, 24.8.2009

Patel, Raj, 2007: Stuffed and Starved: Markets, Power and the Hidden Battle for the World's Food System. Portobello

P. Sainath, The Largest Wave of Suicides in History, in: CounterPunch, 12.2.2009, www.counterpunch.org/ sainath02122009.html 1 Vgl. The Guardian, 3.7.2009; BBC: http://news.bbc. co.uk/go/pr/fr/-/1/hi/business/8150241.stm