Beim Klima geht’s um die Wurst

Fleischproduktion und Klimawandel

Ein großer, grüner Geist ist auf dem Flugblatt zu sehen. Er kommt aus dem Hintern einer Kuh. Darüber steht: „Mampf dem Klimawandel!“ Auf der ersten großen Klima-Demo in Deutschland verteilen Tierfreundinnen und Tierfreunde die Zettel, die für eine vegane Lebensweise werben. Das war vor anderthalb Jahren. Inzwischen haben zwar auch schon andere Tierschutzorganisationen gemerkt, dass sich mit Klimaschutz Werbung für eine Welt ohne Fleisch machen lässt – bei vielen umweltbewussten Menschen ist die Botschaft allerdings noch nicht angekommen.

Der grüne Geist ist gar kein Geist, sondern bloß das Gas Methan, das Kühe beim Furzen ausstoßen. Und das hat es in sich: Es ist 23mal so schädlich für das Klima wie das bekannte Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Dadurch können schon geringe Mengen gewaltige Folgen für das Klimasystem haben. Mehr als ein Drittel aller Methan-Ausstöße wird durch die Viehhaltung verursacht. Noch gefährlicher ist Stickoxid. Auch wenn die absolute Menge der Emissionen nicht vergleichbar ist mit dem CO2-Ausstoß: Ein Gramm Stickoxid ist fast 300mal so klimaschädlich wie dieselbe Menge an CO2. Und auch dieses Gas fällt bei der Fleischproduktion an: Mehr als die Hälfte des weltweiten Ausstoßes geht auf das Konto der Tierhaltung.

Tierhaltung ist klimaschädlicher als Verkehr

All diese Zahlen haben sich nicht Tierschützerinnen und Tierschützer ausgedacht, die Klima-Aktivisten zum Verzicht auf Fleischkonsum missionieren wollen. Diese Angaben stammen von der Welternährungsorganisation FAO unter dem Dach der Vereinten Nationen. In einer Studie aus dem Jahr 2006 wird auch eine Gesamt-Klimabilanz präsentiert, die verschiedene Treibhausgase je nach ihrer Klimaschädlichkeit einbezieht. Das Ergebnis: Die Tierhaltungsindustrie ist verantwortlich für knapp ein Fünftel aller menschengemachten Treibhausgas-Emissionen, die zur Erderwärmung führen. Das ist mehr Klimagift, als im gesamten Verkehrssektor anfällt.

Verursacht wird das zwar zum größten Teil durch die besonders „klimawirksamen“ Gase wie Methan und Stickoxid; doch auch beim Kohlendioxid sind es immerhin 9 Prozent des weltweiten Ausstoßes, die verursacht werden durch Züchtung, Haltung, Fütterung, Tötung, Transport und Verarbeitung von Tieren. Gesenkt werden könnte der Ausstoß durch einen Umstieg auf vegetarische Produkte, die nicht vom Tier kommen. Das hat einen einfachen Grund: Tiere verbrauchen viel Energie. Sie müssen gefüttert werden mit Getreide, das ansonsten direkt von Menschen gegessen werden könnte. Je nach Tierart wird für eine Energieeinheit Kalorie im Fleisch zwei bis 15 pflanzliche Kalorien benötigt, im Durchschnitt siebenmal so viel. Fleischessen ist in dem Sinne also Energieverschwendung.

Doch diese Energieverschwendung spielt bei vielen Umweltschutzorganisationen genauso wenig eine Rolle wie die Klimaschädlichkeit der Fleischproduktion. Die Massentierhaltung wird übersehen, ignoriert, abgetan oder kleingeredet. Zumindest bleiben die Klimaschutzkampagnen zur Senkung des Fleischkonsums bislang aus. Vielleicht ist das Thema schwer vermittelbar, weil kaum jemand um die Klimafolgen der Fleischproduktion weiß. Vielleicht eignet sich das Thema nicht als Kampagnenschwerpunkt, weil ein Großteil der Bevölkerung nicht auf Fleisch verzichten will. Die Möglichkeit, in größerem Umfang Treibhausgase einzusparen, besteht jedenfalls.

Gemüse spart Treibhausgase

In Deutschland fällt der Anteil der „Fleisch-Emissionen“ zwar nicht so stark ins Gewicht wie in anderen Ländern, die im Industrie-, Energie- und Verkehrssektor weit weniger ausstoßen. Dennoch verursacht die Produktion von Lebensmitteln im Durchschnittshaushalt immerhin acht Prozent der Treibhausgasemissionen. Wie dieser Anteil gesenkt werden kann, hat das Öko-Institut Darmstadt vorgerechnet. Für verschiedene Lebensmittel wurden Emissionswerte ermittelt mit Hilfe einer umfangreichen Datenbank, die nicht nur verschiedene Prozesse der Lebensmittelproduktion, sondern auch zum Beispiel deren Lagerung und Transport mit einschließt. Ergebnis: Verschiedene Gemüsesorten etwa verursachen nur ein Zehntel der Treibhausgas-Ausstöße, die bei der gleichen Menge an Fleisch anfiele. Back- und Teigwaren haben eine etwas schlechtere Klimabilanz, jedoch eine noch deutlich besser als Fleisch. Und generell gilt, dass ökologisch erzeugte Waren für das Klima leichte Vorteile haben gegenüber herkömmlichen Produkten.

Doch Vorsicht: Richtige Öko-Esser sollten auch die kleinen Tücken und Geheim-Tricks kennen: So sind getrocknete Kartoffeln gar nicht gut fürs Klima. Und Pommes und Butter gehen überhaupt nicht. Alle, die weiterhin Fleisch essen wollen, müssen sich eigentlich nur eins merken: Rindfleisch ist um ein Dreifaches klimaschädlicher als andere Fleischarten. Weshalb? Wegen des Furzens der Kühe. Da wird der grüne Geist auf dem Flugblatt ganz real.

erschienen in Tendenz 1/2009

Kommentare

Trüffelschweinisches zur Fleischfrage

Danke für den Beitrag, das Thema Fleischverzehr gehört natürlich auf die Agenda aller Bewegung für soziale Emanzipation. Eine Klarstellung. Der Fleischverzehr ist nicht (wie der Verkehr oder die Vernichtung der Wälder für 20 Prozent der Treibnhausgas -Emissionen verantwortlich. Es stimmt aber nicht, dass die Notwendigkeit der Reduktion von Fleischverzehr bei Umweltverbänden ignoriert wird. Ich kenne keine relevante Institution der Umweltbewegung, auf deren Webpräsenz es keine Infos und keine entsprechende Forderungen gibt. Der BUND hat jüngst eine Broschüre dazu heraus gebracht http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/20091000_landw... Die FÖS verlangt u.a. deshalb, Landwirtschaft in den Emissionsrechtehandel einzubeziehen und fordert generell "die Einführung des Verursacherprinzips in der Landwirtschaft, welches zumindest in wesentlichen Bereichen in Form einer Abgabe auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel verwirklicht werden könnte" http://www.foes.de/themen/landwirtschaft/ Der WWF fordert, die Landwirtschaft in die Klimaverhandlungen einzubeziehen "Bislang gibt es weder für Deutschland noch für die EU politische Zielvorgaben, um die landwirtschaftlichen Emissionen von Methan und Lachgas zu reduzieren. Die europäische Klimapolitik vernachlässigt die Landwirtschaft, die europäische Agrarpolitik den Klimaschutz. Eine zusammenhängende und abgestimmte Entscheidungsfindung zwischen den beiden Politikbereichen ist nicht vorhanden. Wie für die EU insgesamt sollte auch in der Landwirtschaft eine Reduktion der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 30 Prozent bis 2020 erreicht werden. Allein durch die Wahl bestimmter Tierhaltungen lassen sich die Emissionen von Treibhausgasen erheblich verringern. Freilandhaltung, ob ganzjährig oder teilweise, verursacht vergleichsweise geringe Emissionen. Auch über die Vergärung von tierischen Exkrementen in Biogasanlagen könnten die Methan- und Lachgasemissionen deutlich verringert werden. Ein hohes Reduktionspotenzial gibt es auch beim Düngemitteleinsatz. Dessen Effizienz liegt in Deutschland bei allenfalls 50 Prozent. Das heißt, nur die Hälfte des eingesetzten Stickstoffs kann von den Pflanzen überhaupt genutzt werden." http://www.wwf.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-klima/ Es wäre also von Nutzen, einmal alles zusammen zu tragen, was es in dem Bereich an Infos und Forderungen gibt um zu sehen, wie das Ganze voran gebracht werden kann. Ich denke auch, dass das Thema Fleischverzehr wie überhaupt der "ökologische Fußabdruck" ein Element globaler Übereinkommen werde sollte, und weiter, dass die Bestimmung eines zukunftsfähigen und unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werdenden Pro-Kopf Verbrauchs dafür eine notwendiges Mittel wären. Ich sehe das im Übrigen als notwendiger als Moment, der Entwicklung weltgemeinschaftlicher Produktionsverhältnisse. Gruß hhirschel Mehr (Öko-)Sozialismus wagen :-) http://hhirschel.wordpress.com

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